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BzGA-Bericht zur Spielsucht:Krankhafte Jagd nach dem Glück

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Für manche Menschen unwiderstehlich: Glückspielautomaten.

(Foto: Bloomberg)

Für Hundertausende Menschen in Deutschland ist Spielen eine Sucht. Vor allem junge Männer verfallen den blinkenden Automaten, Sportwetten oder Internet-Casinos.

Von Berit Uhlmann

Am Anfang steht meist ein "big win": Ein großer, überraschender Geldsegen, der aus dem Spielautomaten klimpert, am Poker- oder Roulettetisch eingestrichen wird oder durch eine Fußballwette ins Haus kommt. Derart angefixt, sind in Deutschland gegenwärtig etwa 438.000 Menschen in die Sucht abgeglitten. Damit stagniert die Zahl der krankhaften Spieler, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) am Donnerstag mitteilte. Dagegen lässt insgesamt die Lust am Glücksspiel nach.

"Männer, Menschen mit Migrationshintergrund und Arbeitslose haben nach wie vor ein erhöhtes Risiko für eine problematische Nutzung von Glücksspielangeboten", sagte Peter Lang von der BZgA. Besonders betroffen ist die Gruppe der 18 bis 20-jährigen Männer: Neun Prozent von ihnen haben ein mindestens problematisches Spielverhalten.

Zugenommen hat dem Bericht nach die Attraktivität der Glücksspielautomaten. Zugleich ziehen diese Automaten besonders viele Glücksspielsüchtige an: Fast 30-Prozent der Menschen, die an diesen Maschinen stehen, haben ihr Verhalten nicht mehr vollkommen unter Kontrolle. Problematisches Spielen ist zudem bei Sportwetten und in Internet-Casinos stark verbreitet. Lotto-Spieler entwickeln dagegen nur sehr selten eine Sucht. Überdies ging der Anteil der Lotto-Spieler in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich zurück.

Symptome des pathologischen Spielens

Pathologisches Spielen ist als Krankheit anerkannt. Ärzte diagnostizieren die Störung bei Menschen, die immer wieder und langanhaltend spielen, während sie andere Freizeitbeschäftigungen und menschliche Beziehungen vernachlässigen. "Ungestört sein", "Ablenkung" und "Entspannung", waren die häufigsten Motive, die krankhafte Spieler für ihr Verhalten nannten. Es geht diesen Menschen offenbar auch um eine Flucht aus dem Alltag, vermuten die Autoren der BzGA-Studie. Typisch für die Spieler ist meist eine Verleugnung der Sucht. Die Betroffenen setzen sich oft erst dann mit ihrem Verhalten auseinander, wenn sie in den finanziellen Ruin abgeglitten oder straffällig geworden, wenn ihre Familie und Freundschaften zerrüttet sind.

Einen ersten Anhaltspunkt auf problematisches Spielverhalten liefert ein Fragebogen, den die Deutsche Hauptstelle gegen Suchtgefahren publiziert hat: Kritisch ist die Situation, wenn zwei der folgenden Aussagen zugestimmt wird:

  • "Ich kann mit dem Glücksspielen erst aufhören, wenn ich kein Geld mehr habe"
  • "Verlieren ist eine persönliche Niederlage, die ich wettmachen möchte."
  • "Ich denke oft an das Glücksspielen und verspüre einen inneren Spieldrang"
  • "Zur Geldbeschaffung habe ich schon andere Menschen belogen oder betrogen"

Beratung und Hilfe finden Betroffen unter anderem auf der von der BzGA betriebenen website: www.spielen-mit-verantwortung.de.

Mehr zum Thema Sucht erfahren Sie in unserem Ratgeber.

© Süddeutsche.de/beu/chrb

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