Chlor im Trinkwasser Angst vor Krebs

Zum Einsatz kommen dann oft weitere Desinfektionsmethoden: Ozon und UV-Strahlen. Beides sei sehr wirkungsvoll, sagt Martin Exner, Leiter des Hygiene-Instituts der Universität Bonn. Allerdings darf das Ozon, im Gegensatz zum Chlor, im Trinkwasser nicht mehr enthalten sein; man muss es also wieder entfernen - und das Risiko in Kauf nehmen, dass sich auf den Weg bis zum Verbraucher neue Keime im Wasser verbreiten.

Das gleiche Problem stellt sich, wenn das Wasser im Wasserwerk an starken UV-Lampen vorbei strömt. Die Strahlen können zwar auch Parasiten vernichten, denen Chlor nichts anhaben kann. "Es bleibt aber das Risiko einer späteren, erneuten Verunreinigung", sagt Exner.

Vieles spricht also für Chlor als Desinfektionsmittel, gäbe es nicht die Angst vor der möglicherweise krebsfördernden Wirkung der sogenannten "Disinfection Byproducts". Enthält Trinkwasser dauerhaft hohe Chlorkonzentrationen - in Studien lagen sie über dem deutschen Grenzwert -, bilden sich Nebenprodukte wie etwa Trichlormethan. Diese sollen einigen Untersuchungen zufolge das Krebsrisiko leicht erhöhen. Eindeutig sind die Ergebnisse jedoch nicht, außerdem kaum auf die Verhältnisse in Deutschland übertragbar.

Andere Verunreinigungen als Mikroorganismen machen dem zuständigen Umweltbundesamt zufolge wenig Probleme beim Trinkwasser. "Die Belastung mit Nitrat aus Dünger ist sehr stark zurückgegangen", sagt Chorus. Viele Gewinnungsgebiete liegen in Schutzzonen, in denen die Landwirte den Nitratgehalt im Boden niedrig halten müssen. Zu Rückständen von Arzneimitteln im Trinkwasser ist die Datenlage dünn; in einigen Proben tauchten allerdings gelegentlich Wirkstoffreste im Nanogramm-Bereich auf, so Chorus.

Sorgen bereitet ihr etwas anderes: die Brunnen in Privathaushalten und ähnliche "Kleinstversorger", die etwa eine Million Menschen mit Trinkwasser beliefern. Während die großen Wasserversorger täglich die Keimbelastung prüfen, ist dies für Brunnen unterhalb einer Kapazität von 10 000 Kubikmeter nur einmal jährlich vorgeschrieben. "Zudem fehlt dort oft die Expertise, um die Daten beurteilen zu können", sagt Chorus. "Ich würde aus so einem Brunnen nicht unbedingt trinken."

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