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Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs:Staatsanwälte ermitteln gegen Maschmeyer

Ärger für AWD: Ehemalige und derzeitige Manager des Finanzdienstleisters stehen wegen Verdachts auf schweren Betrug auf der Liste der Staatsanwaltschaft Wien - Carsten Maschmeyer ganz oben. AWD weist die Vorwürfe zurück.

Bernhard Odehnal

20 ehemalige und derzeitige Manager des Finanzdienstleisters AWD stehen auf einer Liste der Wiener Staatsanwaltschaft. Gegen sie wird wegen des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betrugs ermittelt. AWD gehört heute der Schweizer Versicherung Swiss Life. AWD-Gründer Carsten Maschmeyer ist Hauptaktionär und Mitglied des Verwaltungsrats von Swiss Life.

AWD founder Maschmeyer attends Switzerland's biggest life insurer Swiss Life results press conference in Zurich

Wiener Ermittler haben Carsten Maschmeyer im Visier, den Gründer des Finanzdienstleisters AWD.

(Foto: REUTERS)

Sein Name steht auf der Verdächtigenliste ganz oben. Ihm und seinen Direktoren wird zur Last gelegt, dass sie Kunden absichtlich und systematisch falsch beraten haben, indem sie zum Kauf oder zum Halten von riskanten Immobilien rieten. Tausende AWD-Kunden in Österreich erlitten dadurch massive Verluste. Gleichzeitig sollen Maschmeyer und seine Firma von den Immobilienunternehmen hohe Provisionen kassiert haben.

Erstattet wurde die Anzeige bereits im April vom österreichischen Verein für Konsumenteninformation (VKI), allerdings wurde sie erst jetzt bekannt. Der VKI führt im Namen von 2500 Geschädigten auch Zivilklagen gegen den AWD. Dabei geht es um einen Streitwert von rund 50 Millionen Franken.

AWD-Sprecher Bela Anda sagte dem Tagesanzeiger, dass die Staatsanwaltschaft bis jetzt weder mit AWD-Österreich noch mit der Holding in Deutschland Kontakt aufgenommen habe: "Wir kennen die Strafanzeige gar nicht." Die Vorwürfe weist AWD "in aller Schärfe" zurück und droht nun seinerseits dem VKI mit rechtlichen Schritten "gegen diese Unternehmensschädigende Kampagne".

Das Heer der AWD-Berater arbeitet auf Provisionsbasis, für jedes verkaufte Produkt bekommen sie gewisse "Einheiten", auf deren Basis ihr Einkommen errechnet und Aufstiegsmöglichkeiten geboten werden.

In Österreich sollen die Berater von ihren Chefs besonders zum Verkauf von Aktien der Firmen Immofinanz und Immoeast motiviert worden sein. Diese Aktien wurden als "risikolos" und "mündelsicher" beworben. In der Anzeige nennt der VKI zahlreiche Zeugen, die diese Praktik bestätigen. Mit Beginn der Wirtschaftskrise 2007 gingen die Aktien der beiden Immobilienfirmen in den Sinkflug und rasselten schließlich durch einen Skandal bei der beteiligten Constantia-Privatbank in den Keller. Dennoch sollen AWD-Berater noch lange zum Halten oder sogar zum Zukauf der riskanten Wertpapiere geraten haben.

© SZ vom 01.12.2011/bürk
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