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Besser Schlafen:Was das Schnarchen stoppt

Nervt den Nebenmann und stört auch den eigenen Schlaf: Das Schnarchen. Schlafmediziner Christoph Schöbel sagt, was gegen das Sägen im Schlafzimmer hilft.

Lena Jakat

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Schnarchen; Erfindung; Getty

Quelle: SZ

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Jeder hat es schon einmal getan: geschnarcht. Das Sägen hält nicht nur Bettgenossen wach, es ist bisweilen auch gesundheitsschädlich, wenn es mit Atemaussetzern, so genannten Schlafapnoen einhergeht. "Keine Angst, im Schlaf kann man nicht ersticken", beruhigt Christoph Schöbel, Schlafmediziner an der Berliner Charité. "Wenn der Sauerstoff im Blut weniger wird, reagiert das Atemzentrum und weckt den Schnarcher auf." Jedesmal, wenn der Körper notfallartig aufgeweckt wird, rast das Herz. Langfristig können so ernsthafte Herz-Kreislaufprobleme entstehen. Menschen, die an Schlafapnoe leiden, sind zudem oft tagsüber müde und erschöpft.

Gäbe es ein Zaubermittel gegen Schnarchen, der Erfinder wäre längst Millionär. An Versuchen jedenfalls hat es noch nie gemangelt, wie diese Skizze von 1963 beweist: George Wilson ließ sich damals seinen Schnarchalarm patentieren. Über ein Mikrofon wird der Lärmpegel gemessen und bei Schnarchen die Kopflage entsprechend angepasst.

Auch heute noch gibt es zahlreiche Mittelchen und Tipps, die das Schnarchen stoppen sollen. Wir haben Christoph Schöbel um seine Einschätzung gebeten.

Foto: Getty

Therese Giehse und Gustav Fröhlich in \"Rund um eine Million\", 1933

Quelle: Scherl

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Rezept 1: Aufwecken

Es ist wohl das Hausmittelchen Nr. 1: Wenn Er oder Sie (meist aber Er, denn immerhin schnarchen mehr als die Hälfte aller deutschen Männer) zu schnarchen beginnt, hilft oft schon ein Klaps oder Rempler: Der Schnarcher erwacht und Ruhe kehrt ein - jedenfalls für den Moment.

Einschätzung von Christoph Schöbel: "Beim Einschlafen erschlafft sofort die Muskulatur im Mundraum. Wenn sich der Luftstrom verengt, entstehen die störenden Schnarchgeräusche. Aufwecken kann dann helfen, wenn sich der Partner anschließend auf die Seite dreht. In der Rückenlage rutscht nämlich die Zunge nach hinten und verstärkt so das Schnarchen noch zusätzlich."

Tennisball; schnarchen; ddp

Quelle: SZ

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Rezept 2: Tennisball

Ein Tennisball soll ähnlich wie das Aufwecken funktionieren - nur sanfter: Eingenäht in einen enganliegenden Pyjama soll er verhindern, dass sich Schnarcher auf den Rücken drehen. Professionelle - und bisweilen recht teure - Varianten wie das Anti-Schnarch-Shirt oder eine Anti-Schnarch-Weste funktionieren nach dem gleichen Prinzip.

Einschätzung von Christoph Schöbel: "Wenn das Problem tatsächlich im Mundraum liegt und Menschen keine oder nur wenige Atemaussetzer haben, hilft das schon. Findige Menschen haben sich auch hier natürlich daran gemacht und wollen Geld damit verdienen. Wir raten unseren Patienten bisweilen auch, sich in der Seitenlage einfach eine Decke in den Rücken zu stopfen. Das kann schon helfen."

Foto: ddp

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Quelle: Stephan Rumpf

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Rezept 3: Wässerchen und Pastillen

Wer sich auf dem Naturheilmittel- und Nahrungsergänzungsmittelmarkt umschaut, wird schnell fündig: Anti-Schnarchsprays auf Basis von Mastix- oder ätherischen Ölen sollen die Mundschleimhaut feucht und das Gaumensegel straff halten, Nasensprays das Atmen durch die Nase erleichtern. Pastillen auf pflanzlicher Basis versprechen den ultimativen "Schnarch-Stopp".

