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Weltwirtschaft: Exporte:Wenn eine Währung zur Waffe wird

Die USA wettern gegen Chinas Fiskalpolitik und Frankreich gegen Deutschlands Exporte. Doch wer hat recht?

Weltweit werden die Regierungen der wichtigsten Industriestaaten nervös. Die globale Konjunktur entwickelt sich im Jahr vier der Finanzkrise nur langsam. Viele Länder spüren die Folgen der Rekordschulden, die sie für die Rettung von Banken und für Wachstumsspritzen auf sich genommen haben. Und Pleitekandidaten wie Griechenland zeichnen neue Sorgenfalten in die Gesichter der Politiker.

Kein Wunder, dass unter diesem Leidensdruck Streit über die richtige Wirtschaftspolitik ausbricht. Wie sollen sich Europäer, Amerikaner und Asiaten verhalten, um am schnellsten aus der Krise zu kommen? Wie sollen sie verhindern, dass die Welt in einigen Jahren wieder ins Chaos rutscht?

Die Wucht der Probleme erklärt, warum es diese Woche gleich zwei Mal krachte. Erst beklagte die französische Regierung, Deutschland nehme mit seiner Exportstärke den EU-Nachbarn Arbeitsplätze weg. Ein fundamentaler Angriff auf das deutsche Wohlstandsmodell.

Nun droht der US-Kongress China mit Strafzöllen - aus demselben Grund: weil das asiatische Land durch seine Exporte Arbeitsplätze in Amerika gefährde. Was ist richtig, wie muss die Wirtschaftspolitik der Zukunft aussehen? Eine einheitliche Antwort darauf gibt es nicht. Denn während Frankreich mit seiner Kritik an Deutschland falsch liegt, haben die Amerikaner, was China betrifft, recht.

Die Regierung in Peking hält den Wert ihrer Währung künstlich niedrig. Experten schätzen, dass sie um bis zu 40 Prozent teurer sein müsste. Auf diese Weise verkaufen die ohnehin produktiven chinesischen Firmen noch mehr Waren in die Vereinigten Staaten.

Natürlich stellt dieses Währungsdumping nur einen Grund für Chinas Stärke und Amerikas industrielle Schwäche dar. Trotzdem bleibt es ein unfairer Wettbewerb, was Peking korrigieren muss. Mit dem Aufstieg zur ökonomischen Weltmacht wird es für den Riesenstaat Zeit, Verantwortung für den Erdball zu übernehmen.

Dabei geht es auch darum, das nächste globale Chaos zu verhindern. Die riesigen Exportüberschüsse der Asiaten waren eine Ursache der Finanzkrise. China überschwemmte mit seinen Überschüssen die USA, Hunderte Milliarden flossen in riskante Anlagen und nährten die Illusion der Amerikaner, ein solcher Wohlstand auf Pump halte ewig. Einen solchen Kreislauf darf es kein weiteres Mal geben.

Die Chinesen müssen ihren Beitrag leisten, indem sie ihre Währung nach und nach freigeben. Gewiss sollen die amerikanischen Attacken auch von eigenen Fehlern ablenken. Die USA müssen ihre Unternehmen wieder in den Stand versetzen, mehr zu verkaufen. Das mindert aber in keiner Weise die Notwendigkeit, Peking zur Aufgabe seiner unfairen Politik zu bewegen.

Viel größer als im sino-amerikanischen Streit aber ist der Ablenkungsfaktor im EU-Konflikt. Frankreich wirft Deutschland vor, durch maßvolle Löhne und andere Mühen viel zu exportieren. Ja und? Die Bundesrepublik schafft dies durch Leistung, nicht durch Währungsdumping.

Sie ist kein unfairer Rivale von Frankreich oder Griechenland, sondern ein Vorbild. Die Regierung in Paris verkennt, dass die Konkurrenz heute global ist und ein Rückgang deutscher Exporte nicht schwachen südeuropäischen Firmen zugute käme, sondern besseren Unternehmen aus Asien oder Amerika.

Ja, es ist bedenkenswert, den Konsum in Deutschland anzukurbeln. Aber nicht durch überhöhte Löhne oder Staatsausgaben, wie es Spanien oder Griechenland taten.

Die Attacke auf Deutschland lenkt nur ab von den Fehlern jener Staaten, die die niedrigen Zinsen in der Währungsunion als Geschenk missverstanden haben und vergaßen, sich um die Konkurrenzfähigkeit ihrer Wirtschaft zu kümmern. Die Europäer sollten ihren Streit begraben und sich Wichtigerem zuwenden: zum Beispiel Amerika unterstützen und Druck auf China ausüben.