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Flughafen in New York:Reinigungskräfte streiken aus Angst vor Ebola-Ansteckung

  • Am New Yorker Flughafen LaGuardia streiken etwa 200 Reinigungskräfte: Sie seien nicht ausreichend vor einer Ebola-Ansteckung geschützt.
  • In Großbritannien werden die Einreisekontrollen verschärft.
  • Einer Studie des Max-Planck-Instituts zufolge ist das Ansteckungsrisiko für Krankheiten am Flughafen Frankfurt besonders groß. Der Grund ist die gute Vernetzung im internationalen Flugverkehr.
  • Die Ebola-Epidemie wird Thema beim Jahrestreffen von IWF und Weltbank. Im Vorfeld hat Weltbank-Chef Jim Yong Kim der internationalen Gemeinschaft vorgeworfen, sie habe beim Kampf gegen die Seuche "kläglich versagt".

Flughafen-Reinigungskräfte streiken in New York

Aus Angst vor Ebola haben am New Yorker Flughafen LaGuardia etwa 200 Reinigungskräfte gestreikt. Sie hätten keinen ausreichenden Schutz, wenn sie Erbrochenes wegräumen oder die Bordtoiletten säubern müssten, erklärten Beschäftigte der Firma Air Serv in einer von der Dienstleistungsgewerkschaft SEIU verbreiteten Stellungnahme. So hätten sie zum Beispiel keine Handschuhe, die dick genug seien und nicht rissen. Die Air-Serv-Beschäftigten traten für einen Tag in den Ausstand. Die Flugzeugbesatzungen mussten die Maschinen selbst reinigen.

In den USA war am Mittwoch der erste mit Ebola diagnostizierte Patient gestorben. Der Liberianer war am 20. September aus seinem Heimatland nach Texas gereist. Erst mehr als eine Woche später hatten Ärzte das Ebola-Virus bei dem Mann nachgewiesen.

In den USA sollen Flugreisende aus den vom Ebola-Virus betroffenen afrikanischen Ländern künftig an fünf großen Flughäfen des Landes auf mögliche Symptome untersucht werden.

Verschärfte Einreisekontrollen in Großbritannien

Nach den USA führt auch Großbritannien Ebola-Einreisekontrollen ein. Die Maßnahme gelte an den Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick sowie am Terminal für Reisende mit dem Eurostar aus Frankreich, teilte die britische Regierung in London mit. Die Kontrollen beträfen Reisende, die aus vom Ebola-Ausbruch betroffenen Ländern wie Liberia und Sierra Leone kommen.

Wie die britische Regierung weiter mitteilte, sollen die aus Ebola-Ländern ankommenden Passagiere nach ihren Reisedaten und Kontakten sowie nach weiteren Reiseplänen befragt werden. Im Zweifel kann auch medizinisches Personal hinzugezogen werden. Die Entscheidung sei auf Anraten des obersten britischen Amtsarztes getroffen worden. Nähere Details gab es dazu zunächst nicht.

In Spanien hatte es zuletzt die erste Ebola-Ansteckung in Europa gegeben. Der spanischen Pflegehelferin, die sich in Madrid bei einem Patienten angesteckt hatte, geht es inzwischen sehr schlecht - wie auch dem Infizierten, der seit Donnerstag in Leipzig behandelt wird. Er ist der dritte Ebola-Patient, der in eine deutsche Klinik gebracht wurde. Zurzeit wird auch in Frankfurt ein Ebola-Patient behandelt. Am Hamburger Uniklinikum war zuvor ein Infizierter als geheilt entlassen worden.

Ansteckungsrisiko am Flughafen Frankfurt besonders groß

Bei Flugreisen über den Knotenpunkt Frankfurt ist das Risiko für Passagiere, sich etwa mit einer Grippe anzustecken, größer als bei Flügen über andere internationale Airports. Das haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Informatik in Saarbrücken auf Basis eines komplizierten Rechenmodells zur Ausbreitung von Pandemien durch die Zunahme des weltweiten Luftverkehrs ermittelt.

Die Forscher entwickelten auf Grundlage einer Datenbank von 3458 Flughäfen mit 68 620 Flugverbindungen und 171 Flugzeugtypen eine Maßzahl für das Pandemie-Risiko. Danach liegt das Verbreitungsrisiko für Frankfurt bei einem Wert von 100 und damit höher als für andere Großflughäfen wie New York (JFK/91), London (Heathrow/92) oder Peking (97), wie Instituts-Mitarbeiter Glenn Lawyer am Donnerstag berichtete. Der Grund dafür liegt den Angaben zufolge in der besonders engen Vernetzung des größten deutschen Flughafens. Frankfurt habe besonders viele gute Verbindungen zu anderen ebenfalls gut angebunden Flughäfen, sagte Lawyer.

Auf der Homepage des Max-Planck-Instituts lässt sich die Vernetzung der einzelnen Flughäfen interaktiv auf einer Karte anzeigen.

Weltbank-Präsident: Internationale Gemeinschaft ist kläglich gescheitert

Die Epidemie ist auch Thema der am Freitag in den USA beginnenden Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Kurz vor Beginn des Treffens klagte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim, die internationale Gemeinschaft sei im Kampf gegen das Virus "kläglich gescheitert".

Schätzungen der Weltbank

Ebola könnte Westafrika knapp 33 Milliarden Dollar kosten

Steigende Preise, hohe Verschuldung, sinkende Einkommen: Die Verbreitung von Ebola hat in Westafrika zusätzlich zur humanitären Katastrophe verheerende wirtschaftliche Folgen.

Nachdem die Krise nun auch Spanien und die USA betreffe, sei die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass das Virus auch andere europäische Länder erreiche, sagte Kim der Zeitung The Guardian. Er wünsche sich die Unterstützung westlicher Regierungen für einen neuen 20 Milliarden Dollar (15,7 Milliarden Euro) schweren Gesundheitsfonds für Notfälle. "Ebola war eine Bewährungsprobe, und wir haben versagt."

Die Finanzminister und Notenbankchefs aus den 188 Mitgliedsländern beraten ab Freitag in Washington über die Entwicklung der Weltwirtschaft.

Dramatische Ausbreitung der Epidemie

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Die derzeitige Epidemie in Westafrika trifft nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besonders die Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone. Bisher sind laut WHO in diesen drei Ländern mehr als 3850 Menschen an Ebola gestorben. Über 8000 Menschen infizierten sich. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.