bedeckt München

Versicherungen:Wenn die Hütte brennt

Brände, Stürme, Wasserschaden: Eine Wohngebäudeversicherung ist für Immobilieneigentümer unverzichtbar. Die teuerste Police ist aber nicht unbedingt die beste.

Von Patrick Hagen

Ein brennendes Haus ist der Albtraum aller Immobilieneigentümer. Feuer kann selbst dann große Schäden anrichten, wenn ein Gebäude nicht komplett abbrennt, weiß der Passauer Versicherungsmakler Christopher Schätzl aus Erfahrung. So war es auch 2017 bei einem seiner Kunden: Ein Kurzschluss an einer Autobatterie verursachte ein Feuer, der Brand griff von der Garage auf das Wohnhaus über. Die Feuerwehr war zwar schnell da, und am Gebäude selbst war fast kein direkter Schaden entstanden - die Rechnung war trotzdem stattlich: Zwei Stockwerke mussten von Ruß befreit und neu gestrichen werden, die Bewohner siedelten in dieser Zeit in eine Ferienwohnung um. Dazu musste der Schaden durch das Löschwasser trocknen. Für den Wohngebäudeversicherer schlug der Fall mit 43 000 Euro zu Buche. Daneben war noch ein Schaden von knapp 38 000 Euro für die Hausratversicherung entstanden, berichtet Schätzl.

Brände, Stürme und leckende Wasserleitungen sorgen immer wieder für große Schäden an Häusern. Eine Wohngebäudeversicherung ist daher für Immobilienbesitzer unverzichtbar. "Eigentümer haben hier keine Alternative", sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Policen springen ein, wenn es Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel gibt.

In den vergangenen Jahren sorgte dieses Sicherheitsnetz für Eigentümer allerdings regelmäßig für negative Schlagzeilen. Zahlreiche Anbieter trennten sich reihenweise von ihren Kunden, um ihre unprofitablen Bestände zu sanieren. Die Lage hat sich nach Beobachtung von Verbraucherschützer Grieble zwar etwas beruhigt, aber Hausbesitzer müssen nach wie vor damit rechnen, dass ihnen der Vertrag gekündigt wird, wenn sie zu viele Schäden melden.

Der Versicherungswert soll so hoch sein, dass die Kosten eines Neubaus gedeckt sind

Das gilt besonders bei Leitungswasserschäden. Häufen sich die Lecke an den Rohren, geht der Versicherer davon aus, dass das Leitungssystem marode ist und weitere Schäden nur eine Frage der Zeit sind. "Wenn zweimal innerhalb eines Jahres ein Wasserschaden gemeldet wird, ist der dritte nicht weit weg", sagt Martin Creutz, Bereichsleiter Wohnen bei der Provinzial Rheinland in Düsseldorf. Nach einem Schaden haben sowohl der Versicherer als auch der Versicherte ein außerordentliches Kündigungsrecht. Für die Versicherer sind diese Schäden eine teure Angelegenheit. Zwar sorgen Brände und auch Stürme für deutlich teurere Einzelschäden, in der Summe zahlen die Versicherer aber am meisten für die Folgen von ausgetretenem Leitungswasser.

2,137 Millionen

So viele Schadenfälle registrierten die Wohngebäudeversicherer 2019. Sie zahlten dabei für die abgesicherten Risiken Feuer, Leitungswasser, Blitz, Hagel und Sturm. Der größte Teil, 1,07 Millionen Fälle, war auf Schäden durch Leitungswasser zurückzuführen, gefolgt von Sturm- und Hagelschäden (770.000), Feuerschäden (180.000) und Elementarschäden (50.000), berichtet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Die 108 im Verband organisierten Unternehmen kostete das im vergangenen Jahr mehr als 5,8 Milliarden Euro. SZ

Versicherte sollten es nach Möglichkeit vermeiden, dass der Versicherer ihren Vertrag beendet. Denn wer mit einer Kündigung im Gepäck einen neuen Anbieter suchen muss, habe es deutlich schwerer, betont Makler Schätzl, der solche Fälle kennt. Die Versicherer fragen bei einem Vertragswechsel danach, wer den Vertrag beendet hat und wollen eine Auflistung der Vorschäden.

Wer Glück hat, bekommt von seinem Versicherer rechtzeitig einen Hinweis, dass der Vertrag gefährdet ist. Manchmal ist dieser bereit, die Police gegen eine höhere Prämie oder einen Selbstbehalt fortzuführen. Unter Umständen will der Anbieter ein bestimmtes Risiko - wie Leitungswasser - ganz ausschließen oder verlangt, dass die Rohre saniert werden oder ein anfälliges Dach grundüberholt wird. "Es gibt hier eine ganze Reihe von Möglichkeiten", sagt Creutz von der Provinzial Rheinland. "Wir versuchen alles, um den Vertrag zu behalten."

