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Werbung: Basketballer Dirk Nowitzki:Danke, hab' schon

Er könnte in einer Werbe-Liga mit Joachim Löw, Heidi Klum und Franz Beckenbauer spielen. Deutschlands neuer Liebling Dirk Nowitzki wird sich aber viele Werbemillionen entgehen lassen - weil er eben anders tickt als Löw, Klum und Beckenbauer.

Angelika Slavik

Die Frage ist, ob er Lust hat. Ob er Lust hat, jetzt in all diesen Fernseh-Talkshows zu sitzen und über seinen Erfolg zu philosophieren. Ob er Lust hat, der Welt seine Geschichte zu erzählen, eine Geschichte, die nicht nur vom perfekten Freiwurf handelt und von stundenlangem Training, sondern: von seinem Aufstieg, von seinem Vermögen, von seinem Privatleben. Man kann davon ausgehen, dass Dirk Nowitzki darauf überhaupt keine Lust hat.

Dirk Nowitzki

Hat genug Geld verdient: Dirk Nowitzki mit dem Schriftzug seines einzigen Sponsors auf dem Trikot.

(Foto: dpa)

Sven Müller sagt, es gebe eben zwei Arten von Sportlern. Die einen, die nach dem großen Erfolg die Bestätigung auch außerhalb des Spielfelds suchten. Die dann der Welt erzählen wollen, wer sie sind, die in die Talkshows gehen, ein Buch schreiben lassen und für die Fotografen im eigenen Wohnzimmer posieren, mit der Freundin im einen und der Hauskatze im anderen Arm. Und es gebe die, die sich immer nur auf den Sport konzentrieren wollten. "Die fühlen sich von dem ganzen Drumherum abgelenkt", sagt Müller. "Und wenn sie ihre Sache richtig gut machen, dann brauchen sie das Geld meist ohnehin nicht."

Sven Müller ist Geschäftsführer der Agentur People Brand Management, die Prominente als Werbebotschafter vermittelt. Er glaubt, dass Dirk Nowitzki, der am vergangenen Wochenende mit den Dallas Mavericks die US-Basketballmeisterschaft gewonnen hat, das Potential hätte für die allererste Liga der Werbestars in Deutschland. Dort, wo Jogi Löw spielt, Heidi Klum und, natürlich, Franz Beckenbauer. Aber dazu, sagt Müller, müsste Nowitzki jetzt die große Tour machen. "Die Leute wollen jetzt wissen, wofür er steht - außer für Leistung und Erfolg. Die wollen wissen, wie er sich außerhalb des Spielfelds definiert."

Höhere sechsstellige Beträge könnte einer wie Nowitzki als Werbebotschafter für ein Unternehmen verdienen. Pro Jahr, versteht sich. Bis zu drei Produkte gleichzeitig könne ein Prominenter bewerben, lautet die Branchenregel, mehr verwirrt die Konsumenten. Nowitzki hätte also noch Luft, schließlich hat er seit Jahren nur einen einzigen Werbevertrag: mit der Direktbank ING Diba.

"Wir haben da jetzt natürlich eine Menge Glück", sagt eine Unternehmenssprecherin. Seit 2003 ist Nowitzki das Aushängeschild der Bank, sein Vertrag ist an die Bedingung gekoppelt, dass ING Diba Basketball in Deutschland sponsert, bis in niedrige Klassen. Indirekte Nachwuchsförderung vom Superstar, sozusagen.

Dafür hätte die Bank Deutschlands neuen Liebling auch beinahe exklusiv: "Werbeaufnahmen und all diese Dinge mag er gar nicht", sagt die Sprecherin. Entsprechend unwahrscheinlich sei, dass Nowitzki nun vom Joghurt über Rasierklingen bis zum Energy Drink alles bewerben werde, was ihm angeboten werde. Bloß den Werbevertrag mit ING Diba möge er doch bitte verlängern, hofft man bei der Bank. Ursprünglich sollte der Kontrakt im kommenden Jahr auslaufen. Mal gucken, ob er Lust hat.

© SZ vom 15.06.2011/jab
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