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Coronavirus und Senioren:Warum man die Großeltern vorerst nicht besuchen sollte

Ältere menschen besuchen in Corona-Zeiten?

Besuche im Altenheim? Besser einschränken. (Symbolbild)

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Die Besuchsverbote und Einschränkungen für Altersheime sind ein enormer Einschnitt. Warum vor allem Ältere gefährdet sind - und wie sie sich schützen können.

Bewohner von Alten- und Pflegeheimen in Bayern und Baden-Württemberg dürfen nur noch sehr eingeschränkt Besuch von ihren Verwandten und Freunden bekommen. Der drastische Schritt zeigt, wie groß die Sorge um die Senioren wegen der Ausbreitung des Coronavirus ist. Was Angehörige jetzt wissen sollten.

Von welchem Alter an sind Menschen am stärksten gefährdet, schwer an Covid-19 zu erkranken?

Covid-19 kann zu gefährlichen Lungenentzündungen führen. Das Risiko dafür steigt für Menschen, die 60 Jahre und älter sind. Das Risiko zu sterben erhöht sich ebenfalls mit dem Alter, vor allem für 80-Jährige und Ältere. Das liegt auch daran, dass das Immunsystem im Alter weniger gut auf Infektionen reagiert als in jüngeren Jahren. Da unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber eine Antwort des Immunsystems sind, können diese im Alter schwächer ausfallen oder fehlen, warnt das Robert-Koch-Institut (RKI). Damit besteht die Gefahr, dass Infektionen bei Älteren erst spät erkannt werden.

Welche weiteren Faktoren gefährden ältere Menschen?

Die Gefahr für schwere Symptome steigt auch bei Menschen mit Grunderkrankungen, und zwar unabhängig vom Alter. Dazu gehören vor allem Herz-Kreislauf-Leiden, aber auch Diabetes, Probleme des Atmungssystems, der Leber und der Niere sowie Krebs. An diesen Krankheiten leiden ältere Menschen sehr viel häufiger, manche von ihnen haben auch mehrere Leiden auf einmal. Ihr Risiko dürfte besonders groß sein, schätzt das RKI.

Wie können sich Ältere schützen?

Die allgemeinen Verhaltensregeln gelten für Senioren in besonderem Maß: Abstand zu anderen Menschen halten und eine strenge Handhygiene beachten. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) empfiehlt ihnen, auf größere Zusammenkünfte und Reisen zu verzichten. Im Zweifelsfall müsse auch die Familienfeier ausfallen. Anja Kwetkat, Direktorin der Klinik für Geriatrie am Universitätsklinikum Jena, ergänzt: "Eine Pneumokokken-Impfung ist extrem wichtig, da bei geimpften Patienten eine Lungenentzündung mit deutlich milderen Symptomen verläuft als bei nicht geimpften Patienten." Die Immunisierung wird Menschen ab 60 Jahren standardmäßig empfohlen - und das nicht erst seit dem Auftreten des Coronavirus.

Sollte man die Großeltern noch besuchen?

Sofern Altenheime nicht bereits Regelungen erlassen haben, kann es sinnvoll sein, wenn Angehörige und Freunde vorübergehend Besuche einschränken oder durch Telefonate ersetzen. Schwieriger wird diese Entscheidung, wenn die Senioren allein leben. Dann muss berücksichtigt werden, wie sie ohne Hilfe zurechtkommen. Grundsätzlich gilt: "Die soziale Isolation ist keinesfalls die Lösung", warnt die DGG. Denn auch die Isolation kann krank machen. Helmut Kneppe, geschäftsführender Vorstand des Kuratoriums Deutsche Altershilfe, wird grundsätzlicher: "Soziale Kontakte sind gerade in Krisenzeiten erforderlich, denn da müssen wir besonders füreinander einstehen und uns helfen." Allerdings sei Achtsamkeit geboten, was Art und Länge des Kontakts anbelangt. Kneppe warnt zugleich davor, die Senioren als eine homogene Gruppe zu betrachten. Es gebe enorme individuelle Unterschiede im Alter, die die Familien bei ihren Entscheidungen mitberücksichtigen müssten.

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Was soll man beim Besuch beachten?

Familienmitglieder sollten Senioren nur dann besuchen, wenn sie sich gesund fühlen und keinen Kontakt zu Erkrankten hatten. Beim Betreten der Wohnung sollten sie sich gründlich die Händewaschen. Die DGG rät, auf Umarmungen und Küsse zu verzichten.

Was können Angehörige sonst noch tun?

Wichtig ist, die Älteren über die Symptome und Gefahren aufzuklären und das Vorgehen für den Fall einer Erkrankung mit ihnen zu besprechen.

© SZ vom 14.03.2020
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