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Alternativmedizin:Irgendwas, das ähnliche Symptome verursacht

Medikamente wirken, weil sie mit Molekülen im Körper reagieren, die auf irgendeine Weise mit einem Leiden zusammenhängen. Entwickelt werden sie entweder gezielt, oder zufällige Beobachtungen führen auf ihre Spur. Klinische Studien überprüfen Effekte, in dem Wirkstoffe mit einem Scheinmedikament verglichen werden, wobei weder Patient noch Arzt wissen, wer was zufällig erhält (randomisierte Doppelblindstudien).

Homöopathische Mittel dagegen werden in sogenannte Repertorien aufgenommen: Das sind Sammlungen von Stoffen, die bei Tests (" Arzneimittelprüfung") von Homöopathen bei gesunden Menschen eine Reihe bestimmter Symptome hervorgerufen haben sollen. Zeigt ein Patient aufgrund einer Krankheit ähnliche Symptome wie für eine Substanz gelistet, kommt diese als Ursubstanz infrage - aber eben nur in homöopathischer Dosis.

Ein von Homöopathen häufig angeführtes Beispiel, um das Prinzip zu veranschaulichen: Schneiden wir eine Küchenzwiebel ( Allium cepa), erleben wir meist, dass uns Sekret aus der Nase läuft. Außerdem tränen die Augen und wir müssen niesen. Schnupfen, Heuschnupfen und Erkältungen lösen ähnliche Beschwerden aus. Also werden davon betroffene Patienten mit dem homöopathischen Wirkstoff Allium cepa behandelt.

Nun werden die Reaktionen unseres Körpers auf das Zwiebelschneiden durch den Stoff Propanthialsulfoxid ausgelöst, der die Schleimhäute reizt. Schnupfen und Erkältungen werden aber durch Viren verursacht, Heuschnupfen ist eine Überreaktion des eigenen Immunsystems.

Homöopathen verwenden nun nicht Propanthialsulfoxid, sondern legen Zwiebeln für zwei Wochen in Alkohol. Die so gewonnene Flüssigkeit ist die Urtinktur, die nun potenziert wird. In ihr müssen die "Information" über das reizende Molekül aus der Zwiebel stecken, die nun mittels des homöopathischen Mittels in den Körper übertragen werden.

Die "Information" muss darüber hinaus das wichtige Detail enthalten, dass sie nicht etwa - wie es der Natur des Zwiebelstoffes entsprechen würde - die Beschwerden noch verstärkt, sondern dem Körper gegen Krankheitserreger oder das eigene Immunsystem beistehen.

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Wie das gehen soll, da sind Homöopathen ratlos - und geben das auch zu. Nichts spricht dafür, dass ein "Ähnlichkeitsprinzip" so funktionieren könnte. Auch der gelegentlich vorgebrachte Vergleich zur Impfung taugt nicht. Zwar werden dabei kleine Dosen von lebenden oder abgetöteten Krankheitserregern oder Teile davon eingesetzt. Aber hier wird erstens nichts irgendwie "Ähnliches" eingesetzt, sondern genau das, was vom Immunsystem als bestimmter Krankheitserreger identifiziert wird. Zweitens sind diese Dosen eben gerade so groß, dass das Immunsystem etwas hat, worauf es reagieren kann.

"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde"

Doch auf alle diese Einwände ist in der Regel zu hören: "Wer heilt, hat recht", oder es wird Shakespeare zitiert: "Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumt." Shakespeare? Der Dichter lässt im selben Stück auch den Geist der Verstorbenen auftreten. Welche Aussagekraft hat das?

Natürlich gibt es bislang unerklärliche Phänomene - aber die Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung gehört nicht dazu: Was hier wirkt, nennen Ärzte " Sprechende Medizin" und Placeboeffekt - und langsam setzt sich die Erkenntnis durch, welche wichtige Rolle sie auch für die "schulmedizinische" Behandlung spielen können.

Dem Shakespeare-Zitat lässt sich übrigens eine Erkenntnis des schottischen Philosophen David Hume (1711 - 1776) entgegenhalten. In Anlehnung an seinen Kommentar zu Wundern lässt sich fragen: Was ist plausibler - dass homöopathische Mittel die grundlegenden Erkenntnisse, die wir bislang über unsere Welt gewonnen haben, widerlegen, oder dass die Zeugen sich irren?

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