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Coronavirus:Impfstoffe wirken gegen Delta

Corona in Deutschland: Impfung gegen das Coronavirus

Impfung gegen das Coronavirus.

(Foto: KENA BETANCUR/AFP)

Hebelt die Delta-Variante den Impfschutz aus? Forscher geben dazu nun Entwarnung, sowohl Biontech als auch Astra Zeneca wirken gegen die Corona-Mutante. Ungefährlich ist sie deshalb aber nicht.

Von Christoph von Eichhorn

Sowohl der Impfstoff von Biontech als auch der von Astra Zeneca ist hochwirksam gegen die Delta-Variante des Coronavirus, berichten britische Forscher im Fachmagazin New England Journal of Medicine. Demnach liegt die Wirksamkeit des mRNA-Impfstoffs von Biontech gegen symptomatische Erkrankungen mit Delta bei 88 Prozent, verglichen mit 93,7 Prozent gegen die Alpha-Variante. Der Vektor-Impfstoff von Astra Zeneca schützt zu 67 Prozent davor, Symptome nach einer Infektion mit Delta zu entwickeln, verglichen mit 74,5 Prozent gegen Alpha.

Insgesamt schränke die Delta-Variante die Wirksamkeit der Vakzine somit nur moderat ein, betonen die Forscher. Allerdings gilt das nur, wenn zwei Dosen des Impfstoffs gespritzt werden. Nehmen Impflinge nur einen Termin wahr - gleich ob mit Biontech oder Astra Zeneca -, dann beträgt ihr Schutz gegen Delta laut der Studie lediglich rund 30 Prozent, 19 Prozentpunkte weniger als gegen die Alpha-Variante bei einer Dosis. Angesichts der starken Ausbreitung der Delta-Variante müssten sich die Anstrengungen daher darauf konzentrieren, je zwei Dosen der Impfstoffe zu verabreichen, vor allem an Risikopatienten.

Die Studien-Autoren, unter anderem von der Gesundheitsbehörde Public Health England, griffen für ihre Analyse auf Daten des nationalen Impfregisters in England zurück und glichen diese mit berichteten Symptomen und PCR-Tests auf die verschiedenen Varianten ab. Dabei differenzieren die Forscher jedoch nicht zwischen leichten und schweren Verläufen von Covid-19. Insgesamt gehen Wissenschaftler aber davon aus, dass die Impfung mit allen in Deutschland zugelassenen Impfstoffen gerade gegen schwere Verläufe auch bei Delta noch sehr gut schützt.

Größere Virenlast, schwerere Verläufe: Was Delta so gefährlich macht

In den Daten der britischen Forscher zeigt sich auch die rasante Ausbreitung der Delta-Variante: Mitte Mai machte sie demnach bereits 93 Prozent der Neuinfektionen in England aus. Erstmals war diese Variante von Sars-CoV-2 im Dezember 2020 in Indien entdeckt worden und brachte das Gesundheitssystem des Landes zwischenzeitlich an den Rand des Zusammenbruchs. Zum Höhepunkt der jüngsten Welle im Mai verursachte sie in Indien rund 400 000 Neuinfektionen und 4000 Todesfälle pro Tag. Mittlerweile wurde sie deutlich gebremst, das Land verzeichnet aber noch rund 40 000 Neuinfektionen pro Tag.

Die Delta-Mutante kursiert nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation derzeit in 124 Staaten. Zwei neue Studien aus China und Kanada untermauern die Gefährlichkeit der Variante. Beide Arbeiten wurden als Preprint veröffentlicht, also noch nicht unabhängig begutachtet.

In China wurden Menschen untersucht, die nach Kontakt mit einem Delta-Infizierten in Quarantäne waren. Der PCR-Test sei bei ihnen schon nach durchschnittlich vier statt wie bei frühen Varianten nach sechs Tagen positiv gewesen. Außerdem sei die Viruslast beim ersten positiven Test 1200-mal höher gewesen als bei ursprünglichen Virusvarianten. "Das legt nahe, dass diese besorgniserregende Variante sich möglicherweise schneller vermehrt und in den frühen Stadien der Infektion ansteckender ist", so die WHO.

Der kanadischen Studie zufolge birgt eine Covid-19-Erkrankung mit der Delta-Variante auch höhere gesundheitliche Gefahren als Infektionen mit früheren Sars-CoV-2-Mutanten. Das Risiko für einen Verlauf, der einen Krankenhausaufenthalt erfordert, war auf das 2,2-Fache erhöht, und die Gefahr, Intensivpflege zu benötigen, fast viermal so groß. Das Sterberisiko ist demnach um den Faktor 2,4 erhöht.

Weltweit ist die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen in der Woche bis zum 18. Juli um zwölf Prozent auf rund 3,4 Millionen gestiegen. Die größte Zahl erfasster neuer Fälle verzeichneten demnach Indonesien (plus 44 Prozent) und Großbritannien (plus 41 Prozent). Die WHO nennt vier Gründe für den Anstieg: die neuen hochansteckenden Virusvarianten, die Lockerung von Corona-Schutzmaßnahmen, mehr soziale Kontakte und die hohe Zahl von Menschen, die noch nicht geimpft werden konnten, weil Impfstoffe zwischen reichen und armen Ländern ungleich verteilt sind.

Mit Material von dpa

© SZ
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