Süddeutsche Zeitung

Impfkampagne:Warum der Astra-Zeneca-Impfstoff nun auch für Ältere empfohlen wird

Die Impfkommission beruft sich auf neue Daten, wonach das Vakzin auch für über 65-Jährige wirksam ist - und rät auch, Genesene damit zu impfen.

Von Hanno Charisius, München

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt den Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astra Zeneca künftig auch für ältere Menschen ab 65 Jahren. "Das ist eine gute Nachricht für alle Älteren, die auf eine Impfung warten", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag. Als die europäische Arzneimittelbehörde Ende Januar die Zulassung dieses Impfstoffes für Menschen ab 18 Jahren empfohlen hatte, entschied die Stiko in Deutschland, die Verwendung nur bis zu einem Alter von 65 Jahren zu empfehlen. Die Impfkommission begründete dies mit fehlenden Daten für eine Wirksamkeit bei Älteren.

An solchen Daten mangelt es inzwischen nicht mehr. Damit begründet auch die Stiko ihre neue Entscheidung, die auf einer "intensiven Analyse und Bewertung von neuen Studiendaten" beruhe, wie es in einer Mitteilung der Kommission vom Donnerstag heißt. Diese Daten seien erst "innerhalb der vergangenen Tage verfügbar gewesen. "Die Daten, die im Rahmen der breiten Anwendung des Impfstoffs in England und Schottland erhoben wurden, liefern erstmals robuste Ergebnisse zur guten Wirksamkeit des Impfstoffs in höheren Altersgruppen bereits nach einer Dosis." Die Wirksamkeit werde in Bezug auf die Verhinderung von Covid-19-Erkrankungen und insbesondere auch in Bezug auf schwere Verläufe eindrücklich belegt. Zumindest die schottischen Daten waren bereits seit dem 19. Februar bekannt.

Zwölf Wochen sollen zwischen den beiden Impfdosen liegen

Zwei weitere Empfehlungen schickt die Impfkommission immerhin gleich mit: Der Abstand zwischen den zwei notwendigen Astra-Zeneca-Impfdosen solle zwölf Wochen betragen. Studiendaten deuten darauf hin, dass die Wirkung dadurch verbessert wird. Des Weiteren sollen immungesunde Menschen, die bereits eine Sars-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, frühestens sechs Monate nach der Diagnose eine einzige Impfung erhalten. Gesundheitsminister Spahn kündigte an, die Empfehlungen würden "sehr zeitnah" in der Impfverordnung umgesetzt.

"Alle zugelassenen Impfstoffe sind sicher und schützen effektiv vor einer schweren Covid-19-Erkrankung", schreibt die deutsche Gesellschaft für Immunologie und empfiehlt, alle Termine wahrzunehmen, unabhängig vom Impfstoff. Dies sei notwendig, um "die wichtigen Impfziele möglichst schnell zu erreichen". Bis Donnerstag sollen nach Angaben des Gesundheitsministeriums fast 3,2 Millionen Dosen des Astra-Zeneca-Impfstoffs an die Länder geliefert sein. Bis Dienstag wurden davon nach Angaben des Robert-Koch-Instituts nur gut 600 000 Dosen verimpft.

Um die Verfügbarkeit der Vakzine in der EU zu sichern, ist auch erstmals die Ausfuhr in einen Drittstaat über die neue Exportkontrolle gestoppt worden. Italien verhinderte den Export von 250 000 Dosen Astra Zeneca nach Australien. Unterdessen startet die europäische Arzneimittelbehörde mit einer Prüfung des russischen Impfstoffs Sputnik V. Nach Angaben der EU-Kommission führe man aber derzeit keine Gespräche über einen Kauf dieses Vakzins.

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