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Verbriefungen:Achtung, giftig!

Teufelszeug oder sinnvolles Instrument für eine Volkswirtschaft? Toxische Immobilien-Papiere lösten die Finanzkrise aus, jetzt verkauft die Commerzbank erstmals seit zwei Jahren wieder Kredite. Warum nur?

Das Wort "Verbriefung" verbreitet immer noch Schrecken. Viele haben noch gut in Erinnerung, dass es Verbriefungen minderwertiger amerikanischer Immobilienkredite waren, die die Finanzkrise auslösten. Dabei bündelten Banken massenhaft Kredite zu Paketen und verkauften sie an Investoren.

Fliegenpilze

Achtung, giftig: Toxische Immobilien-Papiere lösten die Finanzkrise aus.

(Foto: dpa/dpaweb)

Das Problem war, dass die Risiken verschleiert wurden. Als der Immobilienmarkt in den USA einbrach, kam es bei den Investoren, unter ihnen viele deutsche Banken, zu Milliardenverlusten.

Diese Erinnerung schwingt mit, wenn das Wort "Verbriefung" nun in Deutschland wieder auftaucht. Die Commerzbank teilte in der vergangenen Woche mit, dass sie erstmals seit zwei Jahren ein größeres Paket von Firmenkrediten verbrieft habe.

"Es handelt sich um mehr als 1000 Einzelkredite", sagt Katrin Stark, die bei der Bank für Verbriefungen zuständig ist. Sie seien in ein Wertpapier gebündelt worden, das für eine Milliarde Euro vor allem an institutionelle Investoren in Europa verkauft wurde, also an Versicherungen oder Vermögensverwalter. Experten sehen Verbriefungen nicht grundsätzlich als Teufelszeug, sondern als sinnvolles Instrument für eine Volkswirtschaft - sofern die Banken sorgfältig damit umgehen.

"Verbriefungen sind sinnvoll, wenn man die damit verbundenen Anreizprobleme in den Griff bekommt", sagt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim. "Eine Bank, die weiß, dass sie ihre Kredite verkaufen wird, vergibt möglicherweise schlechtere Kredite als eine Bank, die sie behält, und sie kümmert sich möglicherweise auch nicht richtig darum, wenn es Probleme gibt."

Um diese falschen Anreize auszuschalten, ist es nach Ansicht des Professors zunächst wichtig, dass die rangniedrigste Tranche beim Originator bleibt, also bei der Bank. Sie habe damit ein Interesse, auf die Qualität der Kredite zu achten.

Ferner müssten die Ausfallwahrscheinlichkeiten gut berechnet werden, weil sich kleine Abweichungen nach oben bei vielen Krediten multiplizieren und die Verluste schnell in den Himmel schießen lassen. "Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, eignen sich Verbriefungen dazu, das Eigenkapital der Banken zu entlasten", sagt Burghof. Sie können dann mehr Kredite vergeben.

Konjunktur nach Verbriefungen wieder beliebt

Das Instrument lag in den letzten Jahren darnieder, weil Verbriefungen und Weiterverbriefungen von US-Immobilienkrediten die Hauptursache der Finanzkrise waren. In der folgenden Rezession wurden auch Unternehmenskredite in Mitleidenschaft gezogen. Die Unsicherheit war für Investoren zu groß. "Weil die Konjunktur in Deutschland nun angezogen hat, ist auch das Interesse der Investoren gewachsen, in deutsche Unternehmen zu investieren", sagt Commerzbankerin Stark.

Verbriefungen werden in Deutschland seit Mitte der neunziger Jahre eingesetzt. Zu den Förderern dieser Finanzierungsart zählt die staatliche KfW Bankengruppe. Über die Plattform True Sales Initiative (TSI) sollte vor allem mittelständischen Firmen der Zugang zu Investoren und dem Kapitalmarkt eröffnet werden.

Das Geldhaus wandelt dabei Hypothekendarlehen oder Unternehmenskredite in handelbare Wertpapiere, die von Investoren übernommen werden. Die KfW versteht sich derzeit als "Ankerinvestor", um in dem ausgetrockneten Markt ein Signal zu setzen und anderen Mut zu machen.

"Deutscher Verbriefungsstandard" soll Seriosität schaffen

Für KfW-Vorstandsmitglied Günther Bräunig hatte die deutsche Verbriefungsindustrie nie einen Grund, ihre Produkte in Frage zu stellen. Sie hätten immer einen engen Bezug zur Realwirtschaft und dienten der Finanzierung des Mittelstands. Laut der Ratingagentur S&P sind in Europa in den letzten drei Jahren nur ein minimaler Teil der ausstehenden Verbriefungen nicht bedient worden.

Um die Verbriefungen zu rehabilitieren, will die Plattform TSI für die Seriosität des Produkts werben. Entwickelt wurde ein "Deutscher Verbriefungsstandard". "Deutsche Banken, die Verbriefungsindustrie und ihre Organisation, die TSI, haben eine Bringschuld", sagt Bräunig. Nur wenn es gelinge zu vermitteln, dass die deutschen Verbriefungen kein Spekulationsprodukt sind, könnten genügend Investoren dafür gewonnen werden.

In Deutschland erreichte das Volumen von Verbriefungen 2010 nur eine Größenordnung von zehn Milliarden Euro, so wenig wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Dagegen ist der europäische Markt mit über 200 Milliarden Euro weitaus größer. Auf dem Höhepunkt 2008 hatte er aber fast 740 Milliarden Euro betragen.