Ausbreitung des Virus Ebola-Patient in den USA soll Behörden belogen haben

  • Ein Mann, der in den USA wegen Ebola behandelt wird, soll bei seiner Einreise ins Land Kontakte zu Infizierten in Liberia verschwiegen haben.
  • Mediziner suchen nach Kontaktpersonen des Erkrankten, der in Dallas behandelt wird. Die Rede ist von 100 Menschen.
  • Ein Kameramann des US-Senders NBC hat sich dem Sender zufolge ebenfalls in Liberia mit Ebola infiziert.
  • In Deutschland wird ein zweiter infizierter Patient behandelt. In der Nacht traf der Mann in Frankfurt ein.

Ebola-Infizierter soll bei Einreise in die USA gelogen haben

Ein in die USA eingereister Ebola-infizierter Mann hat Medienberichten zufolge bewusst verschwiegen, dass er in Liberia Kontakt zu erkrankten Personen hatte. Auf einem Kontrollformular am Airport erklärte der Mann nach Angaben der Regierung in Monrovia wider besseren Wissens, er sei in den zurückliegenden drei Wochen nicht mit Kranken in Berührung gekommen. Das berichtet die liberianische Zeitung Front Page Africa.

In Wirklichkeit habe der Mann unter anderem fünf Tage vor seinem Abflug in die USA am 19. September einer an Ebola erkrankten schwangeren Frau bei der Suche nach einem Krankenhaus geholfen. Die Frau sei wenig später verstorben. Der Liberianer war am 20. September in Texas angekommen. Einige Tage später wurde bei ihm Ebola diagnostiziert. Er liegt derzeit auf einer Isolierstation.

Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf erklärte, sie sei "sehr verärgert" über das Verhalten des Mannes. Dem kanadischen Sender CBC sagte sie, sie lasse Möglichkeiten einer strafrechtlichen Verfolgung wegen der Falschangaben prüfen. Front Page Africa zufolge ist es in Liberia weit verbreitet, Kontakt mit an Ebola erkrankten Menschen zu leugnen - dies sei mit ein Grund dafür, dass sich das Virus so schwer eindämmen lasse.

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Epidemie

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Es ist passiert, was seit Monaten befürchtet wurde: Das Ebola-Virus hat Afrika verlassen. Während in den USA ein Infizierter um sein Leben ringt, berechnen Statistiker das Risiko für Ausbrüche in weiteren Ländern. Der US-Patient kam über Brüssel und hatte Kontakt zu Schulkindern.   Von Kai Kupferschmidt

Dringende Suche nach Kontaktpersonen

In den USA geht unterdessen die Suche nach Menschen weiter, die Kontakt zu dem Liberianer hatten. Etwa 100 Menschen aus dem Umfeld des Kranken sollen untersucht werden. Hunderte Mediziner sind unterwegs, um Kontaktpersonen des Mannes zu untersuchen und, wenn nötig, zu isolieren. Vier Menschen sind bereits in Quarantäne, die Gesundheitsbehörde CDC will weitere Erkrankungen nicht ausschließen. "Es kann weitere Fälle geben, aber es wird keine Ausbreitung geben", sagte der Chef der Behörde CDC, Tom Frieden. Den Zustand des Mannes, der sich in Liberia angesteckt hatte, bezeichnete CDC-Direktor Frieden als "nach wie vor ernst".

US-Präsident Barack Obama sicherte den Behörden in Dallas Unterstützung der Bundesbehörden zu, um eine Ausweitung der Ebola-Seuche zu verhindern.

NBC-Kameramann infiziert

In Liberia hat sich außerdem ein Kameramann, der dort für den US-Sender NBC News arbeitete, mit Ebola infiziert. Der aus den USA stammende Freiberufler werde zur Behandlung in die Vereinigten Staaten gebracht, hieß es. NBC News zufolge war der Mann am Dienstag für Dreharbeiten in der Hauptstadt Monrovia engagiert worden. Die übrigen NBC-Mitarbeiter würden ebenfalls in die USA ausgeflogen und dort zunächst für drei Wochen unter Quarantäne gestellt, teilte die Chefin des Senders, Deborah Turness, mit.

Ebola-Kranker in Deutschland

Mit einem nächtlichen Ambulanzflug ist ein zweiter Ebola-Kranker nach Deutschland gebracht worden. Die Maschine landete am frühen Freitagmorgen auf dem Flughafen von Frankfurt am Main. Feuerwehr und Polizei eskortierten das Spezialfahrzeug, mit dem der Kranke anschließend zur Klinik transportiert wurde. Am rückwärtigen Eingang der Isolierstation begleiteten ihn mehrere Helfer in Ganzkörper-Schutzanzügen.

Der Arzt aus Uganda soll sich in Sierra Leone infiziert haben. Dort war er für eine italienische Hilfsorganisation tätig. Dass der Mann in Deutschland behandelt werde, gehe auf eine Bitte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zurück, die sich damit an das Auswärtige Amt gewandt habe. Der Chef des Kompetenzzentrums für hochkontagiöse lebensbedrohliche Erkrankungen, Rene Gottschalk, sprach von einer "wichtigen Form der humanitären Hilfe".

Es ist das zweite Mal seit Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika, dass in Deutschland ein an der Seuche erkrankter Patient behandelt wird. Ende August war ein Infizierter nach Hamburg geflogen und ins dortige Uni-Klinikum eingeliefert worden. Der Arzt aus Westafrika soll inzwischen nach Medienberichten soweit genesen sein, dass er kurz vor der Entlassung steht.