Makler Schätzl hat solche Fälle ebenfalls erlebt. Ein Beispiel: In einem Gebäude kam es innerhalb von zwei Jahren zu drei Rohrbrüchen, die den Versicherer jeweils etwa 4000 Euro kosteten. Die Gesellschaft kam auf den Makler zu, und zusammen mit dem Kunden wurde eine Rettung des Vertrags vereinbart: Der Hauseigentümer zahlt nun eine 30 Prozent höhere Prämie und bei jedem künftigen Leitungswasserschaden eine Selbstbeteiligung von 1000 Euro.

Will der Versicherer den Vertrag auf keinen Fall fortführen, bleibt manchmal die Möglichkeit einer sogenannten Kündigungsumkehr. Dabei kündigt dann nicht der Versicherer, sondern der Kunde den Vertrag. "Manche Versicherer lassen sich darauf ein", berichtet Schätzl. Kommt es tatsächlich zu der Kündigung durch den Anbieter, müsse auch das keine Katastrophe sein, sagt Verbraucherschützer Grieble. "In der Regel findet man einen neuen Versicherer." Auch Makler Schätzl sieht das so. "Wir haben es bislang noch immer geschafft, einen neuen Vertrag zu bekommen." Dafür müssen die Kunden dann häufig einen Selbstbehalt bei bestimmten Schäden akzeptieren oder deutlich mehr Prämie zahlen.

Brand Mehrfamilienhaus Dresden

Oft genügt ein kleines Missgeschick: Dachstuhlbrand in einem Mehrfamilienhaus.

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Wer auf der Suche nach einer neuen Police ist, steht vor einer schwierigen Wahl. "Die Unterschiede zwischen den Anbietern und den einzelnen Bedingungswerken sind massiv", sagt Schätzl. Der Preis allein sollte auf keinen Fall ausschlaggebend sein. Das Risiko ist hoch, dass die günstigsten Verträge nicht die beste Leistung bieten. Umgekehrt muss die teuerste Police nicht die Beste sein. Eine gute Wohngebäudedeckung sollte laut Schätzl auf jeden Fall den "Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit" enthalten. Das heißt, dass der Versicherer im Schadenfall nicht die Leistung kürzen darf, weil der Kunde grob fahrlässig gehandelt hat. "Dafür reicht es schon, die Kerzen am Weihnachtsbaum brennen zu lassen, ohne einen Feuerlöscher in der Nähe zu haben, oder die Spülmaschine nachts laufen zu lassen", sagt Schätzl. Mittlerweile verzichten einige Anbieter in den Verträgen darauf, aber bei Weitem noch nicht alle, warnt er.

Einer der wichtigsten Punkte beim Abschluss des Vertrages ist die Festlegung eines angemessenen Wertes für die versicherte Immobilie. Sonst droht eine Unterversicherung. Im Schadenfall wird der Versicherer dann auch bei kleineren Schäden die Leistung anteilig kürzen. Was viele Hausbesitzer verwirrt: Der versicherte Wert des Hauses muss nicht dem Marktwert entsprechen. Stattdessen soll er den Neubau eines gleichwertigen Hauses decken. Der im Vertrag festgelegte Wert sollte regelmäßig überprüft werden. Bekommt das Gebäude etwa eine Fotovoltaikanlage oder aufwendige Anbauten, gerät man im Schadenfall sonst schnell in die Unterversicherung. "Den Wert sollte man gemeinsam mit dem Versicherer ermitteln", sagt Provinzial-Experte Creutz.

Immobilieneigentümer sollten auch darauf achten, dass Ruß- und Rauchschäden mitversichert sind, betonen Verbraucherschützer. Sie können, wie der Fall in Süddeutschland zeigt, sehr schwere Schäden verursachen, die durchaus höher sein können als der reine Brandschaden. Ohne diese Zusatzdeckung erstattet der Versicherer dann nur den Schaden, der unmittelbar durch das Feuer entstanden ist.

Nicht eingeschlossen in der Gebäudeversicherung sind Schäden durch Starkregen, Überschwemmung und Hochwasser, Erdbeben oder Schneelasten auf Dächern. Dafür gibt es die sogenannte Elementarschadenversicherung, die separat abgeschlossen werden muss. Verbraucherschützer Grieble empfiehlt jedem Hausbesitzer diese Deckung. Ein Risiko, das nahezu in allen Regionen gleich auftritt, ist Starkregen, der seit einigen Jahren immer häufiger vorkommt und für vollgelaufene Keller sorgt. "Es kann fast jeden treffen, hierfür sind Vorhersagen kaum möglich", sagt Creutz von der Provinzial. Je nach Wohnregion ist auch das Erdbebenrisiko nicht zu vernachlässigen. Das Gleiche gilt für Hochwasser. Wer in der Nähe eines Flusses wohnt, der regelmäßig über die Ufer tritt, wird je nach Lage allerdings keinen Vertrag bekommen oder muss sehr hohe Prämien zahlen.

© SZ vom 26.09.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema