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Verschleiß von Produkten:Stichfeste Beweise fehlen

Doch wie bewusst wird der Murks tatsächlich eingesetzt? Die Stiftung Warentest hat zwar bei ihren Untersuchungen schon viele mangelhafte Geräte aufgespürt und solche, die bei Langzeittests kläglich versagten. Einen hieb- und stichfesten Beweis dafür, dass ein bestimmtes Bauteil einzig und allein deshalb verwendet wurde, weil es die Lebensdauer des gesamten Geräts verkürzt, haben die Tester aber noch nicht gefunden. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion.

Zumindest aber, diesen Eindruck kann man als Konsument durchaus haben, wird billigend in Kauf genommen, dass ein defektes kleines Plastikzahnrad einen ganzen Küchenmixer unbrauchbar macht. Oder - eine besonders skurrile Praxis - dass ein sogenannter Tröpfchenzähler im Tintenstrahldrucker diesen plötzlich blockiert. Weil es nämlich sein könnte, dass der Schwamm, der die Resttinte auffangen soll, sich vollgesogen hat. Wobei übrigens besonders ärgerlich ist, dass die sündhaft teure Tinte in den Geräten gerne großzügig dabei verbraucht wird, die Düsen durchzuspülen. Nun will zwar niemand, dass ihm die Soße aus dem Drucker auf den Teppich läuft, aber man könnte beispielsweise die Schwämmchen austauschbar machen - so wie das bei hochwertigen Druckern auch der Fall ist.

Bei Akkubohrern unter 50 Euro steigt das Minderwertigkeitsrisiko

Auf den Unterschied zwischen Billigware und hochwertigen Geräten hebt auch die Stiftung Warentest ab. "Der Spruch ,Qualität hat ihren Preis' hat einen wahren Kern", so Jürgen Nadler, wissenschaftlicher Leiter des Multimedia-Teams. Für viele Geräte gibt es nach den Erfahrungen der Warentester Preisgrenzen, unterhalb derer man mit schlechter Qualität rechnen muss. Bei Akkubohrern etwa, die weniger als 50 Euro kosten, steige das Risiko, ein minderwertiges Gerät zu erhalten.

Smartphones wie Apples iPhone sind zwar nicht billig. Doch jedes Jahr bringen die Konzerne neue Modelle heraus. Und auch wenn die objektiv gesehen nicht besonders viel mehr können als ihre Vorgänger, so wächst doch - geschickt unterstützt von der Werbung - der psychologische Druck. Da ist es dann höchstens für den Käufer der gebrauchten Geräte interessant, wie es mit dem Akku und überhaupt der Reparierbarkeit steht.

© SZ vom 31.10.2014/fie
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