Versicherungsdatenbank Auf der schwarzen Liste

So können Sachbearbeiter eines Versicherungsunternehmens, die einen auffälligen Schaden entdecken, die Daten an HIS melden. Dort werden die Angaben phonetisch verschlüsselt - so wird beispielsweise der Name nicht nach exakter Schreibweise, sondern nur nach Klang gespeichert -, mit einem Zahlencode versehen und an alle angeschlossenen Versicherer weitergegeben.

Unangenehm kann es für den betreffenden Kunden werden, wenn er auch bei anderen Versicherern auffällt. Dann können sich die Sachbearbeiter untereinander kurzschließen und den Kunden über echte persönliche Daten identifizieren.

Auch Gesundheitsdaten werden gespeichert

Laut Wolfgang Scholl, Versicherungsexperte des VZBV, wäre dieses Vorgehen nicht zu beanstanden, wenn es sich ausschließlich um eine Wagnisdatei zur Kriminalitätsbekämpfung handeln würde.

Doch die Versicherer speichern dort nicht nur auffällige Schadensfälle, sondern beispielsweise auch Angaben zum persönlichen Gesundheitszustand, wenn es um Lebens-, Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherungen geht.

Dies kann dazu führen, kritisieren Verbraucherschützer, dass beispielsweise ein Antragsteller mit Vorerkrankungen, der eine Berufsunfähigkeitspolice beantragt und abgelehnt wird, auch woanders keinen Vertrag mehr bekommt oder eine erhöhte Prämie bezahlen muss.

Unangenehm für Kunden ist auch, dass die Daten erst nach fünf Jahren wieder aus dem Zentralrechner gelöscht werden, Angaben im Zusammenhang mit Berufsunfähigkeitsversicherungen sogar erst nach zehn Jahren. Zudem kann der Kunde erst dann erfahren, welche Daten über ihn hinterlegt sind, wenn er eine Vertragsablehnung oder gar eine Kündigung erhält.

Und: Weil der Computer nicht mit konkreten Angaben arbeitet, sondern ausschließlich verschlüsselte Daten weitergibt, sind Eigenauskünfte wie bei der Schufa bei HIS nicht möglich.

Abmahnungen drohen

Wie ein GDV-Sprecher erklärt, ist der Verband verhandlungsbereit. "Das gesamte System sollte auch aus unserer Sicht überarbeitet werden." Der VZBV indes rechnet im Detail nicht mit allzu großem Entgegenkommen.

"Wenn Briefe und Gespräche nicht fruchten, müssen wir handeln", warnt Manfred Westphal, Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen im VZBV. Dies könnte schon in den kommenden Wochen zu Abmahnungen einzelner Versicherer führen.

Die Stiftung Warentest empfiehlt Betroffenen, die sich von einem Versicherungsunternehmen schlecht behandelt fühlen, unbedingt eine schriftliche Auskunft der über sie hinterlegten Daten einzufordern. Versicherer seien laut Bundesdatenschutzgesetz zur Auskunft verpflichtet, so die Stiftung.