Pharmaforschung Kritik an einzelnen Studien verschwiegen manche Fachjournale einfach

Die Autoren von Compare betonen, dass sie nicht jeden dieser Fälle für Manipulation halten. Sie versuchten auch gar nicht, die Diskrepanzen inhaltlich zu bewerten, sondern prüften nur, ob die veröffentlichten Studien Qualitätsstandards entsprechen, denen sich die Fachmagazine selbst unterworfen haben.

Solche Standards legen etwa die sogenannten "Consort"-Richtlinien fest, sie waren eine Reaktion auf Mängel in medizinischen Studien. Sie sollen sicherstellen, dass Studienergebnisse immer veröffentlicht werden und Ziele nicht unzulässig verändert werden. Alle fünf untersuchten Journale sind auf der Consort-Webseite als Unterstützer aufgelistet. Das New England Journal of Medicine (NEJM) erklärte gegenüber den Forschern jedoch, dass man von Autoren nicht erwarte, sich an die Consort-Richtlinien zu halten. Auf Bitten der SZ nach Stellungnahmen haben bislang weder das Consort-Projekt noch das NEJM reagiert.

Zu allen bemängelten Studien schickten die kritischen Wissenschaftler Briefe an die Fachjournale. Es ist üblich, dass Fachjournale solche Briefe veröffentlichen, wenn es sich um berechtigte Kritik handelt. Die beiden Journale JAMA und NEJM veröffentlichten keinen einzigen Brief. Das British Medical Journal und die Annals of Internal Medicine veröffentlichten sie als Online-Kommentare, aber nicht in der Publikation selbst. The Lancet publizierte die meisten Briefe, aber im Schnitt erst 150 Tage später.

Einige Journale und Studienautoren verteidigten ihr Vorgehen gegenüber den Compare-Forschern damit, dass oft erst während einer Studie festgestellt werde, dass vorher festgelegte Ziele nicht optimal seien. Dabei spricht nichts dagegen, Studienziele zu ändern, nur sollte dies kenntlich gemacht und begründet werden. NEJM und JAMA, die am schlechtesten abschnitten, verwiesen darauf, dass oft kein Platz sei, alle Resultate zu veröffentlichen. Dagegen spricht, so die Compare-Autoren, dass fast immer zusätzliche Resultate in den veröffentlichten Studien enthalten waren, die vorab nicht definiert wurden.

Das Compare-Projekt wurde vom Zentrum für evidenzbasierte Medizin an der Universität Oxford initiiert. Der Leiter Ben Goldacre hat bereits mehrfach in Büchern und Vorträgen schlechte wissenschaftliche Standards in der Pharmaforschung angeprangert.

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