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Zuschuss zum Gehalt:Lohnen sich vermögenswirksame Leistungen auch für Azubis?

Wer noch in der Lehre ist, muss bei der Wahl der Sparanlage einiges beachten.

Viele Auszubildende haben - genauso wie Arbeitnehmer, Beamte, Soldaten und Richter - einen Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen, kurz VL. Selbst wenn sie manchmal im Vergleich zu ihren voll ausgebildeten Kollegen nur einen Teil der Leistungen erhalten, lohnt es sich trotzdem, diese in Anspruch zu nehmen.

Was sollten Lehrlinge beachten?

"Azubis sollten sich in jedem Fall bei der Personalabteilung oder dem Betriebsrat ihrer Ausbildungsstelle informieren, ob und in welcher Höhe ihnen laut Vertrag VL zustehen", empfiehlt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW. Zwar müssen auch Azubis Steuern und Sozialabgaben auf die VL zahlen. Doch in den meisten Fällen ist ihr Gehalt noch so gering, dass Steuern entweder gar nicht anfallen oder über die Steuererklärung im nächsten Jahr ganz oder teilweise wieder erstattet werden.

Vorsichtig sein sollten Auszubildende nur bei der Wahl der Sparanlage. Denn in viele Finanzprodukte muss man mindestens sechs oder sieben Jahre lang sehr regelmäßig einzahlen (mehr zu den Anlageformen hier), um keine Ansprüche zu verlieren. Entscheidet man sich nach der Ausbildung für einen anderen Arbeitgeber oder ein Studium, müssen die Beiträge gegebenenfalls aus der eigenen Tasche weiterbezahlt, heruntergesetzt oder für eine Weile ausgesetzt werden. Nicht alles funktioniert bei allen Sparverträgen. Je nach Ausbildungsvertrag und persönlicher Lebenslage ist daher meist eine der folgenden Sparformen für Auszubildende sinnvoll.

Der Banksparplan

Vorteile: Er kostet keine Gebühren und man kann die Sparraten in der Regel ohne Probleme aussetzen oder anpassen. Wenn mindestens sechs Jahre lang in den Banksparplan eingezahlt und ein Ruhejahr eingehalten wird, gibt es häufig noch einen dicken Zinsbonus. Nach der Auszahlung kann das Geld beliebig ausgegeben werden, es ist nicht zweckgebunden.

Nachteil: Es gibt keine staatlichen Zuschüsse.

Der Bausparvertrag

Vorteile: Da die Azubi-Gehälter eigentlich immer unterhalb der förderfähigen Einkommensgrenzen liegen (20 000 Euro für Singles, 40 000 Euro bei Ehepaaren), haben Azubis für gewöhnlich Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulage. Wer die Sparraten aus eigener Tasche aufstockt, kann zusätzlich die Wohnungsbauprämie beantragen (mehr zu beiden Fördermöglichkeiten hier).

Auch für Personen, die am Ende der Laufzeit keinen Kredit aufnehmen wollen, kann sich der Bausparvertrag lohnen. Wichtig ist, sich im Vorfeld einen Vertrag auszusuchen, der einen Zinsbonus gewährt, falls man auf das Darlehen verzichtet. Auf diese Weise wird der Bausparvertrag zum staatlich geförderten Sparbuch. Personen, die bei Abschluss eines Bausparvertrags jünger als 25 Jahre sind, bekommen häufig besonders gute Zinsen und noch andere Freiheiten: Junge Bausparer müssen das angesparte Geld am Ende der Laufzeit nicht zwangsläufig für Wohneigentum ausgeben.

Nachteile: Der Bausparvertrag kostet Abschlussgebühren. Außerdem muss im Vorfeld festgelegt werden, bis zu welcher Höhe man Geld ansparen will. Erst wenn der Vertrag "voll" ist, kann man sich das angesparte Geld - gegebenenfalls plus Darlehen - auszahlen lassen. Auch können nicht alle Verträge im Falle von Arbeitslosigkeit oder Studium beitragsfrei gestellt werden. Darüber sollte man sich informieren, damit man nicht vorzeitig und verlustreich kündigen muss.

Der Fondssparplan

Vorteile: Wer über einen Fondssparplan in Aktienfonds investiert, hat höhere Renditechancen als beim Banksparplan oder beim Bausparvertrag. Wenn pro Jahr mindestens 400 Euro eingezahlt werden (34 Euro monatlich), ist die staatliche Förderung über die Arbeitnehmersparzulage mit bis zu 80 Euro pro Jahr besonders hoch.

Nachteile: Die Fonds (mehr dazu in diesem SZ.de-Ratgeber) im Fondssparplan dürfen sieben Jahre lang nicht angerührt werden und müssen fest angelegt bleiben. Wer die VL-Fonds vorher verkaufen will oder muss, verliert dadurch automatisch seinen Anspruch auf die angesammelte jährliche Sparzulage. Zudem fallen Ausgabeaufschläge und möglicherweise Depotgebühren an. Direktbanken sind diesbezüglich die günstigere Alternative, allerdings ist das Angebot an VL-Fondssparplänen hier überschaubar. Wertschwankungen sind bei Aktienfonds immer möglich und können sich negativ auf die erhoffte Rendite auswirken.

Informieren und rechnen

Je nachdem, wie viel an vermögenswirksamen Leistungen zur Verfügung steht und ob man die Sparraten aus eigener Tasche aufstocken will, kann man ausrechnen, welcher Vertrag sich am meisten lohnt. Dabei sollte auch bedacht werden, dass sich das Gehalt nach der Ausbildung entweder deutlich erhöht oder komplett wegfällt, wenn man zum Beispiel ein Studium beginnt. Einen guten Überblick über Anlagemöglichkeiten bieten zum Beispiel Stiftung Warentest (hier) oder Ökotest (hier). Außerdem kann es sich lohnen, sich bei verschiedenen Banken beraten zu lassen, die Angebote in Ruhe miteinander zu vergleichen und sich dann für das geeignetste Finanzprodukt zu entscheiden.