Corona-Pandemie:Booster-Impfung gegen Corona empfohlen

People receive COVID-19 booster vaccination in Michigan

Eine Krankenschwester bereitet eine Auffrischungsimpfung mit dem Corona-Vakzin von Biontech/Pfizer vor.

(Foto: EMILY ELCONIN/REUTERS)

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA empfiehlt eine dritte Spritze für Menschen mit einem stark geschwächten Immunsystem. Doch was ist mit den anderen Geimpften?

Von Berit Uhlmann

In Europa ist der Weg zu Auffrischungsimpfungen gegen Covid-19 ein Stück weiter geebnet. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat erstmals Empfehlungen für die dritten Spritzen ausgesprochen. Demnach kamen die Experten ihres Ausschusses für Humanarzneimittel zu dem Schluss, dass vor allem Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem von einer zusätzlichen Impfdosis profitieren können. Diesen Patienten, zu denen etwa Organtransplantierte gehören, könne eine dritte Dosis der mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer sowie von Moderna verabreicht werden. Der Abstand zur zweiten Spritze sollte mindestens 28 Tage betragen.

Die Behörde begründete ihre Empfehlung mit Studien, wonach Menschen mit eingeschränkt arbeitendem Immunsystem durch Booster-Dosen in die Lage versetzt werden, mehr Antikörper gegen Sars-CoV-2 zu bilden. Die Experten schränkten ein, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass die Fähigkeit, höhere Antikörper-Titer zu produzieren, zwangsläufig auch einen umfassenden Schutz vor Covid-19 bedeute. Es sei aber davon auszugehen, "dass die zusätzliche Dosis den Schutz zumindest bei einigen Patienten erhöht".

Etwas zurückhaltender äußert sich die EMA zu Auffrischungen für alle Geimpften. Eine Booster-Dosis könne für Personen ab 18 Jahren "in Betracht gezogen werden", hieß es. Der zeitliche Abstand zur zweiten Dosis solle mindestens sechs Monate betragen. Die EMA berief sich in dieser Einschätzung auf Daten des Biontech-Vakzins Comirnaty. Deren Auswertung habe gezeigt, dass Menschen zwischen 18 und 55 Jahren höhere Antikörperspiegel ausbilden, wenn die Booster-Dosis etwa sechs Monate nach der zweiten Spritze verabreicht wird. Die Daten für eine Auffrischungsimpfung mit dem Moderna-Vakzin wertet die EMA aktuell noch aus.

Zu möglichen Nebenwirkungen schrieb die europäische Behörde, dass ein Risiko von entzündlichen Herzerkrankungen oder anderen sehr seltenen unerwünschten Wirkungen nach Auffrischungsimpfungen aktuell noch nicht bekannt sei. Dies werde sorgfältig geprüft. In wenigen Fällen waren insbesondere nach der zweiten Dosis eines mRNA-Vakzins Entzündungen von Herzmuskel oder Herzbeuteln beobachtet worden. Sie verliefen in aller Regel mild.

Innerhalb Europas sind unterschiedliche Regelungen nicht ausgeschlossen

Benjamin Neuman, leitender Virologe an der Texas A&M University, sagte, die Entscheidung stehe im Einklang mit der Wissenschaft. "Jüngste Studien zeigen, dass die Antikörperspiegel bei jungen und alten Menschen in etwa gleich schnell abnehmen und dass eine dritte Impfung die Antikörperspiegel weitaus stärker ansteigen lässt als zwei Impfungen. Die Vorteile einer dritten Impfung im Hinblick auf die Erhöhung der Antikörperspiegel scheinen über alle Altersgruppen hinweg gleich zu sein."

Die EMA betonte, dass die Entscheidung über zusätzliche Impfangebote bei den EU-Mitgliedstaaten liege. Penny Ward, Pharmazeutin am King's College in London, rechnet damit, dass die Mehrheit der Länder angesichts des nahenden Winters Booster-Dosen für gefährdetere Bevölkerungsgruppen einführen werden. Im Detail würden sich die Empfehlungen aber vermutlich unterscheiden. Was unterschiedliche Regelungen etwa beim Reisen in andere Länder bedeuten könnten, ist derzeit noch nicht abzusehen.

In Deutschland hat die Ständige Impfkommission bisher nur Auffrischungsimpfungen für Menschen mit eingeschränktem Immunsystem explizit empfohlen. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich jedoch schon zuvor darauf geeinigt, dass prinzipiell allen Menschen ab 60 Jahren eine Auffrischungsimpfung angeboten werden kann. Vorrang sollen allerdings besonders gefährdete Menschen haben; dazu gehören vor allem Personen, die in Pflegeeinrichtungen leben. Nach Daten des Robert-Koch-Instituts haben bereits mehr als 670 000 Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Unabhängig von der wissenschaftlichen Bewertung ist die Verabreichung von Booster-Shots ethisch heikel. Die Weltgesundheitsorganisation hatte ein Moratorium für Auffrischungsimpfungen bis Ende des Jahres gefordert. In dieser Zeit sollten möglichst viele Impfstoff-Dosen in ärmere Staaten geliefert werden, damit sie wenigstens die vulnerabelsten ihrer Einwohner impfen können. In den ärmsten Staaten der Welt sind bis jetzt nur etwa drei Prozent der Bevölkerung immunisiert.

© SZ
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