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Aids-Forschung:Scheinbar von HIV geheiltes Kleinkind wieder erkrankt

Zwei Jahre lang waren im Körper eines kleinen Mädchens aus den USA keine HI-Viren nachweisbar. Die Fachwelt schöpfte Hoffnung auf eine HIV- und Aids-Therapie. Nun ist der Erreger wieder aufgetaucht.

  • Zwei Jahre galt ein Kleinkind in den USA als vom HI-Virus geheilt. Jetzt ist der Erreger wieder im Blut des Mädchen nachgewiesen worden.
  • Als einziger tatsächlich vom HI-Virus befreiter Mensch gilt der "Berliner Patient".

HI-Virus wieder in Körper von Kleinkind aufgetaucht

Bei einem von HIV geheilt geglaubten Kleinkind in den USA ist der Erreger erneut festgestellt worden. Nach zwei Jahren ohne Medikamente, in denen keine Viren im Körper des knapp vierjährigen Mädchens nachweisbar waren, sei der Erreger nun wieder aufgetaucht, teilten die Ärzte des Kindes am University of Mississippi Medical Center in Jackson mit.

Bei einer Routinekontrolle entdeckten die Mediziner das Virus, eine erhöhte Anzahl von sogenannten CD4-Zellen (Immunzellen) und HIV-Antikörper - alles Zeichen dafür, dass sich das Virus im Körper vermehrt. Gentests bestätigten, dass es sich bei dem Erreger um den selben Typ handelt, mit dem die Mutter ihr Kind infiziert hatte. Das Mädchen erhält jetzt wieder antiretrovirale Medikamente. Es vertrage die Therapie gut, berichteten die Ärzte.

Die Tatsache, dass das Kind so lange ohne Behandlung auskam, sei ungewöhnlich, sagte Debora Persaud von der John Hopkins Universität in Baltimore, eine der behandelnden Ärztinnen: "Normalerweise kehrt die Viruslast innerhalb von Wochen und nicht Jahren zurück, wenn die Behandlung gestoppt wird". Die lange Zeit spreche dafür, dass durch die sehr frühe aggressive Therapie nur sehr wenige Zellen vom HI-Virus befallen wurden, vermutet Katherine Luzuriaga, von der University of Massachusetts Medical School.

Im Frühling vorigen Jahres hatten Mediziner davon berichtet, das Baby von seiner HIV-Infektion befreit zu haben. Eine frühzeitige Gabe gleich mehrerer Medikamente habe das Virus unter die Nachweisgrenze gedrückt. Auch ein halbes Jahr später waren selbst nach Absetzen der Medikamente keine Viren nachweisbar. Im renommierten New England Journal of Medicine erklärten die Wissenschaftler, bei dem 30 Monate altem Kind aus dem Bundesstaat Mississippi könne von einer "funktionellen Heilung" gesprochen werden.

Die Behandlung

Das Mädchen war im Mutterleib durch seine HIV-positive Mutter infiziert worden. 30 Stunden nach seiner Geburt hatte es drei antiretrovirale Medikamente erhalten. Üblicherweise wird eine solche aggressive Kombinationstherapie erst im Alter von einem bis drei Monaten begonnen. Schon 29 Tage nach der Geburt seien bei dem Kind keine HI-Viren mehr nachweisbar gewesen.

Als das Mädchen 18 Monaten alt war, verloren die Ärzte fünf Monate lang den Kontakt zu der Patientin. Spätestens in dieser Zeit setzte die Mutter die Medikamente auf eigene Faust ab. Doch anders als erwartet, kehrte das HI-Virus zunächst nicht zurück.

Der Hintergrund

Obwohl eine Behandlung der schwangeren Mutter die Infektion des Babys in 98 Prozent der Fälle verhindert, kommen jährlich immer noch mehr als 260 000 Kinder zur Welt, die im Mutterleib mit HIV infiziert wurden. Besonders häufig sind die Fälle in Entwicklungsländern.

Bisher gilt einzig der US-Bürger Timothy Brown als von Aids geheilt. Er wurde in Berlin durch eine Knochenmarkstransplantation behandelt und ging als der "Berliner Patient" in die Medizingeschichte ein. Ein ähnliches Verfahren wurde auch bei zwei Patienten in Boston erprobt - allerdings ohne Erfolg. Bei den Männern wurden zwischenzeitlich wieder HI-Viren festgestellt. Sie bekommen erneut Medikamente, die ihre Infektion in Schach hält.

© SZ.de/dpa/sebi/sana
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