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Balkanroute:Die meisten Leiden entstehen auf der Flucht

Helfer auf der Balkanroute

Jede Nacht stehen Tausende Menschen im südserbischen Preševo in der Kälte. Die Familie dieses Mädchens hat sich schon registriert und wartet darauf, mit dem Bus weiter Richtung Kroatien fahren zu können.

(Foto: Elisa Britzelmeier)

Erschöpfung, Unterkühlung und mangelnde Hygiene: Es sind die katastrophalen Bedingungen der Reise, die Flüchtlinge krank machen. Ein Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" über die Möglichkeiten zu helfen.

Tausende Menschen erreichen täglich Preševo im Süden Serbiens. Hier müssen sie sich registrieren, nachdem sie, aus Mazedonien kommend, die Grenze überquert haben. In einer Schlange harren die Flüchtlinge oft stundenlang aus, bis sie ins Registrierungscamp können - im Freien, auch nachts, bei Minusgraden und bei Regen. Stefan Cordes ist Logistiker und koordiniert die Aktionen von "Ärzte ohne Grenzen" in Südserbien. Das Team kümmert sich dort im Wechsel mit der Hilfsorganisation "Humedica" um Krankheits- und Notfälle. Tag und Nacht sitzen bei den Ärzten Mütter mit weinenden Babys im Arm und Menschen, die nicht mehr weiterkönnen.

SZ.de: Herr Cordes, was können Sie für die Menschen tun, die hier täglich vorbeikommen?

Stefan Cordes: Wir leisten medizinische Grundversorgung. Angefangen haben wir mit einer mobilen Klinik, mittlerweile haben wir zwei ehemalige Geschäftsräume angemietet und als provisorische Behandlungszimmer eingerichtet. Wir haben Ärzte, Krankenschwestern und Übersetzer hier, die in akuten Fällen helfen, und eine Apotheke. Komplizierte, dringende Fälle leiten wir in Absprache mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk ins Krankenhaus weiter.

Um welche Probleme geht es dabei?

Viele Menschen kommen mit Kriegsverletzungen an und müssen dringend operiert werden. Manchmal gab es eine Erstversorgung, manchmal war sie nicht ausreichend. Wir hatten gerade jemanden, der sich den Fuß kompliziert gebrochen hatte. Die Verletzung war noch in Syrien mit Stangen repariert worden. Doch das Krankenhaus wurde angegriffen, der Mann musste mit seinem gebrochenen Fuß fliehen. Er war dann zwei Wochen unterwegs; die Stäbe brachen ab und schauten heraus. Der Mann hätte fast eine Blutvergiftung bekommen, dann hätte man das Bein eventuell abnehmen müssen. Viele können nicht gehen, kommen aber an der mazedonisch-serbischen Grenze an, die sie nur zu Fuß passieren können. Da werden sie teilweise auf Rollstühlen oder sogar Schubkarren transportiert. Wir und die anderen Organisationen sind deswegen auch mit Kleinbussen unterwegs, um Betroffene bis zur nächsten Busstation oder direkt hier zur Registrierung zu bringen.

Presevo

Stefan Cordes ist technischer Logistiker bei "Ärzte ohne Grenzen" und zuständig für Südserbien.

(Foto: Elisa Britzelmeier)

Wie ist es mit psychischen Krankheiten?

Wir haben sehr viele traumatisierte Menschen, von Babys bis zu Erwachsenen. Wir können aber nur eine Momentan-Betreuung leisten. Das hilft in diesen Fällen wenig. Leider gibt es kein System, mit dem man die Daten aufnehmen und von hier aus zum Beispiel nach Deutschland übertragen kann, um eine spätere Betreuung zu gewährleisten. Aber 60 Prozent der Krankheiten entwickeln sich ohnehin auf der Reise.

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Krieg, Flucht und eine schlechte Versorgung in Deutschland können Spuren hinterlassen: Fast jedes vierte Flüchtlingskind hat eine Posttraumatische Belastungsstörung.   Von Berit Uhlmann

Was heißt das?

Es sind schwerwiegende chronische Folgen der Flucht, zum Teil psychische Folgen, größtenteils aber schwere Erkältungen. Die Menschen sind oft völlig durchgefroren, besonders schwierig ist es bei den Kindern. Vor zwei Wochen, als es noch richtig geregnet hat, kamen die Kleinsten von oben bis unten voll mit Modder an. Sie waren durchnässt, viele hatten keine Schuhe mehr. Einige Male hatten wir Windpocken. Und viele Menschen sind erschöpft, weil sie so lange nicht gegessen haben. Das variiert von Tag zu Tag und hängt immer davon ab, ob die Organisationen auf dem Weg gerade Essen ausgeben konnten, ob es vielleicht irgendwo eine Spende gab. Manchmal kommen die Leute an und haben einen Sack voll Brot dabei. Und dann kommen am nächsten Tag wieder welche und haben seit Tagen gar nichts bekommen.