Neugeborene Spät in die Wanne

Stillen hat für Mutter und Kind viele Vorteile.

(Foto: obs)
  • Wenn Babys in den ersten zwölf Stunden nach der Geburt nicht gebadet werden, erleichtert es das Stillen.
  • Vermutlich sind die Neugeborenen entspannter, wenn sie nicht gleich in die Wanne müssen, schreiben Forscher, die das Stillverhalten untersucht haben.
Von Werner Bartens

Der Nutzen des Stillens gilt als unbestritten. Ärzte empfehlen diese naheliegende Form der Nahrungsaufnahme für Babys meist für etwa sechs Monate. Neben der Mutter-Kind-Bindung wird auch das Immunsystem des Babys gestärkt, die Motorik gefördert und andere Vorteile wie der Schutz vor Allergien, Ekzemen und Asthma gelten als wahrscheinlich. Auch die Mütter profitieren davon, wenn sie stillen. So sind Eierstockkrebs und Brustkrebs etwas seltener bei Frauen, die ihre Babys gestillt haben. Kein Wunder, dass weltweit Frauen dazu angeregt werden, ihre Kinder schon bald nach der Geburt an die Brust zu nehmen.

Kinderkrankenschwestern, Hebammen und Ärzte zeigen im Fachblatt Journal for Obstetric, Gynecologic and Neonatal Nursing, wie auf einfache Weise die Zahl der gestillten Kinder erhöht werden könnte. Das Team um Heather DiCioccio von der Mutter-Kind-Abteilung des Hillcrest Hospital in Cleveland hat beobachtet, dass deutlich mehr Babys gestillt werden, wenn sie nach der Geburt mindestens zwölf Stunden bei der Mutter bleiben und nicht gleich gesäubert und gebadet werden.

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Die Mitarbeiter der Klinik waren wiederholt von jungen Müttern darauf hingewiesen worden, mit dem ersten Bad des Babys doch noch etwas länger zu warten. "Die Frauen hatten in Mütter-Blogs davon gelesen, dass es besser sei, das Baby zunächst bei der Mutter zu lassen, weil das Fruchtwasser ähnlich riechen würde wie die Brust - und das Baby deshalb leichter den Zugang zum Stillen finden würde", sagt DiCioccio, die kaum Forschungsarbeiten zu diesem Thema finden konnte, nachdem sie einmal darauf aufmerksam geworden war.

Die Forscherinnen analysierten daher das Stillverhalten von etwa 1000 Mutter-Kind-Paaren. Die Hälfte der Babys wurde in den ersten Stunden nach der Geburt gebadet, so wie es in den meisten Kliniken lange üblich war, die andere Hälfte erst nach frühestens zwölf Stunden. Die Unterschiede waren deutlich. Während von jenen Kindern, die recht bald nach der Geburt gebadet worden waren, nur 59,8 Prozent gestillt wurden, waren es 68,2 Prozent der Kinder, bei denen das erste Bad mehr als einen halben Tag hinausgezögert wurde.

Nach dem Bad sind viele Babys zu müde zum Trinken

Verschiedene Faktoren könnten dazu beitragen, dass nicht so schnell gebadete Kinder häufiger gestillt werden. Der enge Haut-zu-Haut-Kontakt erleichtert es ebenso wie der vertraute Geruch, die Brustwarze zu finden, daran zu lecken und dabei die Muttermilch aktiv zu suchen. Die Körpertemperatur spielt offenbar ebenfalls eine Rolle, denn die früh gebadeten Babys waren im Mittel etwas stärker abgekühlt als jene, die später ins Bad kamen. Aus diesem Grund waren sie womöglich erschöpfter und konnten sich weniger aktiv darum bemühen, an die Muttermilch zu kommen.

In der Klinik in Cleveland wird nun angestrebt, die Babys frühestens nach zwölf Stunden zu baden. Wenn die Mütter etwas dagegen haben, wird versucht, zumindest auf zwei Stunden Abstand zur Geburt zu kommen. In Deutschland haben viele Krankenhäuser das längst umgesetzt und sich von der Tradition verabschiedet, Neugeborene gleich zu waschen, so wie das die Generation der heute 40- oder 50-Jährigen durchgemacht hat. "Babys werden bei uns in der Klinik überhaupt nicht mehr gebadet nach der Geburt", sagt Sven Mahner, Chefarzt der Universitätsfrauenklinik München. "Die Käseschmiere wird etwas abgerubbelt, beziehungsweise eingerieben, und das war's." Das erste Bad bekommen die Babys meistens erst viele Tage nach der Geburt mit der Nachsorgehebamme zu Hause.

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