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Cannabidiol:Zumindest im Tierversuch entspricht die angstlösende Wirkung der von Valium

Zur Situation in Deutschland erklärt das Bundesministerium für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, ihm sei keine "Fallgestaltung" bekannt, wonach CBD in Lebensmitteln verkehrsfähig, also handelsfähig, sei. Im Klartext: Es gab noch kein richterliches oder behördliches Urteil, das CBD-haltige Lebensmittel explizit erlaubt oder verboten hat. Für die Zulassung von Nahrungsergänzungsmitteln seien jedoch die Bundesländer zuständig.

Neben der Diskussion um cannabidiolhaltige Lebensmittel gibt es auch eine um den medizinischen Einsatz. In den USA wurde der Stoff bereits als Medikament zur Behandlung von Epilepsien bei Kindern zugelassen, deutsche Forschergruppen prüfen die Anwendung bei Krebs. Auch für Patienten mit psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie birgt CBD Hoffnung.

Während starker Konsum von THC das Risiko für psychotische Erkrankungen erhöht, scheint CBD entsprechende Symptome zu lindern, wie eine Studie an etwa 100 Probanden am King's College, London, nahelegt. In einer Untersuchung der Uni Köln erhielten 41 schizophrene Patienten vier Wochen CBD oder ein herkömmliches Antipsychotikum - Cannabidiol wirkte genauso gut wie Amisulprid, das mit Nebenwirkungen wie Angstzuständen oder Schlaflosigkeit einhergeht.

Die angstlösende Wirkung kommt zumindest in Tierversuchen der des Beruhigungsmittels Valium gleich. In hohen Dosen nimmt CBD allerdings erheblichen Einfluss auf den Stoffwechsel und hemmt Enzyme in der Leber. Das führt zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, wovor auch die Weltgesundheitsorganisation warnt. Psychopharmaka haben indes schwerere Begleiterscheinungen. In einem Bericht erklärt die WHO, CBD sei im Allgemeinen gut verträglich und sicher.

Mit ärztlichem Rezept ist CBD genauso wie medizinisches Cannabis hierzulande in Apotheken erhältlich. Allgemeinmediziner Franjo Grotenhermen ist der Vorsitzende des Vereins "Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin", gerade hat er ein Buch zum therapeutischen Potenzial von CBD veröffentlicht. Er ist überzeugt, dass CBD gegen Depressionen, Entzündungen und Epilepsien wirkt und außerdem Psychosen vorbeugt.

Allerdings würden die Präparate aus dem Internet in den üblichen Dosen wenig nützen. "Eine gewisse Entspannung und Sedierung sind nach Einnahme erwartbar", sagt Grotenhermen. Während die empfohlenen drei Tropfen aus einem 15%-Hanföl rund 15 Milligramm CBD enthalten, nahmen Patienten mit Schizophrenie in einer Studie eine tägliche Dosis von 800 mg. "Da helfen nicht nur ein paar Tropfen", sagt Grotenhermen.

Viele Patienten können sich CBD jedoch nicht in der erforderlichen Dosis leisten. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten von rund 120 Euro pro 1000 mg meist nicht. Den Freizeit-Konsum von CBD sieht Grotenhermen ambivalent. "Firmen verdienen damit viel Geld und möchten natürlich, dass CBD ein Lifestyle-Produkt ist."

© SZ vom 18.04.2019
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