Coronavirus:Was über Omikron-Typ BA.2 bekannt ist

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Coronavirus: Eine möglicherweise noch leichter übertragbare Omikron-Untervariante breitet sich in einigen Ländern zügig aus (Symbolbild).

Eine möglicherweise noch leichter übertragbare Omikron-Untervariante breitet sich in einigen Ländern zügig aus (Symbolbild).

(Foto: Uwe Anspach/picture alliance/dpa)

Noch ist die Datenlage dürftig, aber offenbar kann sich die Omikron-Untervariante schneller ausbreiten als ihre Verwandten. Wie sehr schützt die Impfung, und was bedeutet das für mögliche Lockerungen? Fragen und Antworten.

Von Philipp Saul

Was ist BA.2?

Wie auch die bislang in Europa dominante Variante BA.1 ist BA.2 ein Subtyp der Omikron-Variante von Sars-CoV-2. Beide Untervarianten wurden bereits kurz nach Entdeckung von Omikron Ende November 2021 bemerkt und unterscheiden sich voneinander in ungefähr 20 Mutationen. Während sich BA.1 zunächst durchzusetzen und die dominante Delta-Variante zu verdrängen schien, blieb BA.2 anfangs unbeachtet. PCR-Tests erkennen zwar beide Subtypen, können sie aber nicht ohne Weiteres unterscheiden. Zunächst war nur BA.1 in einem angepassten PCR-Test als Omikron identifizierbar, BA.2 nicht.

Will man die Ausbreitung dieser Subvariante verfolgen, sind aufwendigere und länger dauernde Analysen nötig, weil in ihrem Erbgut eine Mutation fehlt. In Dänemark, wo deutlich mehr Proben sequenziert werden, bemerkten im Januar Mitarbeiter des Statens Serum Instituts in Kopenhagen, dass sich BA.2 offenbar stark verbreitet. Inzwischen hat BA.2 in Dänemark BA.1 als dominierende Variante abgelöst, auch in anderen Staaten erhöht sich der Anteil.

Wie verbreitet sich der Omikron-Subtyp BA.2?

Der Berliner Virologe Christian Drosten verglich die beiden Subtypen am Dienstag im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" mit zwei Autos. Der Motor von BA.2 habe demnach "schon ein paar PS mehr." BA.2 könne sich womöglich noch schneller verbreiten als der Typ BA.1, der derzeit noch für Höchstwerte bei Fallzahlen und Inzidenzen sorgt. Auf Basis einer noch nicht von externen Fachleuten begutachteten Studie aus Dänemark nimmt Drosten an, dass BA.2 möglicherweise, wie er es ausdrückte, einen "Fitnessvorteil" und damit eine gesteigerte Übertragungsfähigkeit haben könnte.

Wie schwer sind die Krankheitsverläufe?

Die Datenlage ist noch sehr dünn, weshalb sich vieles noch nicht sicher sagen lässt. Im Januar hat das Statens Serum Institut geschrieben, erste Analysen hätten keine Unterschiede bei der Anzahl der notwendigen Krankenhauseinweisungen ergeben. Die sehr frühen Beobachtungen aus Dänemark "legen nahe, dass zwischen BA.1 und BA.2 in der Krankheitsschwere kein großer Unterschied zu sein scheint", unterstreicht Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Frankfurter Uniklinik. Der französische Epidemiologe Antoine Flahault, Leiter des Instituts für Globale Gesundheit der Universität Genf, sagte vor einigen Tagen, nach bisherigem Kenntnisstand verliefen Infektionen mit dem Subtyp nicht schwerer.

Was bewirkt die Impfung?

Impfungen hätten weiterhin einen Effekt gegen BA.2, wenn auch etwas verringert im Vergleich zu früheren Varianten, schreiben die dänischen Forscher in ihrer Ende Januar auf einem Preprintserver veröffentlichten Studie. Man muss dabei aber unterscheiden zwischen der Wahrscheinlichkeit, sich selbst anzustecken, der Wahrscheinlichkeit, das Virus weiterzugeben, zu erkranken oder einen schweren Krankheitsverlauf zu haben. Laut der Studie könnte das eigene Infektionsrisiko durch BA.2 mehr als doppelt so hoch sein wie bei BA.1. Die Fähigkeit zur sogenannten Immunflucht ist womöglich größer, sodass eine durchgemachte Infektion oder eine Impfung weniger gut vor BA.2 als vor anderen Varianten schützen könnten.

Das Risiko für eine Weitergabe sei bei infizierten Ungeimpften ebenfalls stark erhöht, schreiben die Forscher, nicht jedoch bei Geimpften und Geboosterten. Die höhere Anfälligkeit und Übertragbarkeit durch Ungeimpfte werde womöglich zu einer weiteren Steigerung von Übertragungen bei ungeimpften Kindern etwa in Schulen und Kitas führen, schreiben die Forscher.

Wie ist die Situation in Deutschland?

In Deutschland ist der Anteil des Subtyps laut dem jüngsten Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts "nach wie vor sehr gering". In der zweiten Woche des Jahres habe der Anteil von BA.2 bei 2,3 Prozent gelegen, in der Woche zuvor bei 1,4 Prozent. Aktuellere Daten werden in dieser Woche erwartet. "BA.2 wird sich auch bei uns durchsetzen", schreibt der Immunologe Carsten Watzl auf Twitter. Das "könnte die Omikron-Welle verlängern". Auch Drosten geht davon aus, dass der Anteil von BA.2 in Deutschland steigen werde, wegen der geltenden Infektionsschutzmaßnahmen aber möglicherweise langsamer als in anderen Ländern.

Was bedeutet BA.2 für die Diskussion um Lockerungen?

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat vor Kurzem in der Bundespressekonferenz gesagt, er rechne für Mitte oder Ende Februar mit dem Höhepunkt der Infektionszahlen. Wenn es dann deutlich weniger Infektionen gebe, könnten Anti-Corona-Maßnahmen gelockert werden. Wegen BA.2 könnte das aber womöglich noch etwas länger dauern. Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen hält Lockerungen in den kommenden vier Wochen eher für unwahrscheinlich. "Es ist möglich, dass sich die Trendwende um mehrere Wochen verzögern könnte", sagte Dahmen den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die BA.2-Verbreitung werde den Höhepunkt der aktuellen Welle voraussichtlich weiter nach hinten verschieben.

Der Virologe Drosten sieht in den kommenden Osterferien eine zeitliche Schwelle und einen "Planungshorizont" für die Entspannung der Lage. Die Übertragungsnetzwerke würden derzeit aus dem Schulbetrieb gespeist. "Da werden spätestens die Osterferien dann den Riegel vorschieben." Auch die dann wieder wärmeren Temperaturen dürften sich senkend auf die Inzidenzen auswirken. Ob BA.2 bis dahin "komplett das Feld übernommen" habe, bleibe abzuwarten.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte zuletzt deutlich gemacht, dass er nichts von einem Ende der Beschränkungen vor Mitte April halte. Auf BA.2 nahm er dabei nicht konkret Bezug.

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