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Vor- und Nachteile für Anleger:Der richtige Zeitpunkt

Um herauszufinden, wann ein guter Zeitpunkt für einen Verkauf ist, reicht es außerdem nicht, sich nur den Goldpreis anzusehen (mehr dazu, wie der Goldpreis entsteht, lesen Sie in diesem Ratgeber-Text). Anleger müssen zusätzlich das sogenannte Währungsrisiko einkalkulieren. Gold wird an den internationalen Börsen in US-Dollar gehandelt. Wer also eine Unze Gold kauft, muss diese in Dollar bezahlen. Wenn eine Unze zum Beispiel 1300 US-Dollar kostet, muss der Anleger bei einem Wechselkurs von 1,3 Dollar je Euro für die Unze 1000 Euro bezahlen.

Rechenbeispiel:

1 Unze Gold = 1300 US-Dollar

1 Euro = 1,3 Dollar

1000 Euro = 1300 US-Dollar

Falls er die Unze später wieder verkauft, dann auch in US-Dollar. Nehmen wir, an der Goldpreis ist gleichgeblieben: Der Investor verkauft seine Unze für 1300 US-Dollar, doch nun muss er das Geld erneut in Euro umtauschen. Der Wechselkurs hat sich seit dem Kauf geändert, er steht nun bei 1,6 Dollar je Euro, die amerikanische hat gegenüber der europäischen Währung abgewertet.

Rechenbeispiel:

1 Unze Gold = 1300 US-Dollar

1 Euro = 1,6 Dollar

812,50 Euro = 1300 US-Dollar

Jetzt bekommt der ehemalige Goldbesitzer plötzlich nur noch 812,50 Euro für seine Unze, obwohl er einmal 1000 Euro dafür bezahlt hatte. Bei gleichem Goldpreis musste er damit einen Verlust von 187,50 Euro hinnehmen.

Natürlich sind durch Wechselkursveränderungen auch Gewinne möglich. Vom Kauf kleiner Mengen Gold dagegen ist fast immer abzuraten. Hier ist die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis am größten: "Deswegen ist es günstiger, direkt eine Unze zu kaufen als zweimal eine halbe", sagt Vermögensverwalter Hubert Thaler. Wer allerdings schnell liquide sein will oder muss, kann auch eine kleinere Stückelung nehmen (mehr zum Kauf von physischem Gold lesen Sie hier).

Nur bekannte Namen

Bei Goldmünzen sollte man sich auf die bekannten Namen wie Krügerrand oder Britannia beschränken und besser keine seltenen Sammlermünzen erstehen. Da Händler bei solchen Münzen den Wert nicht abschätzen können, zahlt man im Zweifelsfall für eine professionelle Prüfung drauf oder bekommt wegen eines Risikoabschlags direkt einen geringeren Preis angeboten.

Trotz allem sollten Anleger beim vermeintlich sicheren Hafen Gold nicht die Hafenverwaltung vergessen. Während der Weltwirtschaftskrise wurde 1933 in den USA privaten Anlegern der Goldbesitz weitgehend verboten. Eigentümer mussten es zu einem extrem niedrig angesetzten Preis an den Staat abliefern. Nur Schmuck und Münzsammlungen blieben erlaubt. Erst 1973 wurde das Verbot aufgehoben. Ähnliche staatliche Eingriffen können sich Experten bei Krisen auch in der Zukunft vorstellen.

"Wer überhaupt in Gold investieren will, sollte aber nicht mehr als fünf bis zehn Prozent seines Vermögens auf diese Weise anlegen", rät Christian Urban von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Alles auf eine Anlage zu setzen, ist schließlich nie empfehlenswert - auch wenn das Gold noch so schön glänzt.

© SZ.de/dd/mri/edi

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