bedeckt München 26°

Aspirin zur Prävention:Wie viel Aspirin darf's sein?

Serie Deutsche Einheit - Bayer in Bitterfeld

Beliebtes Universal-Medikament mit unterschätzen Nebenwirkungen: Aspirin.

(Foto: Peter Endig/dpa)

Aspirin wird zur Vorbeugung gegen allerhand Leiden empfohlen. Wer von der täglichen Pille profitieren könnte und wer eher Nebenwirkungen riskiert.

Es wurde nicht wirklich ins Trinkwasser gemischt, wenngleich der Vorschlag ernst gemeint war. Und auch den Haushaltstipp gab es tatsächlich, dass Schnittblumen mit Aspirin länger frisch bleiben. Der Verkaufsschlager aus dem Hause Bayer hat sogar geschafft, was nur wenigen Markennamen vergönnt ist: Obwohl es etwa 500 Arzneimittel gibt, in denen Acetylsalicylsäure (ASS) enthalten ist, steht Aspirin - vergleichbar mit Tempo für Papiertaschentücher und Tesa für transparente Klebestreifen - gleichbedeutend für alle ASS-haltigen Schmerzkiller. Im Englischen gibt es eine Redewendung, die sowohl auf die Vielseitigkeit des Medikaments als auch auf das Mantra britischer Ärzte anspielt, wenn Patienten Beschwerden haben: "Take two Aspirin - and call me tomorrow."

Das wohl bekannteste Medikament der Welt gilt als universelle Arznei gegen allerlei Gebrechen. Vor Infarkt, Schlaganfall und Darmkrebs soll es schützen, gegen Kater und Kopfschmerz hilft es sowieso, sogar bei der künstlichen Befruchtung wurde es eine Weile empfohlen, auch wenn sich der Nutzen nicht bestätigt hat. Doch wer Aspirin aufgrund seiner weltweiten Popularität und des mit fast 120 Jahren fortgeschrittenen Alters für ähnlich harmlos wie eine Handvoll Drops hält, irrt sich. Während der Nutzen nach Infarkt und Schlaganfall zur Verhinderung eines zweiten als gesichert gilt, diskutieren Ärzte und Forscher derzeit, welcher Nutzen es rechtfertigt, dass gesunde Patienten vorbeugend täglich zur Aspirin-Tablette greifen - und wann und bei wem der mögliche Schaden überwiegen könnte.

Die US Preventive Services Task Force (USPSTF), ein Zusammenschluss unabhängiger Ärzte und Experten zu Themen der Vorsorge und der Gesundheit, hat jüngst einen Entwurf mit Empfehlungen zur vorbeugenden Aspirin-Einnahme vorgelegt. Immerhin schlucken allein in den USA fast 40 Prozent aller Erwachsenen jenseits der 50 regelmäßig Aspirin. Das dürften zu viele sein, denn gemäß den jüngsten Auswertungen beschränkt sich die Zeitspanne, in der das Mittel uneingeschränkt zur Verhinderung von Infarkt und anderen Herz-Kreislauf-Leiden zu empfehlen ist, auf das Alter zwischen 50 und 59 Jahren ( British Medical Journal, Bd. 351, S. h4991).

Und auch dieser Rat gilt nur für Erwachsene mit erhöhtem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Zuvor hatten Vorbeuge-Experten gefährdeten Männern zwischen 45 und 79 geraten, täglich Aspirin zu schlucken, um das Risiko für einen Infarkt zu verringern. Anfälligen Frauen wurde zwischen 55 und 79 Jahren die Arznei empfohlen, weil damit die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall sinken würde.

Doch was als Wirkung des Medikamentenklassikers erwünscht ist, ruft eben auch immer wieder unerwünschte Nebenwirkungen bis hin zu tödlichen Zwischenfällen hervor: ASS verflüssigt das Blut, weil es die Gerinnungsneigung der Blutplättchen hemmt. Dadurch erhöht sich das Risiko für Blutungen, die besonders im Verdauungstrakt und im Gehirn häufiger auftreten, wenn Patienten täglich Aspirin schlucken. "Weil Aspirin so oft geschluckt wird, muss man auch an seltene Nebenwirkungen denken", warnten die Harvard-Mediziner Andrew Chan und Nancy Cook schon vor Jahren im Fachblatt The Lancet.

Die Vorsorge-Task-Force in den USA hat ihre aktuellen Empfehlungen, die auf einer intensiven Analyse der Studienlage beruhen, denn auch sorgsam abgestuft. Mit einem B bewerten sie ihren Rat an die 50- bis 59-Jährigen, täglich niedrig dosiert Aspirin zu schlucken, wenn ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden erhöht ist. B bedeutet, dass die Experten sichere Belege dafür haben, dass ein moderater Nutzen gegeben ist und dieser den Schaden überwiegt. A würde heißen, dass der gesicherte Nutzen erheblich ist.

Schmerzen Unterschätzte Gefahr
Kommentar
Frei verkäufliche Schmerzmittel

Unterschätzte Gefahr

Rezeptfreie Schmerzmittel werden wie Zuckerpillen feilgeboten. Eine Warnung der US-Arzneimittelbehörde sollte Anlass geben, diese Praxis zu überdenken. Denn Ibuprofen und Co. können lebensgefährlich sein.   Ein Kommentar von Kathrin Zinkant