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Coronavirus:Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr in der Schule?

Einschulung in Mecklenburg-Vorpommern

Ansteckungsrisiko Schule? Es gibt Hinweise darauf, dass kleinere Kinder sich nicht so leicht anstecken wie Jugendliche.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Was über das Infektionsrisiko im Klassenzimmer und auf dem Pausenhof bekannt ist - und was nicht. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Kathrin Zinkant

Die meisten Eltern dürften mit der Dauerbetreuung ihrer Kinder in den vergangenen Monaten eigentlich schon bedient gewesen sein. Parallel dazu bekamen Mütter und Väter aber auch noch haufenweise Studien über die Ansteckungsrisiken ihrer Sprösslinge dargeboten - mit weithin widersprüchlichen Ergebnissen. Das hat einige Verwirrung ausgelöst. Was aber weiß man wirklich über Kinder und die Corona-Gefahr in der Schule? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie ansteckend sind Kinder?

Eins steht fest: Kinder können sich mit dem neuen Coronavirus infizieren und den Erreger auch an andere Kinder oder an Erwachsene weitergeben. In welchem Umfang dies geschieht, ist allerdings noch immer nicht geklärt. Es gibt Hinweise darauf, dass Kleinkinder sich nicht so leicht anstecken wie Jugendliche, Eltern oder Großeltern. Sind sie jedoch einmal infiziert, produzieren sie wahrscheinlich vergleichbare Mengen Viren im Rachen wie Erwachsene. Daraus schließen Experten, dass Kinder auch ähnlich ansteckend sein können wie ältere Menschen.

Sind Schulen Ansteckungsherde?

In einem gewissen Umfang sind sie das vermutlich, denn es sind zahlreiche, auch größere Ausbrüche in Schulen bekannt. Vor allem weiterführende Schulen mit älteren Kindern könnten das Virus zudem potenziell in der Umgebung verteilen. Ein Beispiel ist das Gymnasium Rehavia in Jerusalem, an dem sich etwa 150 Schüler ansteckten und das Virus auch außerhalb verbreiteten. Von Grundschulen sind ebenfalls Ausbrüche bekannt, die jedoch nach bisherigen Erkenntnissen eher klein blieben und selten das Umfeld betrafen.

Sollten die Schulen denn dann geöffnet werden?

Am effektivsten im Sinne der Epidemiologen wäre es, Schulen geschlossen zu halten. Kinder- und Jugendärzte, aber auch Hygiene-Experten sind sich jedoch einig darin, dass die Schule nach den Ferien in Deutschland wieder normal beginnen muss. Denn nach allen bisherigen Erkenntnissen aus dem Ausland, etwa aus Dänemark, wo Schulen früher wieder öffneten als in Deutschland, sind Kinder zwar Mitspieler, aber keine Treiber der Pandemie. Ausschlaggebend für das Urteil der Experten ist allerdings die Sorge um die bildungsbezogenen und psychosozialen Folgen von Schulschließungen. Eine Erhebung aus Sachsen zeigte erst am Montag, dass Kinder in mehrfacher Hinsicht leiden, wenn kein Präsenzunterricht stattfindet.

Ist eine Maskenpflicht notwendig?

Erfahrungen im Ausland zeigen, dass es tatsächlich einen Effekt hat, wenn Schulkinder außerhalb der Klassen oder sogar während des Unterrichts einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Für kleine Kinder, die sich seltener anstecken, muss allerdings abgewogen werden, ob die Masken auf Dauer nicht zu unangenehm sind, gerade bei höheren Temperaturen, die es zum Schulanfang oft noch gibt. Eine allgemeine Maskenpflicht ist deshalb nicht unbedingt angezeigt. In weiterführenden Schulen könnte sie jedoch sinnvoll sein.

Was passiert in den Schulpausen?

Eine der vermutlich besten Möglichkeiten, eine eventuelle Verbreitung des neuen Virus von vornherein stark zu beschränken, sind kleine Spiel- und Pausengruppen von etwa sechs Kindern. Sie ermöglichen Schülerinnen und Schülern, zwischen den Unterrichtsstunden normalen Umgang mit ihren Schulkameraden zu haben, während der einzuhaltende Abstand zwischen den einzelnen Gruppen zugleich Infektionen verhindert. Es gibt auch Konzepte, die gestaffelte Pausenzeiten vorsehen, zum Beispiel an größeren Schulen. So begegnen sich nicht immer wieder alle Kinder oder Jugendlichen auf dem Schulhof.

Was ist aus deutschen Schulen bekannt?

In Deutschland gab es bis zu den Sommerferien nur einen sehr eingeschränkten Schulbetrieb. Studien, die das Infektionsgeschehen unter Kindern und Jugendlichen in den Einrichtungen untersuchten, bildeten im Rückblick daher nur ab, was abseits des Normalbetriebs in der Schule geschieht - ziemlich wenig nämlich, was aber auch einleuchtet. Erst künftige Studien unter realen Bedingungen werden zeigen, welchen Einfluss das deutsche Schulsystem auf die Epidemie hat. Gegebenenfalls wird es zu neuen Schulschließungen oder Quarantänemaßnahmen kommen.

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Gibt es eine Faustregel, an die man sich halten kann?

Möglichst kleine Klassen und Gruppen, zwischen denen Abstand eingehalten wird; dazu viel Frischluft und möglichst auch Masken: Das ist, was die bisherigen Erfahrungen mit den vielfältigen Schutzmaßnahmen wieder geöffneter Schulen als Orientierung nahelegen. Allerdings kann sich im Laufe der kommenden Monate zeigen, dass die ein oder andere Maßnahme besser wirkt als eine andere. Dann wird man die Schutzmaßnahmen entsprechend anpassen.

© SZ vom 05.08.2020
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