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Wohnungssuche:Auf in den Kampf

Welche Alternativen es zur Wohnungsvermittlung durch Makler gibt und wie man den Vermieter bei der Besichtigung beeindrucken kann.

In manchen Städten kann die Wohnungssuche sehr lang und nervenaufreibend sein. Einfach nur mal zu schauen, was sich so ergibt, ist kein guter Plan. Es braucht eine richtige Strategie.

Manche Mieter überlegen, einen Makler zu beauftragen, aber das ist seit der Neuregelung der Wohnungsvermittlung nicht sehr erfolgversprechend. "Zwar haben Makler einen guten Überblick über den Markt in ihrer Region", sagt Sun Jensch vom Immobilienverband Deutschland. Doch: "Seit das Bestellerprinzip in Kraft ist, nimmt kaum ein Makler einen Auftrag von potenziellen Mietern an. Denn das ist ein großes Risiko für den Makler." Das Gesetz sieht vor, dass der Mieter dem Makler nur dann eine Provision zahlen muss, wenn der aufgrund eines konkreten Auftrags für ihn tätig geworden ist. Wird eine Wohnung aber dann nicht vom Auftraggeber angemietet, ist sie gewissermaßen verbrannt. Sie steht dann im Datenbestand des Maklers, und er kann die Wohnung nicht noch einmal für nachfolgende Kunden anbieten, so das Gesetz. Folglich darf er dann auch keine Provision verlangen. "Also bieten Makler diese Dienstleistung für Mieter lieber nicht an", sagt Jensch.

Ältere Leute inserieren lieber in der Zeitung als im Internet

Die Suche über die Zeitung lohnt sich dagegen. "Von 21 Millionen Mietwohnungen in Deutschland werden 15 Millionen von privaten Vermietern angeboten", erläutert Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. "Unter ihnen sind viele ältere Leute, die neue Mieter nicht per Computer, sondern mit herkömmlichen Zeitungsannoncen suchen. Wer in der regionalen Presse nach einer Wohnung schaut, kann mitunter wahre Schätzchen finden."

Und wie beeindrucke ich den Vermieter bei der Besichtigung? "Der Mietinteressent sollte versuchen, sich in die Lage eines Vermieters hineinzuversetzen", rät Siegmund Chychla vom Mieterverein Hamburg. Der will pünktlich seine Miete haben, erwartet einen schonenden Umgang mit der Immobilie und ein gutes Auskommen mit den anderen Hausbewohnern. "Die Erfahrung zeigt auch, dass der erste Eindruck zählt", betont Chychla. Aber man sollte beim ersten Termin auch nicht allzu forsch auftreten. "Verhandlungen über Mietkaution oder Miethöhe sind hier nicht angebracht, vor allem wenn noch andere Bewerber in den Räumen sind", findet Chychla. Ungeschickt sind auch das Hinterfragen der exakten Wohnungsgröße, das zentimetergenaue Nachmessen mit einem Zollstock oder die Anfertigung einer Fotodokumentation. "Gegen ein paar Handyfotos haben die meisten Vermieter aber nichts, wenn man vorher fragt", sagt Happ.

Wichtig ist auch, bereits zum Besichtigungstermin alle notwendigen Unterlagen wie Personalausweis, Einkommensnachweise und Schufa-Eigenauskunft dabeizuhaben.

© SZ vom 01.12.2017
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