Richtig feilschen:Beziehung, Reisen, Autos

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Beziehung: Lieben und Teilen

Liebe ist nicht politisch korrekt. Ihre Anbahnung auch nicht. So zahlt bei der ersten Verabredung zwar meist der Mann. Das heißt nicht, dass sein finanzieller Aufwand deshalb größer wäre als für die Verehrte. Die rennt vorab mitunter, je nach Temperament, zum Friseur, zum Waxing, zur Maniküre und in Boutiquen. Dort lässt sie viele, viele Scheine liegen. Damit die Rechnung ausgeglichen ist, muss das erste Date also mindestens ins Steakhouse führen - aber ihr Gegenüber ist sich dessen natürlich gar nicht bewusst. Es wird geschwiegen. Von Verabredung zwei bis 25 wird die Sache nicht einfacher: Zahlt immer er? Zahlt er im Restaurant und sie in der Eisdiele? Oder wird penibel getrennt, wer wie viel auf den Tisch legen muss? Romantisch ist das nicht - und in vielen südlichen oder osteuropäischen Ländern gäbe es da auch nichts zu besprechen: Getrennte Rechnungen wären schlicht undenkbar.

In Deutschland aber wird oft geteilt - und das muss dann auch angesprochen werden, egal ob die Teilerei beim Kinoabend beginnen soll oder erst bei der gemeinsamen Wohnung. Ein Patentrezept dafür gebe es nicht, sagen Experten - aber es sei in jedem Fall wichtig, die eigene finanzielle Situation, Erwartungen und Pläne zu besprechen. Also raus damit! Und zwar nicht erst, wenn im Urlaubshotel die Rechnung fällig ist. Dabei hilft Fairness. Die Kosten einer Fernbeziehung kann man teilen, egal wer reist. Großzügigkeit aber hilft auch - denn wer jeden Cent abrechnen will, ist vielleicht am Ende auch einfach: wahnsinnig unsexy.

von Angelika Slavik

Preise für Reisende

Vor einem stand gerade ein Einheimischer, der zahlte die Hälfte von dem, was man jetzt selber zahlen soll. Ach was, die Hälfte: Ein Fünftel hat er gezahlt. So erlebt in Marokko am Stand mit den leckeren Fleischspießen, die angesichts des offensichtlichen Touristen-Nepps plötzlich weniger lecker aussahen. So millionenfach erlebt von anderen auf Märkten in Afrika, Asien, Südamerika. Ach was, ein Fünftel: Einheimische zahlen ein Zehntel. Was tun? Wie Rumpelstilzchen aufstampfen und gehen, ein Deutscher lässt sich nicht hereinlegen? Hm. Demütig lächeln und bezahlen, denen geht es doch viel schlechter? Auch hm. Anstand verbietet das eine, Stolz das andere.

Erklärungen helfen nicht, weil der gemeinsame Sprachschatz oft aus "Hello, very cheap, where you from, Germany good Schweinsteiger" besteht. Bleibt nur, nett zu lächeln, aber nicht zu nett. Und halbwegs freundlich ein Drittel des Geforderten zu bieten, um am Ende die Hälfte zu bezahlen. Immer noch mehr als der Einheimische, aber eben nicht peinlich viel mehr. Wer entschlossen ist, sich so aus der Affäre zu ziehen, sollte sich vorher nur grob überlegen, um welche Summe er da feilscht. Sonst geht es ihm wie einem gewissen Marokko-Besucher, der seine Mitreisenden nötigte, empört das Hotel zu verlassen, weil der Besitzer irgendwann auf einem Preis beharrte. Als die Gruppe draußen stand, fragte einer: "Wie viel ist das eigentlich?" Zehn Euro pro Zimmer, ergab die Rechnung. Man schlich also wieder hinein und erklärte dem verwirrten Besitzer, der Preis gehe jetzt doch voll in Ordnung.

von Alexander Hagelüken

Autokauf: Bremsversuche

Makellos glänzt der Lack, dumpf fällt die Tür zu. Und das Innere, dieser Geruch - nicht zu beschreiben. Wie ein neues Auto eben. Ja, das Klischee stimmt: Vor allem Männer kommen beim Autohändler ihres Vertrauens schnell ins Schwärmen. Neben dem Liebhaber weckt so ein fahrbarer Untersatz aber auch den Schnäppchenjäger. Kaum irgendwo wird so ungeniert und hart gefeilscht wie beim Autohändler, egal ob es um einen Neuwagen oder einen Gebrauchten geht. Denn der Preis des Verkäufers ist nie endgültig, es immer noch was drin: Die Hersteller kämpfen verbissen um jedes verkaufte Auto, da schaffen geschickte Verhandler durchaus bis zu 15 Prozent Nachlass - und bei Gebrauchtwagen ist ohnehin alles möglich.

Welche Strategie den größten Erfolg bringt, ist umstritten: Einige schwören darauf, den harten Hund zu gegen und den Händler unter Druck zu setzen - "17 000 und keinen Cent mehr!" Andere geben sich lieber erst einmal ahnungslos um den Verkäufer dann zu überrumpeln. Und die nächsten suchen jedes Haar in der Suppe - "Ist das nicht ein Kratzer?" Recht wirkungsvoll ist bei gewerblichen Händlern, bar und auf einen Schlag zu bezahlen. Angesichts niedriger Kreditzinsen kann es daher günstiger sein, sich einen Kredit direkt von Bank zu holen, statt den Wagen im Autohaus zu finanzieren. Außerdem sehen es Händler gern, wenn sie ein Auto verkaufen, aber keines in Zahlung nehmen zu müssen. Es kann sich also rentieren, das alte Eisen selbst loszuschlagen. Das heißt aber auch, dass man zweimal verhandeln muss - nur dann andersherum.

von Stephan Radomsky

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