Augenheilkunde Atropin-Tropfen bremsen die Kurzsichtigkeit

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind kurzsichtig.

(Foto: dpa)

Das Medikament soll Kindern helfen, deren Sehprobleme rasch zunehmen. Leichter ist es allerdings, die Kurzsichtigkeit von Anfang an zu verhindern.

Von Astrid Viciano

Längst gilt es als niedlich, wenn Kinder eine Brille tragen. Die Zeiten der verschämten Brillenschlangen sind passé, federleichte Modelle in den Farben der Eiskönigin oder von Superman sind bei den Kleinen beliebt. Doch Augenärzte müssen auch feststellen, dass die Anzahl kurzsichtiger Kinder weltweit mächtig zunimmt.

Wie Mediziner das rasche Fortschreiten einer Kurzsichtigkeit verhindern könnten, hat Wolf Lagrèze, Leiter der Sektion Neuroophthalmologie, Kinderophthalmologie und Schielbehandlung am Uniklinikum Freiburg, in der Online-Version der Zeitschrift Der Ophthalmologe zusammengefasst. Er wird seine Auswertung in der kommenden Woche auf dem Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft in Berlin vorstellen.

"Diese Therapie empfehlen wir nur bei Kindern, deren Kurzsichtigkeit rasch zunimmt"

Niedrig dosiertes Atropin erwies sich in den analysierten Studien durchweg als besonders effektiv - jene Tropfen also, die Ärzte früher vor Augenuntersuchungen verwendeten, um die Pupillen weit zu stellen. In ersten Studien hatten Mediziner Augentropfen mit einprozentigem Atropin eingesetzt - zunächst mit Erfolg. Doch nach Ende der Behandlung nahm die Kurzsichtigkeit umso schneller zu.

Daher arbeiteten Forscher in einer weiteren Studie mit nur einem Hundertstel der ursprünglich verwendeten Dosis. Nach zwei Jahren täglicher Augentropfen hatte die Kurzsichtigkeit der Kinder nur um 0,49 Dioptrien pro Jahr zugenommen, jener der unbehandelten um 1,2. Nebenwirkungen traten kaum auf. In Deutschland bieten einzelne Kliniken diese Behandlung bereits an. Je nach Hersteller liegen die Kosten zwischen 250 und 500 Euro pro Jahr, werden von den Krankenkassen jedoch nicht übernommen.

"Diese Therapie empfehlen wir nur bei Kindern, deren Kurzsichtigkeit rasch zunimmt", sagt der Freiburger Mediziner Lagrèze. Um Spätfolgen einer hohen Kurzsichtigkeit zu verhindern, wie zum Beispiel eine Netzhautablösung oder einen grünen oder grauen Star.

Damit Kinder gar nicht erst kurzsichtig werden, brauchen sie dagegen kein Medikament. Stattdessen sollten sie viel im Freien spielen. In mehr als 20 Studien konnten Wissenschaftler zeigen, dass vor allem die Menge an Tageslicht über die Entstehung der Kurzsichtigkeit entscheidet, berichtet Lagrèze. Besonders ausgeprägt ist der Effekt demnach, wenn die Kleinen mehr als zwei Stunden pro Tag an der frischen Luft verbringen. Statt sich zu Hause auf der Couch mit dem Tablet der Eltern zu vergnügen.

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