Wirtschaft: Absteiger des Jahres 2010 – Tony Hayward

Als der Öldreck nach der Explosion der Bohrplattform "Deepwater Horizon" im Frühjahr an die US-Golfküste spülte, wollte sich Tony Hayward als Krisenmanager in Szene setzen. Der damalige Chef des britischen Ölkonzerns BP flog nach New Orleans und ließ sich in Gummistiefeln ablichten, als er über die verschmutzten Strände spazierte. Doch der gute Wille reichte nicht.

Hayward avancierte zur öffentlichen Hassfigur, auf die sich die geballte Wut der Menschen über die von BP verursachte Ölpest konzentrierte. Seine ungeschickten Äußerungen, aber auch seine arrogante Art, kamen bei den Geschädigten nicht gut an. Ein Foto, das den 53-jährigen Manager dann bei einer Segelregatta vor der britischen Isle of Wight zeigte, kostete ihn das letzte Quäntchen Glaubwürdigkeit. Er wolle sein Leben zurück haben, meinte Hayward. Nach quälenden internen Debatten nahm Hayward schließlich im Sommer seinen Hut. Seit Oktober führt der gebürtige Amerikaner Bob Dudley den Konzern.

Dabei galt der studierte Geologe Hayward, der seit 1982 bei BP tätig ist, lange Zeit als Hoffnungsträger. Mutig zettelte er Ende 2006 eine Revolte gegen den langjährigen Unternehmenschef Lord Browne an. Der "Sonnenkönig", wie Browne auch genannt wurde, führte das Unternehmen nach Gutsherrenart. Als Hayward 2007 an die Spitze des Konzern rückte, kappte er Hierarchien und setzte gezielt auf jüngere Manager-Talente. Zugleich startete er ein ehrgeiziges Sparprogramm, um die Rentabilität des Konzern zu stärken. Damit war er durchaus erfolgreich. Doch er scheiterte bei seiner ersten großen Bewährungsprobe: der Ölpest im Golf von Mexiko. Geblieben ist Hayward bei BP ein Aufsichtsratsposten im russisch-britischen Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP.

Bild: REUTERS 28. Dezember 2010, 11:482010-12-28 11:48:19 © SZ vom 28.12.2010/aum