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Chirurgie in der Schwangerschaft:Das Risiko von Frühgeburten steigt

Tatsächlich bestätigte vor wenigen Jahren eine viel beachtete Studie diese Annahme. Die Untersuchung von drei renommierten US-Zentren musste sogar vorzeitig abgebrochen werden, weil die Behandlungsergebnisse der vorgeburtlich operierten Kinder gegenüber der Kontrollgruppe deutlich besser ausfielen: Die pränatal behandelten Kinder brauchten nur halb so oft ein Ableitungsventil gegen den sogenannten Wasserkopf (Hydrozephalus). Auch lernten sie besser laufen als Babys, die erst nach der Geburt operiert worden waren.

Allerdings erhöhte die Operation am offenen Uterus auch das Frühgeburtsrisiko um den Faktor sechzehn. Dadurch drohen je nach Geburtszeitpunkt bekanntermaßen neue Gefahren wie Hirnblutungen. Und bei den Müttern traten teilweise Verwachsungen an der Gebärmutter auf.

Weiterhin wurde kritisiert, dass die Ergebnisse von hoch spezialisierten Zentren kaum auf die breite Masse übertragbar seien, zumal eine strenge Vorauswahl der Studienteilnehmer stattgefunden habe. Die Daten lieferten somit Befürwortern und Kritikern der pränatalen Spina-bifida-Korrektur gleichermaßen Argumente.

"Das Frühgeburtsrisiko ist umso höher, je stärker die Eihülle durch einen Eingriff beschädigt wird. Solche Defekte werden vom Körper kaum repariert. Dieser beendet die riskante Schwangerschaft dann lieber, weil im evolutionären Sinne das Überleben der Mutter wichtiger ist", erklärt Michael Tchirikov vom Universitätsklinikum Halle.

Um einen offenen Rücken zu operieren, braucht es einen vergleichsweise großen Zugang - normalerweise. Anders als Martin Meuli in Zürich oder die amerikanischen Spezialisten benutzt Thomas Kohl indes eine minimalinvasive Technik: Drei etwa fünf Millimeter starke Kunststoffröhrchen schiebt er durch die geschlossene Bauchdecke zum Kind. Über diese führt er ein Endoskop und Operationsinstrumente ein und verschließt den offenen Rücken mit einem Flicken aus Kunststoff und Kollagen. Fruchtwasserverlust aus der perforierten Eihülle, Infektionsgefahr und das damit verbundene Risiko einer Frühgeburt sind allerdings auch Risiken seiner Operationsvariante.