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Versicherungen:Hausbesitzer können aufatmen

Nah am Wasser gebaut: Wer am Fluss wohnt, bekommt vielleicht keine Police, weil den Versicherern das Risiko zu hoch ist.

(Foto: CHRISTOF STACHE/AFP)

Im kommenden Jahr dürften die Prämien für die Versicherung von Wohngebäuden gleich bleiben. Allerdings wohl nur, wenn große Schäden ausbleiben.

Hausbesitzer in Bayern und der Pfalz müssen im kommenden Jahr wohl nicht mit einer Erhöhung der Prämien für die Versicherung ihrer Wohngebäude rechnen, nachdem sie für 2017 im Schnitt sechs Prozent mehr zahlen müssen als für 2016.

Der mit Abstand größte Anbieter in der Region, die Versicherungskammer Bayern (VKB), erwartet, dass die Prämien bei ihm 2018 stabil bleiben werden. Allerdings hält sich Vorstand Barbara Schick ein Hintertürchen offen: Wenn es sehr hohe Schäden im laufenden Jahr gibt, könnten die Preise nach oben gehen.

Die VKB aus München gehört zu 100 Prozent den Sparkassen, ihre Hauptgeschäftsfelder sind Bayern und die Pfalz. Der Konzern ist aber auch im Saarland sowie in Berlin und Brandenburg aktiv. In Bayern hat die VKB in der Wohngebäudeversicherung mit etwa 800 000 Verträgen einen Marktanteil von 80 Prozent.

Mit Wohngebäuden haben die Versicherer viele Jahre Verluste eingefahren. Stürme, Überschwemmungen und Wasserschäden durch undichte Leitungen sorgen für hohe Belastungen. Erst 2016 hat die Branche als Ganzes in diesem Segment erstmals seit 15 Jahren wieder mehr an Prämien eingenommen als Kosten durch Schäden verursacht wurden. Zugleich erhöhten die Versicherer die Preise - so etwa die VKB um sechs Prozent.

Nach Ansicht von Konzernchef Frank Walthes könnten und sollten sich mehr Kunden gegen Schäden wie Überschwemmungen, Hagel oder Sturm absichern. "Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der Entscheidung, dass die Bayerische Staatsregierung vom 1. Juli 2019 an bei Elementarereignissen keine staatlichen Soforthilfen mehr zur Verfügung stellen wird, wenn Immobilien gegen Elementarschäden versicherbar gewesen wären", sagte er.

Das entscheidende Argument gegen die Versicherung von Elementarschäden ist häufig, dass Besitzer von Häusern in Flussnähe keine Police erhalten, weil den Versicherern das Risiko zu groß ist. Die VKB könne aber 99,8 Prozent der Gebäude in Bayern versichern, sagte Walthes. Für die übrigen 0,2 Prozent finde man "fast immer" einvernehmliche Lösungen. Um sich für die Zukunft fit zu machen und weitere Marktanteile zu gewinnen, baut die VKB auf die Digitalisierung. In der Krankenversicherung setzt der Konzern schon seit längerem eine App ein, über die Versicherte im vergangenen Jahr 400 000 Belege wie Arztrechnungen eingereicht haben. Das sind zehn Prozent aller Leistungsanträge in der Krankenversicherung, sagte Vorstand Stephan Spieleder. Jetzt will das Unternehmen Gesundheitsleistungen in die App integrieren. Dazu gehören die Erinnerung an Impfungen, Arztbewertungen und die Facharztsuche.

In der Kfz-Versicherung können Kunden über die App ein Foto des Fahrzeugscheins senden und erhalten innerhalb weniger Minuten ein Versicherungsangebot. Auch die Schadenregulierung via Foto-App ist jetzt möglich. Nach Angaben von Spieleder kann der Versicherte das beschädigte Auto und den Fahrzeugschein fotografieren und erhält an Werktagen innerhalb von zwei Stunden eine Information über den Auszahlungsbetrag.