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Zehn Jahre Euro-Bargeld:Im deutschen Geldbeutel dominiert der Bundesadler

Über 90 Milliarden Euro-Münzen sind derzeit im Umlauf - mit den individuellen Prägungen der einzelnen Euro-Staaten. Doch auch zehn Jahre nach ihrer Einführung vermischen sie sich europaweit viel weniger als erwartet. Ein früherer Mathematikprofessor weist nach: In den jeweiligen Ländern dominieren Münzen aus heimischer Prägung.

Zehn Jahre nach der Einführung des Euro-Bargelds klimpert es in europäischen Börsen noch recht eintönig. Je nach Herkunftsland haben die Euro-Münzen bekanntermaßen eine eigene Prägung, die Durchmischung der Euro-Stücke aus den verschiedenen Staaten fällt aber noch überraschend gering aus. Ein deutscher Professor hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Gesetzmäßigkeiten der Münzmischung auf den Grund zu gehen.

Euro Münzen

Mehr als 90 Millliarden Euro-Münzen sind im Umlauf. Die verschiedenen "nationalen" Versionen vermischen sich europaweit weniger als erwartet.

(Foto: dpa)

Rund 95,6 Milliarden Münzen der Gemeinschaftswährung sind aktuell im Umlauf. In 17 EU-Staaten plus San Marino, Vatikan und Monaco ist der Euro mittlerweile Zahlungsmittel. Für die Herstellung der eigenen Euro-Münzen ist jedes Land selbst verantwortlich, auch wenn manche Staaten sie im Ausland prägen lassen. Der Bedarf eines Landes an Euro-Stücken bemisst sich an der Zahl der Einwohner im Verhältnis zur eigenen wirtschaftlichen Größe. Die meisten Euro-Münzen sind deshalb deutscher Herkunft, gefolgt von denen mit französischer und italienischer Prägung.

Der Verteilung der Euro-Münzen wollte sich von offizieller Seite noch niemand widmen, eine amtliche Erhebung fehlt. "Das ist sehr schwierig zu erfassen", begründet die Europäische Zentralbank (EZB) die Forschungslücke. Außerdem hätten die Euro-Stücke ja überall ihre Gültigkeit, egal welches Ländersymbol eingeprägt sei.

Die Bundesrepublik ließ bisher 33,6 Milliarden Münzen pressen. Die statistisch "perfekte" Mischung wäre nun ein Drittel einheimischer zu zwei Dritteln fremder Euro-Münzen. Dass die deutschen Euro sich aber partout nicht richtig mit ihren europäischen Pendants vermischen wollen, hat Dietrich Stoyan festgestellt, ehemaliger Mathematik-Professor an der Bergakademie Freiberg.

Etwa 40 Prozent der Euro-Münzen in deutschen Geldbeuteln haben Stoyan zufolge eine ausländische Prägung. Unter den ausländischen Euro fänden sich am ehesten spanische in deutschen Taschen, gefolgt von französischen, sagt Stoyan, der sich schon seit der Einführung des Euro-Bargelds im Jahr 2002 mit dessen Wegen befasst. Eine Begründung für den Deutschen Hang zu iberischen Euro hat der Mathematiker parat: Das liege wohl an der Vorliebe der Bundesbürger, ihren Urlaub an spanischen Stränden zu verbringen. Auch sei es nicht egal, wo in Deutschland der Beobachter einen Blick ins Portemonnaie werfe: "Der Anteil ausländischer Euro ist in großen Städten höher als auf dem Land", sagt Stoyan. Das liege an der größeren Zahl der Touristen und Geschäftsleute in den Städten. Etwa bis ins Jahr 2030 werde es noch dauern, schätzt er, bis in der Bundesrepublik die ideale Durchmischung weitgehend erreicht sei.

Im benachbarten Frankreich vermengen sich die Münzen noch schlechter. "In Frankreich erreicht der Durchmischungsgrad einen Wert von einem Drittel ausländischer Stücke", ist das Ergebnis einer Studie des Pariser Professors Claude Grasland und der Direktorin des Nationalen Instituts für demografische Studien (INED), France Guérin-Pace. Deutsche und spanische Münzen landen demnach nach den heimischen Stücken am häufigsten in französischen Börsen.

Es gibt aber auch Prägungen, die so gut wie gar nichts zur Durchmischung beitragen - nicht in Deutschland, nicht in Frankreich und auch in keinem anderen Euro-Staat. Begehrt bei Sammlern aus aller Herren Länder, landen Münzen aus Monaco, San Marino und dem Vatikan in Sammelalben statt in Portemonnaies.

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