Warum es die Wirtschaft ins freizügige Zug zieht Eine Puppenstube mit Nettovorteil

Von Untermüli 6 drei, vier Kilometer stadteinwärts, zum Grafenauweg 2, seit Anfang Oktober die neue Adresse der Nordstream. Für Bahnfreund Schröder erfreulich nahe am Zuger Bahnhof. Vom Westausgang führt ein Stichweg direkt darauf zu. Gute Lage, freundlicher Bau. Im vierten Stock hat die Nord Stream ganz frisch etwa 100 Quadratmeter Bürofläche bezogen, bald soll es hier 50 Mitarbeiter geben.

Ein Journalist aus Deutschland, hier wegen Schröder? "Gehen Sie ruhig hoch, er ist schon da, ich hab ihn gerade raufgehen sehen", witzeln die Rezeptionistinnen in der Empfangshalle. Nur ein Scherz. Man kann nicht einfach hoch, und die unten wissen nicht viel.

Fünf bis sechs Leute arbeiten bislang im neuen Büro von Nordstream

Fünf bis sechs Leute, so sagen sie, arbeiten inzwischen dort, "aber die sind immer schwer zu erreichen", sagt die Dame beim Anruf in der obersten Etage. Zum Tennisclub Zug ist es etwas weiter als von der vorherigen Adresse aus.

Dafür liegt sie näher am See, und die Zentrale des Finanzdienstleisters AWD ist nur einen Steinwurf entfernt, das heißt, Schröder kann bei seinem früheren Regierungssprecher Bela Anda gelegentlich auf einen Kaffee vorbeischauen, der ist inzwischen Konzernsprecher der AWD. Auch Anda ist in Zug schon gesichtet worden.

Alles für den Fußballfan

Als Fußballfreund wird Schröder an diesem Büro seine Freude haben. Immer wieder mal fährt der Ferrari von Günter Netzer hier vor, der seine Firma Infront im Grafenauweg hat. Boris Becker ist mit seinem Unternehmen gerade ausgezogen, woanders hin im Kanton Zug, aber die Fifa, der Weltfußballverband, ist ja noch da. Insgesamt residiert Gerhard Schröder also unter jenen Leuten, die er seinerzeit des mangelnden Patriotismus zieh.

Den so ziemlich schönsten Job der Welt hat Hans Marti. Man trifft diesen energiereichen und eloquenten Mann in einem Verwaltungsgebäude in der Aabachstraße gleich um die Ecke des Firmensitzes von Nord Stream.

Hilfe beim Einrennen bereits offener Türen

Martis offizielle Berufsbezeichnung ist Wirtschaftsförderer in der "Kontaktstelle Wirtschaft" von Zug, was nichts anderes heißt, als dass er den Leuten, die in Zug ohnehin schon offene Tür einrennen, ein bisschen Tempo dazu gibt. Die Haltestelle der S-Bahn, von der aus man Marti am besten erreicht, heißt Schutzengel.

Die Vorzüge von Zug hat er auf Flipcharts aufgelistet. Die Alpenkette, die man von seinem Bürofenster aus sieht, firmiert bei "Facts & Figures" unter hoher Lebensqualität. Das "Montana" oben auf dem Sattel am Zugerberg als einer der "drei exzellenten, internationalen Schulen", der Flughafen Zürich steht als "zentrale Lage" ganz oben auf dem Tatsachenbogen.

Sichere Verhältnisse

"Tiefe Steuern" ganz unten. Auf der Folie "Zug - politisch stabil" weist Martis Behörde darauf hin, dass seit "vielen Jahrzehnten ca. 80 Prozent bürgerlich-konservative Wähler" für sichere Verhältnisse sorgen.

Was mit "effizienter und freundlicher Verwaltung" gemeint ist, kann Marti schnell erläutern: Sich nämlich als Dienstleister für die Unternehmer zu verstehen, und zwar behördenübergreifend. Es gibt eine offizielle Broschüre, die darüber Auskunft gibt, wo man einen Friseur findet, der Serbokroatisch spricht oder Finnisch.