Einschätzung von Christoph Schöbel: "Solche Mittel helfen eigentlich nicht. Insbesondere, wenn das Schnarchen ein Symptom dafür ist, dass jemand im Schlaf zu wenig Luft bekommt, also an so genannter Schnarchapnoe leidet."

Alkohol

Quelle: dpa

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Rezept 4: Alkoholverzicht

Zwar fällt vielen nach einem Gute-Nacht-Gläschen das Einschlafen leichter, doch wer trinkt, schnarcht auch mehr. Hilft es, einfach auf das Bier zuviel zu verzichten?

Einschätzung von Christoph Schöbel: "Der Alkohol setzt die Muskelspannung zusätzlich herab, das Gaumensegel erschlafft und das Schnarchen wird verstärkt. Dadurch steigt auch das Risiko von Atemaussetzern. Die nehmen übrigens auch mit dem Alter zu: Denn genauso wie Alkohol die Muskelspannung senkt, wird mit dem Alter das Bindegewebe schwächer. Schnarcher sollten sich deshalb auch immer mal wieder auf Atemaussetzer hin untersuchen lassen."

Nasenklammer, Schwimmen, Schnarchen; Getty

Quelle: SZ

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Rezept 5: Nasenklammer

Während beim Schwimmen die Nasenklammer das Wasser draußen halten soll, funktioniert ein ähnliches Modell beim Schnarchen umgekehrt: Das Kunststoffteil soll die Nase offen halten.

Einschätzung von Christoph Schöbel: "Das kann schon helfen, es kommt immer auf die Anatomie der Nase an. Wichtig ist, zuerst festzustellen, ob das Schnarchen auch aus der Nase kommt, also ob der Luftstrom dort, oder im Mund- oder Rachenraum behindert ist."

Foto: Getty

Kinnband; Schnarchen; Dr. Toussaint

Quelle: SZ

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Rezept 7: Kinnband

Was wie ein mittelalterliches Folter- oder Erziehungsinstrument aussieht, funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Das Band soll die Atmung durch den Mund verhindern. Und das soll helfen?

Einschätzung von Christoph Schöbel: "Solche Kinnbänder werden oft zusammen mit speziellen Masken eingesetzt, eigentlich der gängigsten und hilfreichsten Therapieform. Dabei bekommen Schlafapnoiker eine Maske, die über einen Schlauch mit einem kleinen Gerät auf dem Nachttisch verbunden ist. Ein steter Luftstrom aus der Maske sorgt dafür, dass die Atemwege offen bleiben, ähnlich wie der Überdruck in einem Fahrradschlauch. Das Problem solcher Masken: Viele finden sie unbequem und störend. Patienten mit milderer Apnoe greifen dann oft doch lieber auf das Mundstück zurück."

Foto: Tomed Dr. Toussaint GmbH

Operation

Quelle: dpa

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Rezept 8: Operation

Viele Schnarcher erzählen begeistert von Mandelentfernungen, Begradigungen der Nasenscheidewand, Straffung des Gaumensegels oder anderen schauderlichen Eingriffen, die anscheindend Wunder bei der ehelichen Nachtruhe bewirken. Ist das so?

Einschätzung von Christoph Schöbel: "Jede OP ist ein Risiko. Deswegen sollte am Anfang eine gute Diagnose stehen, und zwar nur bei einem HNO-Arzt oder Internisten, der die Zusatzbezeichnung 'Schlafmediziner' oder 'Somnologe' führt. Operationen können durchaus helfen, aber nur dann, wenn wirklich anatomische Besonderheiten vorliegen, übergroße Mandeln zum Beispiel oder ein vergrößerter Zungengrund. Wenn Kinder chronisch schnarchen, hat das oft anatomischen Ursachen."

© Süddeutsche.de/leja
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