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US-Finanzkrise:Rettung für Merrill Lynch

Beben an der Wall Street: Nach fieberhaften Verhandlungen übernimmt die Bank of America die angeschlagene Investement-Bank Merrill Lynch - und entscheidet sich damit gegen Lehman Brothers.

Die Bank of America übernimmt offenbar die ins Strudeln geratene US Investmentbank Merrill Lynch für rund 50 Milliarden Dollar. Das sagte ein mit den Verhandlungen vertrauter Gewährsmann in New York der Nachrichtenagentur AP. Die Bank of America zahlt damit etwa 29 Dollar pro Aktie für Merrill.

Die Merrill Lynch Bank ist offenbar geretttet.

(Foto: Foto: dpa)

Merrill war zuletzt wegen Milliardenverlusten und einem dramatischen Kursverfall immer stärker unter Druck geraten. Die rettende Übernahme durch die Bank of America sei in fieberhaften Verhandlungen binnen 48 Stunden ausgehandelt worden, so das Wall Street Journal.

Mit dem Deal entsteht ein riesiges Finanzinstitut, gleichzeitig wird eine Rettung der schwer angeschlagenen US-Investmentbank Lehman Brothers immer unwahrscheinlicher. Die Bank of America galt neben der britischen Barclays Bank als interessiertester Käufer für Lehman Brothers. In US-Medien hieß es im Tagesverlauf, eine Liquidation von Lehman werde immer wahrscheinlicher.

Die US-Regierung drängte sie jedoch, Merrill Lynch zu übernehmen. Vertreter der Regierung und verschiedener Banken waren am Wochenende zu Gesprächen über das Schicksal von Lehman Brothers zusammengekommen.

Keines der drei Institute nahm zu den Berichten Stellung. Sollten Merrill und Lehman übernommen werden oder kollabieren, wären damit innerhalb von sechs Monaten drei der fünf führenden US-Banken verschwunden. Im März hatte JPMorgan die Bank Bear Stearns aufgekauft.

Damit wird das US-Finanzsystem erneut von massiven Umbrüchen erschüttert. Neben den Hinweisen auf den Kollaps von Lehman Brothers droht auch dem Versicherer American International Group (AIG) das Aus.

AIG bat nach übereinstimmenden Berichten des TV-Senders CNBC und des Wall Street Journal in einem ungewöhnlichen Schritt die US-Notenbank um kurzfristige Finanzhilfe. Der New York Times zufolge drohten Rating-Agenturen mit einer Herabstufung. Als Folge könnten Geschäftspartner ihr Kapital abzuziehen. In diesem Fall könne die Versicherung noch 48 bis 72 Stunden überleben, berichtete das Blatt weiter. Auch AIG nahm zu den Berichten nicht Stellung. Der Konzern hat infolge der Kreditkrise deutliche Kursverluste hinnehmen müssen.

Die US-Notenbank kündigte angesichts der Belastungen eine Reihe von Initiativen zur Unterstützung der Finanzmärkte an. Deren Liquidität solle verbessert werden, erklärte Fed-Chef Ben Bernanke. Zudem würden damit die "potenziellen Risiken und Störungen der Märkte" abgeschwächt.

Zehn Großbanken kündigten ihrerseits an, angesichts des "außergewöhnlichen Marktumfelds" gemeinsam für eine maximale Liquidität sorgen zu wollen. Zu den Instituten gehören die Deutsche Bank, Credit Suisse und UBS.

"Das US-Finanzsystem entdeckt, dass die tektonischen Platten unter seinem Fundament sich so verschieben, wie sie sich noch nie verschoben haben", bewertete Peter Kenny von Knight Equity Markets in der Nacht die Vorgänge. "Es ist eine neue Finanzwelt an der Schwelle zu einer kompletten Neuorganisation."

© AP/Reuters/ssc
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