US-Notenbank:Eine Billion Dollar gegen die Krise

Schweres Geschütz: Die Fed wirft die Notenpresse an, plant den Kauf von Schrottpapieren in großem Stil - und gibt damit den Börsen Auftrieb.

Die Ankündigung der US-Notenbank über eine Geldspritze in Höhe von einer Billion Dollar hat die Kurse an den Börsen nach oben getrieben. Der US-Leitindex Dow Jones schloss am Mittwochabend mit einem Plus von 1,23 Prozent bei 7486,58 Punkten, nachdem er zeitweise sogar bis auf 7572 Zähler gestiegen war.

US-Notenbank: Fed-Chef Bernanke: Die wirtschaftliche Lage hat sich weiter verschlechtert.

Fed-Chef Bernanke: Die wirtschaftliche Lage hat sich weiter verschlechtert.

(Foto: Foto: Reuters)

Der Technologieindex Nasdaq stieg um 1,24 Prozent auf 1206,96 Punkte. Die Werte profitierten auch von Spekulationen um eine mögliche Übernahme von Sun Microsystems durch IBM.

In Japan ging der Leitindex Nikkei dagegen 0,3 Prozent tiefer mit 7945 Punkten aus dem Handel. Auch die Aktienmärkte in Taiwan und Südkorea verzeichneten Verluste. Die Börsen in Hongkong, Singapur und Shanghai verbuchten dagegen Gewinne. In Frankfurt schloss der Dax leicht im Plus bei 3996 Punkten.

Kauf von Staatsanleihen geplant

Im Kampf gegen die schwerste Rezession seit Jahrzehnten hatte die US-Notenbank Fed zuvor angekündigt, eine zusätzliche Billion in die Märkte pumpen zu wollen. Wie die Zentralbank am Mittwoch mitteilte, will sie in den kommenden Monaten langlaufende Staatsanleihen im Volumen von bis zu 300 Milliarden Dollar ankaufen.

Bereits laufende Programme zum Ankauf forderungsbesicherter Anleihen sollen außerdem deutlich ausgeweitet werden. Insgesamt dürfte sich damit die Bilanz der Fed um rund eine Billion Dollar aufblähen. Finanziert werden die Ankäufe, durch die weitere Milliarden Dollar in die taumelnde US-Wirtschaft gepumpt werden sollen, durch die Notenpresse.

Fed-Chef Ben Bernanke erklärte zu dem von einigen Analysten als "dramatisch" bezeichneten Beschluss, die wirtschaftliche Lage habe sich seit dem letzten Treffen der Notenbanker im Januar weiter verschlechtert. Die Fed werde in dieser Lage alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um Schlimmeres zu verhindern.

Den nach aggressiven Zinssenkungen im vergangenen Jahr praktisch bedeutungslos gewordenen Leitzins beließ der für die Geldpolitik der Federal Reserve zuständige Offenmarktausschuss wie an den Finanzmärkten erwartet beim bisherigen Zielband zwischen null und 0,25 Prozent. Dort werde er auch eine längere Zeit bleiben, erklärte Bernanke.

Am Anleihenmarkt sorgte die Ankündigung der Notenbank für massive Kursgewinne, der Dollar fiel dagegen zum Euro zurück. Bernanke hatte bereits im Dezember die Möglichkeit angedeutet, dass die Fed Staatsanleihen kaufen könnte. Er verfolgt damit das Ziel, den Banken, aber auch dem Staat neue Milliarden zur Verfügung zu stellen. Die Fed ist bereits seit Monaten dabei, Liquidität in die verstaatlichten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zu schießen.

Wenig überraschend

Seit Dienstag läuft auch ein Programm, mit dem die Fed direkt die Kreditbedingungen für kleine und mittlere Firmen, Studenten und Autofahrer verbessern will.

Experten zeigten sich wenig überrascht von den neuen Schritten der Notenbank. Es sei weitgehend gesetzt gewesen, dass die Fed auch Staatsanleihen kaufen und die Notenpresse richtig anwerfen werde, sagte Dan Fuss von der Finanzberatung Loomis Sayles in Boston. Analyst James Caron von Morgan Stanley betonte allerdings, dass es sich um einen "wirklich dramatischen Schritt" handele.

"Sie haben seit einiger Zeit klar gemacht, dass sie Staatspapiere kaufen werden. Und sie haben immer angedeutet, dass sie das machen werden, wenn die Renditen hochgehen. Das war jetzt der Fall."

Vor der Fed hatte bereits die britische Notenbank mit dem Ankauf von Staatstiteln begonnen, um die heimische Wirtschaft mit Geld zu fluten. Die Bank von Japan kündigte am Mittwoch die Ausweitung ihres laufenden Ankaufprogramms für Bonds auf umgerechnet knapp 220 Milliarden Euro an.

Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) wird mittlerweile über den Kauf von Commercial Papers diskutiert. Im Gegensatz zu den anderen Notenbanken hat die EZB aber noch Spielraum beim Leitzins. Dieser steht seit Anfang März bei 1,5 Prozent.

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