Wolkenkratzer Höher wohnen

Hochhäuser wie das in München werden heute zentrumsnah errichtet.

(Foto: Johannes Simon)

In Deutschland werden in den kommenden Jahren deutlich mehr Hochhäuser gebaut. Vor allem in zwei Städten entstehen besonders viele Wohntürme.

Von Andreas Remien

Viele Städte in Deutschland haben nur noch wenig Platz. Weil sie nicht mehr in die Breite wachsen können, suchen immer mehr Kommunen und Unternehmen den Ausweg in der Höhe. In den Achtziger- und Neunzigerjahren eher als Hort sozialer Brennpunkte verschmäht, gelten Hochhäuser heute als ein probates Mittel gegen die Wohnungsnot. Im Jahr 2023 wird es laut einer Prognose des Investment-Hauses Catella in Deutschland etwa 30 Wohntürme mehr geben als 2014.

Die neue Begeisterung für die Wolkenkratzer ist allerdings kein flächendeckendes Phänomen. Fast alle Projekte finden sich in Berlin (14) oder in Frankfurt (11). Hinzu kommen noch Objekte in Hamburg, München, Düsseldorf und im Stuttgarter Umland. Als Wohnturm definiert Catella Gebäude mit einer Höhe von mehr als 50 Metern und einem Wohnanteil von mindestens 75 Prozent.

Mit den Hochhäusern der ersten Generationen haben die aktuellen Projekte laut der Studie aber nur noch wenig zu tun. "Heute wird explizit ein Fokus auf die Belebung des Turms und des umliegenden Viertels gelegt", berichtet Thomas Beyerle, Leiter Marktforschung bei Catella. In den unteren Geschossen befänden sich häufig Geschäfte, Gastronomie, Arztpraxen oder Fitnessstudios. Auch der Austausch der Bewohner untereinander stehe im Mittelpunkt. Der größte Unterschied zeige sich bei den Mikrolagen. Standen die Objekte früher am Stadtrand oder in den Vororten, entstehen die Hochhäuser heute fast ausschließlich an zentralen Standorten.

Ein großer Unterschied ist auch die anvisierte Bewohnerschaft der Hochhäuser. Die neuen Projekte sind nicht für ärmere, sondern für ziemlich wohlhabende Mieter und Käufer gedacht. Die Hochhäuser der neuen Generation sind laut Catella nahezu ausschließlich im Luxussegment positioniert. Die Mieten betragen in manchen Türmen im Schnitt 27 Euro pro Monat und Quadratmeter. In zukünftigen Projekten werde sich der Anteil geförderter Wohnungen allerdings erhöhen.