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Wohnen im Alter:Betreutes Wohnen und Wohngemeinschaft

Die Alten machen es den Jungen nach: In WG's bleiben sie selbstständig und tragen gemeinsam die Alltagslast.

Eine Kombination zwischen selbstbestimmtem Wohnen und ausbaufähiger Betreuung im hohen Alter - das ist der Wunsch vieler rüstiger Senioren. Alternativen zum "Schreckensbild" Altersheim sind seit Jahren schwer im Trend.

Die Spannbreite geht dabei vom günstigen Mietwohnen mit Notruf bis zur exklusiven Residenz mit Golfplatz. Doch längst nicht alle Hochglanzbroschüren halten, was sie versprechen, warnt Wolfgang Schuldzinski, Jurist der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Kosten kakulieren

Interessenten sollten beim Sondieren der Angebote zunächst sorgfältig berechnen, wie viel Geld sie als Rentner zu Verfügung haben. Betreutes Wohnen ist nicht ganz billig. Die Palette reicht von altersgerechten Appartments mit Hausmeisterservice über Seniorenparks mit Kranken- und Pflegestation bis hin zu Wohnungen, die in Alten- oder Pflegeheime integriert sind. Grundsätzlich gilt: Je größer das Rundum-Sorglos-Paket, desto teurer.

Preise zur Orientierung

An Miete müssen inzwischen Quadratmeterpreise zwischen zehn und 48 Mark einkalkuliert werden, wie "Finanztest" herausgefunden hat.

Die Pauschale für den Grundservice mit Hausnotruf, Hausmeister und Freizeitangebot liegt bei etwa 175 Mark pro Person monatlich. Extras wie Essen, Getränkeversorgung, Wäschedienst, Putzdienst oder Pflege kommen noch dazu.

In exklusiveren Wohnstiften kann der Ruhestand noch teurer werden. Zwischen 3.500 und 11.000 Mark müssen dort fürs Residieren monatlich hingeblättert werden, je nach Servicepaket.

Bei vielen Anlagen können sich Senioren auch mit Eigenkapital einkaufen. "Da steigen neuerdings gern Investoren ein, die die Immobilie dann vermarkten wollen", mahnt Schuldzinski zur Vorsicht.

Verträge bis ins Kleingedruckte prüfen

Wichtig wie bei anderen Mietverträgen auch ist jeweils das Kleingedruckte. "Wer nicht genau hinsieht, muss später oft erkennen: Dort kann ich gar nicht wie geplant bis an mein Lebensende bleiben", berichtet Schuldzinski von täglichen Enttäuschungen.

In zahlreichen Verträgen werde die dauerhafte Pflegebedürftigkeit der Bewohner ausgeklammert. Altersverwirrte oder Schwerkranke müssten dann doch noch ins Pflegeheim umziehen.

Betreutes Wohnen bedeute nicht automatisch Vollversorgung bei schwerer Krankheit, gibt der Experte zu bedenken. Es biete auch keine Garantie für Geselligkeit oder weniger Einsamkeit.

Tipp für den Vertrag

Statt sich Illusionen hinzugeben, sollten Interessenten lieber auf folgende Punkte achten: Serviceverträge bevorzugen, die anfangs möglichst klein und preiswert sind, aber bei Bedarf schnell aufgestockt werden können. So viel Selbständigkeit wie möglich, so viel Hilfe wie nötig, sei die Devise.

Alten-WG mit Aufgabenteilung

Für rüstige Alte, die einen betreuten Lebensabend wie im Hotel ablehnen, aber trotzdem gut aufgehoben sein wollen, gibt es weitere Alternativen. Und meist fallen sie viel preisgünstiger aus. Da gibt es beispielsweise die Idee der verbindlichen Nachbarschaft.

Gleichgesinnte mieten oder kaufen sich in Häuser ein, helfen sich gegenseitig, behalten aber nach wie vor ihre eigenen Zimmer oder Wohnungen. Das eingesparte Geld kann notfalls für externe Hilfen oder ambulante Pflege ausgegeben werden.

Wer sich für solche Alten-WGs interessiert, sollte rechtzeitig danach suchen, rät Gerda Helbig, Geschäftsführerin des Hannover "Forums für gemeinschaftliches Wohnen im Alter" (FGWA). Möglich sind auch altersgemischte wie generationsübergreifende Varianten.

Das eigene Heim umbauen

Wer unbedingt in den eigenen vier Wänden bleiben will, kann sie altersgerecht umbauen lassen. Was viele nicht wissen: Dafür gibt es Finanzhilfen vom Staat. Kommunen bieten Beratung an. Die Pflegekasse unterstützt Umbaupläne mit bis zu 5.000 Mark.

Info-Quellen

Informationen zu betreutem Wohnen gibt es bei Kirchen, privaten Anbietern, Sozial- und Wohnungsämtern oder Pflegeberatungsstellen der Kommunen. Details zu Kosten und Leistungen bietet der Ratgeber "Betreutes Wohnen", der für 4,09 Euro bei den Verbraucherzentralen abgeholt werden kann.

(AP/ Berrit Gräber)