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Covid-19:Krank durch die Maske?

Coronavirus - Russland

Es ist nicht immer angenehm, eine Maske zu tragen - gefährlich ist es aber nicht, sagen Mediziner.

(Foto: Dmitri Lovetsky/dpa)

Im Internet kursieren Gerüchte, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sei ungesund oder gar lebensgefährlich. Experten geben jedoch Entwarnung.

Von Christina Berndt

Es ist schon ungewohnt und manchmal auch unangenehm, ständig durch eine Maske zu atmen. Aber ist es auch ungesund oder gar gefährlich? Das fragen sich viele Menschen, seit sie ihren Atemstrom mitunter viele Stunden am Tag durch ein Stück Gewebe pusten und saugen müssen. Sie befürchten, dass es durch die Masken womöglich zu Atemwegserkrankungen, Infekten oder gar Sauerstoffunterversorgung kommen könnte.

Die Sorgen sind nicht kleiner geworden, seit der Arzt Bodo Schiffmann Horrornachrichten zum Thema verbreitet. "Es ist jetzt innerhalb von kurzer Zeit das zweite Kind gestorben", sagt er in einem aktuellen Video mit harter und zugleich emotionaler Stimme. "Auch dieses Kind ist ohne Vorerkrankungen", so Schiffmann weiter, und "mit großer Wahrscheinlichkeit dadurch gestorben, dass es diese Maske getragen hat." Die Nachricht will der HNO-Arzt aus Sinsheim, der einen immer schärferen Feldzug gegen die Corona-Maßnahmen führt und von Faschisten in der Regierung spricht, "von einem ärztlichen Kollegen" bekommen haben. Details nennt er nicht, nur so viel: "Wir haben jetzt zwei tote Kinder, wie viele sollen es denn bitte noch werden?"

Berichte über angebliche Todesfälle durch die Bedeckung verbreiten sich im Internet

Mit dem ersten Kind meint Schiffmann eine 13-Jährige, die Anfang September in der Pfalz in einem Schulbus zusammenbrach und im Krankenhaus starb. Schnell machten Gerüchte die Runde, die Maske sei schuld an ihrem Tod. "Erstes Todesopfer durch Maske?", schrieb die AfD-Politikerin Birgit Malsack-Winkemann auf Facebook und forderte: "Schluss mit dem Irrsinn." Was wirklich geschehen ist, soll eine Obduktion klären. Doch deren Ergebnisse lassen auf sich warten. Am 11. September teilte die Staatsanwaltschaft Karlsruhe mit, dass die Obduktion die Todesursache nicht eindeutig feststellen konnte, deshalb würden weitere Untersuchungen vorgenommen. Das heizt die Gerüchte weiter an.

Mediziner halten die Sorgen jedoch für haltlos. "Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass ein Mensch lebensbedrohliche Symptome entwickelt, weil er eine Maske trägt", sagt Michael Pfeifer, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. "Auf Basis des aktuellen Wissensstands ist das Tragen von Masken unbedenklich."

Das sieht auch Klaus-Dieter Zastrow so, Leiter des Hygiene-Instituts Berlin Search Care: "Vor Sauerstoffmangel durch das Tragen von Masken muss man keine Angst haben, es sei denn, man bastelt sich eine luftundurchlässige Maske und schnürt sie fest hinterm Kopf zusammen." So einen Fall hat Zastrow selbst erlebt. "Da hatte ein Mann als mittlere Lage seiner Maske Plastik verwendet, dann kann man natürlich nicht mehr ausreichend atmen", so Zastrow. Der Hygieniker verweist darauf, dass Ärzte weltweit stundenlang Masken tragen, wenn sie etwa am OP-Tisch stehen. "Es sind keine Gesundheitsprobleme bei Ärzten deswegen bekannt", so Zastrow, "und aus den Latschen gekippt ist deshalb auch noch keiner."

Wer bestimmte Erkrankungen hat, dem fällt das Atmen durch den Stoff schwerer

Zastrow hat sich auch mit der Keimbelastung von Masken beschäftigt. Seine Mitarbeiter baten Passanten auf der Straße um ihre Mund-Nasen-Bedeckungen und untersuchten diese. Sowohl auf der Innen- als auch auf der Außenseite tummelten sich keine bedenklichen Erreger. Die Wissenschaftler fanden vor allem normale Hautkeime und manche Umweltbakterien, wie sie zum Beispiel auf Gemüse leben. Für Zastrow steht fest: "Der Mund-Nasen-Schutz ist überhaupt kein Gesundheitsrisiko."

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Vorsicht ist allerdings für besondere Gruppen geboten - zum Beispiel für kleine Kinder. "Kinder bis zum Alter von drei Jahren sollten unbeaufsichtigt keine Maske tragen", empfiehlt Reinhard Berner, der Leiter der Pädiatrie am Universitätsklinikum Dresden. Auch sollte kein Kind, gleich welchen Alters, mit Maske schlafen, damit es sich nicht unglücklicherweise damit stranguliert.

Schwierig können Masken zudem für erwachsene oder kindliche Patienten mit Lungen- oder Herzproblemen werden. Wer ohnehin schon eine eingeschränkte Lungenfunktion hat, atmet mit Maske eben noch schwerer. "Die Maske bedeutet eine Mehrbelastung für die Atemmuskulatur", sagt der Pneumologe Michael Pfeifer, "das kann schneller zur Erschöpfung führen." Deshalb sollten Patienten das Tragen der Maske mit ihrem Arzt absprechen.

Wie anstrengend das Masketragen sein kann, haben Kardiologen vom Universitätsklinikum Leipzig gezeigt. Sie ließen gesunde Menschen mit und ohne Maske auf einem Fahrrad-Ergometer strampeln. Deren Leistungsfähigkeit war sowohl durch einfache chirurgische Masken als auch durch dichtere FFP2-Masken "signifikant reduziert", wie Ulrich Laufs sagt, der Leiter der Leipziger Kardiologie. "Die Masken beeinträchtigen die Atmung, vor allem das Volumen und die höchstmögliche Geschwindigkeit der Luft beim Ausatmen", so Laufs. Dadurch wurde die maximal mögliche Kraft auf dem Ergometer kleiner. Außerdem säuerte das Blut bei Anstrengung schneller an.

"Es stellt sich daher schon die Frage, ob Menschen, die mit Maske körperlich anstrengende Arbeit leisten, öfter Pause machen müssten", sagt Laufs. Er betont aber auch: Gefahr sei durch die Masken nicht im Verzug. Und auch die Maskenpflicht will er nicht infrage stellen. "Der Mund-Nasen-Schutz ist in jedem Fall wertvoll, um das Coronavirus an der Ausbreitung zu hindern."

© SZ
Intensivbett Uniklinikum Dresden Ein Intensivbett in einer Intensivstation der Uniklinik Dresden. Links neben dem Bett s

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