Stiko-Empfehlung:Was man über den Booster für Jugendliche wissen muss

Lesezeit: 4 min

Corona-Impfung bei einer Frau

Knapp elf Prozent der Jugendlichen haben sie schon erhalten, nun empfiehlt die Ständige Impfkommission sie auch offiziell: Die Booster-Impfung für Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Was genau steht in der Empfehlung der Ständigen Impfkommission? Welcher Impfstoff kommt zum Einsatz? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Auffrischungsimpfung in der Altersgruppe von zwölf bis 17.

Von Oliver Klasen

Karl Lauterbach reagierte sofort auf die Mitteilung der Ständigen Impfkommission, dass sie von nun an die Booster-Impfung auch für die Altersgruppe von zwölf bis 17 Jahren ausdrücklich empfehlen will. "Jetzt haben alle Jugendlichen und ihre Eltern Gewissheit", schrieb der Bundesgesundheitsminister. Doch was hat die Stiko genau beschlossen? Welcher Impfstoff kommt zum Einsatz? Und welche Risiken gibt es? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was steht in der Empfehlung der Stiko?

Die dritte Impfung wird künftig auch für Zwölf- bis 17-Jährige angeraten - und zwar ausschließlich mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer. Dieser Impfstoff wird bei Menschen unter 30 Jahren generell als Vakzin der Wahl angesehen, weil beim Vakzin von Moderna die Gefahr einer Herzmuskelentzündung etwas höher ist als bei dem Biontech-Impfstoff. Die Dosis für die dritte Impfung beträgt wie bei Erwachsenen 30 Mikrogramm und ist damit genauso hoch wie die Dosis für die Erst- und Zweitimpfung. Zwischen der zweiten Impfung und dem Booster soll ein Mindestabstand von drei Monaten liegen.

Die Stiko begründet ihre Entscheidung mit den durch die Omikron-Variante stark ansteigenden Fallzahlen, die eine Gefahr für das Gesundheitssystem darstellten. Das mache eine Ausweitung der Impfkampagne erforderlich. Auch bei Kindern und Jugendlichen, das zeigten wissenschaftliche Untersuchungen, nehme die Wirksamkeit der Impfung nach wenigen Monaten ab. Durch eine Auffrischung könne der Impfschutz wieder verbessert werden.

Gibt es Risiken der Booster-Impfung?

Das Gremium weist darauf hin, dass die Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit einer Auffrischungsimpfung bei Zwölf- bis 17-Jährigen zwar noch begrenzt seien, die Risiken für schwerwiegende Impfnebenwirkungen seien gleichwohl sehr gering. Es seien Impfreaktionen zu erwarten, die mit jenen nach der zweiten Spritze zu vergleichen seien. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen dabei Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Das Paul-Ehrlich-Institut ist für die Sicherheit der Impfstoffe zuständig und dokumentiert sämtliche gemeldeten Verdachtsfälle von Nebenwirkungen seit Beginn der Impfkampagne am 27. Dezember 2020.

In der Gruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen gab es bisher 2777 gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen. Das betrifft 0,62 von 1000 Impfungen, wobei sehr leichte Nebenwirkungen meist nicht gemeldet werden. Knapp 23 Prozent dieser Meldungen betrafen schwerwiegende unerwünschte Reaktionen. So kam es in drei von 100 000 Fällen zu einer Herzmuskelentzündung, ebenso häufig waren Atembeschwerden. Ein Krampfanfall wurde in einem von 100 000 Fällen beobachtet, ein anaphylaktischer Schock in drei von einer Million Fällen.

Wie war die Regelung bisher?

Ausdrücklich empfohlen hatte die Stiko eine Booster-Impfung bisher nur für Erwachsene ab 18 Jahren. Eine Auffrischungsimpfung war für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren auch schon bisher möglich, allerdings gab es keine offizielle Empfehlung der Stiko dazu. Ob ein Kind oder eine Jugendliche die dritte Spitze bekam, lag also in der Verantwortung der Eltern und der behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Einige Arztpraxen hielten sich strikt an die Stiko-Empfehlungen verabreichten Kindern und Jugendlichen keine Booster. Das dürfte sich nun ändern.

Wie ist die Impfsituation bei den Zwölf- bis 17-Jährigen?

Diese Bevölkerungsgruppe umfasst 4,5 Millionen Menschen. Von ihnen sind dem Impfdashboard des Robert-Koch-Instituts zufolge 64,1 Prozent mindestens einmal geimpft. 55,5 Prozent haben zwei Impfungen erhalten und 10,9 Prozent sind bereits geboostert. Einige in dieser Altersgruppe haben sich also unabhängig von der Empfehlung der Stiko bereits die dritte Spitze geben lassen. Das ist ähnlich wie im Spätsommer. Auch damals kam die offizielle Empfehlung der Stiko für die Impfung dieser Altersgruppe erst, als schon ein erheblicher Anteil an Kindern und Jugendlichen geimpft war.

Warum dauerte es so lange bis zur Empfehlung der Stiko?

Die Stiko hat die Aufgabe, die Risiken einer Corona-Erkrankung gegen die Risiken einer Impfung abzuwägen, und zwar unter Heranziehen wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse. Sie muss also Studien auswerten und dabei zum Beispiel auch sehr seltene Nebenwirkungen einer Impfung berücksichtigen oder die Gefahr für schwere Covid-Verläufe bei Zwölf- bis 17-Jährigen im Blick behalten.

Das Problem in der Corona-Krise ist: Die verfügbaren Informationen sind stets unvollständig. So ist etwa über die Gefahr von Long Covid bei Kindern und Jugendlichen noch wenig bekannt. Studien dazu dauern sehr lange. Die Stiko hat bisher stets in einem Modus gearbeitet, in dem Empfehlungen mit wissenschaftlichen Daten unterfüttert und belegt werden mussten. Von dieser Vorgehensweise möchte sie aus nachvollziehbaren Gründen nicht abrücken. Die Politik hingegen ist es eher gewöhnt, auf Basis von unvollständigen Informationen Notfallentscheidungen zu treffen, die aus zeitlichen Gründen nicht bis ins Detail wissenschaftlich durchdacht sein können, sondern auf Einschätzungen beruhen. Daraus entstehen mitunter Konflikte.

Welche Daten gibt es aus anderen Ländern?

Die Booster-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen laufen auch in anderen Ländern noch nicht besonders lange. In den USA wurde die Zulassung für Zwölf- bis 15-Jährige Anfang Januar erteilt, 16- und 17-Jährige können seit Anfang Dezember die dritte Spitze erhalten. In Israel ist die Booster-Kampagne am weitesten fortgeschritten: Dort begannen die Drittimpfungen für Kinder und Jugendliche bereits Ende November.

Eine israelische Studie, in die etwa 6300 Jungen und Mädchen zwischen zwölf und 15 Jahren einbezogen waren, stützt die Stiko-Empfehlung (hier ist sie in englischer Sprache von der US-Seuchenbehörde CDC zusammengefasst, ab Folie 23). Die Daten legen zum einen nahe, dass sich der Schutz vor einer Erkrankung durch die Drittimpfung ähnlich gut erhöht wie bei Erwachsenen. Außerdem scheint zum Beispiel das Risiko für eine Herzmuskelentzündung, jene Nebenwirkung, die besonders gefürchtet ist, bei der Drittimpfung noch geringer zu sein als ohnehin schon. In Israel trat sie nach der dritten Spitze in keinem einzigen der untersuchten Fälle auf.

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