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Alternativmedizin:In der Medizin wirken Atome und Moleküle. In der Homöopathie wirken "Informationen"

Durch das Ritual des Verschüttelns wird den Homöopathen zufolge ausschließlich die erhoffte Wirkung der Ursubstanz verstärkt. Ein Effekt etwa des Lösungsmittels Alkohol oder des Milchzuckers wird nicht erhöht. Auch Verunreinigungen bleiben von der Potenzierung verschont. Es ist, als "wüssten" alle am Prozess beteiligten Substanzen, was von ihnen erwartet wird. Eine Erklärung dafür haben Homöopathen nicht.

Wenn nun in homöopathischen Mitteln nur noch wenige oder gar keine Moleküle oder Atome der Ursubstanz mehr vorhanden sind - was wirkt hier dann? Homöopathen sprechen von "Information", die bei den Verdünnungsschritten (Potenzierung) von der Ursubstanz weitergegeben werde. Gelegentlich wird dabei auf die Quantenphysik, Nanopartikel und ein Gedächtnis des Wassers verwiesen.

Die Quantenphysik versucht, Antworten auf viele noch rätselhafte Prozesse zu finden, die auf der subatomaren Ebene auftreten. Dass aber Homöopathen hoffen, hier ihre Idee von Informationsübertragungen bestätigt zu finden, hält der bekannte Quantenphysiker Anton Zeilinger für "wissenschaftlich unbegründet". Und Nanopartikel sind zwar sehr, sehr klein. Aber es handelt sich trotzdem um Materie, deren Atome auf messbare Weise mit der Umwelt interagieren. Irgendwie homöopathisch verhalten sie sich nicht.

Bleibt die Vorstellung, Wasser hätte ein Gedächtnis. Doch Wasser könnte sich nur an etwas "erinnern", wenn Wassermoleküle einen bestimmten Zustand für längere Zeit einnehmen und beibehalten würden. Im flüssigen Zustand funktioniert das aber nicht.

Wassermoleküle bilden über sogenannte Wasserstoffbrücken miteinander und mit anderen Molekülen "Cluster". Die lösen sich aber nach Pikosekunden (0,000 000 000 001 Sekunden) wieder auf und neue Cluster werden gebildet.

Wie soll da ein Molekül im Wasser über Tage oder Wochen Spuren hinterlassen, wenn es selbst nicht mehr da ist? Wie sollen diese Spuren beim Verschütteln verstärkt werden? Wieso sollten die "Erinnerungen" an eine Ursubstanz weitergegeben werden, "Erinnerungen" an Verunreinigungen - die sich kaum verhindern lassen - aber nicht?

Homöopathie "Homöopathie ist ein reiner Placeboeffekt"
Umstrittenes Heilverfahren

"Homöopathie ist ein reiner Placeboeffekt"

Homöopathen halten es für wissenschaftlich belegt, dass ihre Mittel helfen, selbst wenn kein Wirkstoff mehr darin enthalten ist. Dabei berufen sie sich häufig auf den Mediziner Klaus Linde und den Quantenphysiker Anton Zeilinger. Aber was halten diese zwei Experten davon?   Markus C. Schulte von Drach

Und hat Alkohol dann auch ein Gedächtnis? Und Milchzucker? Das sind Stoffe mit sehr anderen Eigenschaften. Trotzdem sollen Informationen aus dem Wasser auf Globuli oder Tabletten übertragen werden, in dem der Milchzucker besprüht wird. Und wie behält das Wasser in einer Salbe sein Gedächtnis, wenn es sich die Tube etwa mit Paraffin und Benzylaklohol teilen muss?

Wie nimmt der menschliche Körper die Informationen auf?

Die Informationen müssten beim Anwenden der Mittel im Mund oder Verdauungstrakt oder über die Haut aufgenommen werden und auf etwas im Körper wirken. Es gibt dafür aber weder Sensoren noch Rezeptoren, Bahnen oder Botenstoffe. Die Vorstellung von irgendwelchen Informationen basiert lediglich auf der Prämisse, dass ein homöopathisches Mittel irgendwie auf Beschwerden wirken soll, obwohl das eigentlich nicht geht.

Das Gleiche gilt für die Vorstellung, hinter der Wirkung der Homöopathie stecke irgendeine Form von Energie. Auch Begriffe wie "Feinstofflichkeit" oder "geistige Ebene" bezeichnen Dinge und Eigenschaften, die bislang jeden wissenschaftlichen Beleg für ihre Existenz schuldig geblieben sind.