Als der US-Psychologe Irving Kirsch im Jahr 2008 in der Fachzeitschrift Plos Medicine eine mittlerweile berühmte Studie veröffentlichte, erntete er Kritik und Gegenstellungnahmen. Kirsch hatte festgestellt, dass mindestens 80 Prozent der positiven Wirkung von Antidepressiva auch in der Placebo-Gruppe gefunden wurden. Weitere Studien deuteten sogar darauf hin, dass selbst dieser geringe Vorteil im Vergleich zu Placebos noch anders erklärt werden kann als durch eine direkte Wirkung des Medikaments. Nämlich durch die Nebenwirkungen, die bei den Patienten zu einer positiveren Behandlungserwartung führen, nach dem Motto: „Was Nebenwirkungen macht, muss doch wenigstens auch gut wirken.“
MeinungPsychiatrieBitte mehr Ehrlichkeit: Der Nutzen von Antidepressiva wird überschätzt
Gastbeitrag von Winfried Rief
Lesezeit: 4 Min.

Vielen Patienten helfen Medikamente gegen Depression kaum mehr als ein Placebo, die langfristigen Risiken sind unklar. Warum werden sie dann trotzdem immer häufiger verordnet?

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