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Wohnen im Schloss:Verzicht auf Komfort

Denn wer in einem Schloss wohnt, verzichtet mitunter auf Komfort. Häufig liegen die Räume nicht günstig oder die Bewohner müssen "Kältebrücken" wie unbeheizte Gänge überqueren. "Wir haben einen enormen Energieverbrauch", erklärt auch Clemens Freiherr von Trebra-Lindenau, dem 25 Kilometer nördlich von München Schloss Weilbach in Unterweilbach gehört.

Schloss Amerang bei Wasserburg

Der 37 Jahre alte Agrar- und Forstwirt beheizt das dreistöckige Gebäude aus dem 17. Jahrhundert mit einer Holzhackschnitzelheizung, die aus der eigenen Forstwirtschaft beliefert wird. Insgesamt besitzt die Familie 1100 Hektar Land- und Forstwirtschaftsfläche, deren Erträge aber nicht ausreichen. Die großen Renovierungsarbeiten, die in spätestens zwei Jahren abgeschlossen sein sollen, werden daher anders finanziert: Einen Teil gibt das bayerische Kultusministerium, ein Teil stammt aus Grundstücksverkäufen.

Hierbei gehe es darum, so von Trebra, "geeignete Flächen aufzuwerten und mit Gewinn zu verkaufen". Also Ackerland mit Unterstützung der Gemeinde zu Bauland zu machen. Wenn die Renovierung, für die von Trebra rund drei Millionen Euro veranschlagt, beendet ist, will er sein Haus mit der kleinen Schlosskapelle der Öffentlichkeit für unterschiedliche Veranstaltungen zur Verfügung stellen.

An die ständige Vermietung - zum Beispiel gar jedes Wochenende - denkt der Vater von vier Kindern dabei aber weniger. Das wäre nämlich auch mit einem Verlust der Privatsphäre verbunden.

So wie bei Ortholf Freiherr von Crailsheim, der mit seiner Frau auf Schloss Amerang bei Wasserburg lebt. Das hohe weiße Gebäude mit den dunklen Holzfenstern ist eines der ältesten, noch bewohnten Schlösser Bayerns und liegt rund 90 Kilometer von München entfernt. Am besten erreicht man Amerang über die B12 oder B304 nach Wasserburg am Inn.

Malerisch hinter hohen Bäumen gelegen und nur über eine Brücke zu betreten, finden hier im Sommer hochkarätige Konzerte statt. Der vor kurzem neu gestaltete Park, ein wunderschöner Arkadenhof aus dem 16. Jahrhundert sowie weitere Räume werden zudem regelmäßig für Familienfeiern und Firmenveranstaltungen vermietet.

Wie die Eigentümer von Tüßling und Weilbach profitiert von Crailsheim dabei von der Nähe zu München: "Ohne dieses Umfeld wäre eine derartige Nutzung nicht möglich."

Das Angebot geht dabei von einer "Nacht zu zweit" mit Drei-Gänge-Menü am Abend und Frühstück, die man für 490 Euro im Schloss verbringen kann, bis zur Großveranstaltung mit bis zu 450 Personen.

Der 36 Jahre alte Schlossherr, der bei der Renovierung vom Land Bayern und einem 1200 Mitglieder umfassenden Förderverein unterstützt wurde, vermarktet sein Schloss, in dem sich auch ein kleines Museum befindet, äußerst professionell - und wird dabei mittlerweile von anderen kopiert. Sein Fazit: "Man kann auch in heutigen Zeiten ein Schloss halten. Der Preis für den Erfolg ist aber, dass wir nie allein sind."

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