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Wachtberg:Viele Eigentümer

Arbeiter bauen Gerüst ab

Vor allem in den Sechziger- und Siebzigerjahren sind in vielen Gemeinden neue Wohnsiedlungen entstanden. Die Häuser müssen nun saniert werden.

(Foto: dpa)

Ideen für private Wohnungseigentümer

Quartierskonzepte lassen sich besonders gut dort umsetzen, wo die Immobilien in der Hand eines einzigen Eigentümers sind. Doch auch in Gebieten mit vielen Eigentümern kann das Modell ein sinnvolles Instrument sein, wie das Beispiel der bei Bonn gelegenen Gemeinde Wachtberg zeigt.

Die Kommune hatte Anfang der Siebzigerjahre ein Baugebiet ausgewiesen, in dem binnen weniger Jahre knapp 150 Einfamilien- und Reihenhäuser sowie einige mehrgeschossige Mietshäuser errichtet wurden. Nur sehr wenige Eigentümer haben ihre Immobilie im Laufe der Zeit energetisch saniert. Die Gemeinde Wachtberg hat deshalb ein Quartierskonzept in Auftrag gegeben, das vor allem auf die Vermittlung von Informationen setzt. Wichtigste Maßnahme war die Einrichtung einer lokalen Anlauf- und Beratungsstelle für die Quartiersbewohner.

"Für private Eigentümer ist eine energetische Sanierung oft eine Herausforderung, weil sie damit in der Regel keine Erfahrung haben. Umso wichtiger ist es, sie vor Ort in allen Fragen umfassend mit Informationen und Beratung zu unterstützen", sagt Katharina Chatterjee vom Bonner Architekturbüro NC Architekten, die für die Gemeinde die Rolle der Sanierungsmanagerin übernahm. So hat Chatterjee zusammen mit ihren Bürokolleginnen unter anderem Vorträge von Sanierungsexperten organisiert, Beratungssprechstunden abgehalten, Ortsbegehungen durchgeführt und Kontakte zwischen Eigentümern und Handwerkern hergestellt. Ebenso haben sie Informationsmaterialien etwa zum Heizungs- und Fenstertausch, zu Wärmedämmung und Dachsanierung, zum Heizen mit erneuerbaren Energien sowie zu Förderangeboten erstellt, die auf den Bedarf der Eigentümer im Quartier zugeschnitten waren.

Jedoch nicht alle Ideen aus diesem Konzept ließen sich umsetzen: Der geplante Sammeleinkauf von Handwerkerleistungen zum Beispiel kam nicht zustande, weil das Auftragsvolumen zu gering war.

Etwa zwanzig Prozent der Eigentümer haben laut Chatterjee im Laufe des 2019 abgeschlossenen, zweijährigen Projektes Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Christoph Kronberg von der Gemeindeverwaltung Wachtberg erwartet aber, dass die Quote in nächster Zeit noch steigen wird. "Derzeit findet in dem Quartier ein Generationenwechsel statt, junge Familien ziehen dort ein", erklärt er. Die neuen Eigentümer legten vielfach Wert auf einen höheren energetischen Standard. "Das Quartierskonzept hat einen Prozess angestoßen, der längst noch nicht beendet ist", sagt Kronberg.

© SZ vom 10.10.2020

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