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Allergien vorbeugen:Stallluft und Rohmilch stärken Kinder

Zu den Wissenschaftlern, die Daten zur gesundheitsfördernden Wirkung der Rohmilch beigetragen haben, gehört die Allergologin Erika von Mutius von der Universität München. Im Rahmen der EU-geförderten Gabriel-Studie, die die Ursachen von Asthma und Allergien ergründen soll, hat Mutius gemeinsam mit Forschern aus Österreich und der Schweiz knapp 8000 Kinder aus ländlichen Regionen untersucht.

Demnach haben Kinder vom Bauernhof ein bedeutend geringeres Risiko, an Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis zu erkranken. "Wir wissen heute", sagt Mutius, "dass zwei Faktoren dafür verantwortlich sind: der Aufenthalt im Stall und das Trinken von Rohmilch".

Doch Rohmilch hat auch ohne Stall eine schützende Wirkung, wie weitere Studien gezeigt haben. So erkrankten Bauernhofkinder in einer Untersuchung der Londoner St. George's University genauso häufig an Allergien wie Stadtkinder, wenn sie abgekochte Milch bekamen. Zudem haben Kinder, die Rohmilch trinken, aber nicht auf einem Bauernhof leben, ebenfalls ein geringeres Allergierisiko. Und, für die Beweiskraft besonders wichtig: Die Forscher fanden immer eine Dosis-Wirkungs-Beziehung. Der Schutz war also umso besser, je mehr Rohmilch die Kinder getrunken haben.

Eine Rolle spielen aber auch die Gene der Kinder. Offenbar sind nur solche Bauernhofkinder vor Allergien und Asthma geschützt, die eine bestimmte Variante der "Toll-like Rezeptoren" haben. Diese Moleküle sind Andockstellen im Immunsystem; sie erkennen als Erstes den Eintritt von Bakterien sowie anderen harmlosen oder schädlichen Substanzen.

Warum Stallluft und Rohmilch geradezu als Impfung gegen Allergien taugen, wird derzeit untersucht. Die Behandlung der Milch könnte auf zwei verschiedenen Wegen ungünstig sein. Einerseits werden harmlose probiotische Bakterien wie Laktobazillen in der Milch abgetötet, die im Darm siedeln und das angeborene Immunsystem stabilisieren. Zudem werden Eiweiße in der Milch durch Erhitzen und Homogenisieren zerstört. So sinkt der Anteil an Molkenprotein drastisch. Eine Auswertung der Gabriel-Studie vom vergangenen Jahr ergab aber: Nur wenn der Gehalt an Molkenprotein in der Milch sehr hoch ist, sind die Kinder vor Asthma geschützt.

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