Zeitgenössische Musik In der Todeszelle

Komponist Felix Leuschner, der Librettist Reto Finger und der Regisseur Manuel Schmitt reisten nach Texas, um zu erfahren, wie das Leben von Todeszelleninsassen aussieht. Das Ergebnis ist ein "Requiem für einen Lebenden" in der Festspiel-Werkstatt.

Von Henrik Oerding

Eine Totenmesse für einen Lebenden zu halten, das erscheint zunächst paradox. In einer Todeszelle ist so ein Requiem aber genau richtig: Zwischen der Verkündung des Todesurteils und dessen Vollstreckung ist der Verurteilte zwar lebendig, aber doch dem Tod schon nahe - ein schwebender Zustand. Seit 1976 sind laut dem Death Penalty Information Center 1499 Hinrichtungen in den USA vollstreckt worden. Über 2700 Menschen saßen im Herbst 2018 in einer amerikanischen Todeszelle und warteten auf ihre Hinrichtung.

Der Komponist Felix Leuschner, der Librettist Reto Finger und der Regisseur Manuel Schmitt sind zusammen nach Texas gereist, um zu erfahren, wie das Leben der Todeszelleninsassen aussieht. Ihre Erfahrungen haben sie zu einem Musiktheaterwerk gemacht, das sich der paradoxen Situation am Rande des Lebens annähert. In ihrem Stück wartet der Verurteilte, ein Mörder, seit über 13 Jahre auf die Hinrichtung. Es geht um das Leben im Gefängnis, um gesellschaftliches Zusammenleben und um Freiheit.

Zwei Sängerinnen (Salome Kammer und Adriana Bastidas-Gamboa) und ein Schauspieler (Ben Daniel Jöhnk) treffen auf das Ensemble Interface mit Flöte, Klarinette, Violine, Cello, Klavier und Schlagzeug. "Interface" ist ein Ensemble für zeitgenössische Musik aus Frankfurt, das für ungewöhnliche und experimentelle Zugänge steht. Die Musiker arbeiteten schon mit berühmtem Komponisten wie Peter Eötvös, Brian Ferneyhough oder Beat Furrer zusammen. Bei den Opernfestspielen ergänzt ihre Musik der Komponist Felix Leuschner selbst mit Live-Elektronik.

So soll sowohl ein visueller wie auch ein akustischer Einblick in die Reise nach Texas geschaffen werden. Das Projektteam konnte frei gehen - die Insassen warten weiter auf die Vollstreckung.

Requiem für einen Lebenden, 21. bis 24. Juli, 20 Uhr, Reithalle, Heßstraße 132