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US-Bank Merrill Lynch mit Milliardenverlust:"Ein Blutbad"

Die Investmentbank Merrill Lynch leidet weiter an der Finanzkrise: Im zweiten Quartal muss das Institut einen Verlust von 4,9 Milliarden Dollar hinnehmen.

Für das zweite Quartal hat die US-Investmentbank Merrill Lynch am Donnerstag nach Börsenschluss wegen Abschreibungen einen Verlust von 4,9 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Im Vorjahreszeitraum hatte das Institut noch einen Gewinn von 2,07 Milliarden verbucht.

Schwächelnde Bank: Merrill Lynch verzeichnet erneut Milliardenverluste.

(Foto: Foto: Reuters)

Die Abschreibungen mußte Merrill vor allem bei neu verpackten Schulden vornehmen, darunter gesicherte Schuldverschreibungen und Belastungen bei Bond-Versicherern.

Angesichts der Abschreibungen kündigte das Institut den Verkauf von Vermögenswerten in Höhe von fast acht Milliarden Dollar an, um an frisches Kapital zu kommen. Dazu gehöre auch der Verkauf des 20-prozentigen Anteils an dem Finanzdatenanbieter Bloomberg für 4,4 Milliarden Dollar.

Zudem befinde sich die Bank in Gesprächen über den Verkauf eines Kontrollanteils an Financial Data Services Inc in Höhe von etwa 3,5 Milliarden Dollar. "Sie bewegen sich in die richtige Richtung, stehen aber noch vor großen Herausforderungen", sagte Chris Armbruster, Analyst bei Al Frank Asset Management. Merrill-Papiere verloren nachbörslich 6,9 Prozent.

Der Verlust je Aktie betrug im abgelaufenen Quartal 4,97 Dollar, nach einem Gewinn von 2,24 Dollar im Jahr zuvor. Die Nettoeinnahmen gingen auf 7,5 Milliarden Dollar zurück. Ohne Restrukturierungskosten verbuchte Merrill einen Verlust in Höhe von 4,42 Dollar je Aktie, während von Reuters befragte Analysten im Durchschnitt ein Minus von 1,94 Dollar pro Aktie erwartet hatten.

"Wenn wir gedacht haben, dass es nicht schlimmer kommen könnte, dann war dies vielleicht verfrüht", sagte Les Satlow, Portfolio-Manager von Cabot Money Management. "Jeder wusste, dass es ein Blutbad werden würde, daher sind nicht mehr viele große Überraschungen übrig." Danielle Schembri, Analystin bei BNP Paribas in New York, zeigte sich ebenfalls verwundert: "Diesen hohen Verlust habe ich nicht erwartet."

Merrill ist eines der am stärksten von der Kreditkrise betroffenen Institute. Seit dem Beginn der Krise hat die Bank nunmehr bereits Abschreibungen in Höhe von rund 40 Milliarden Dollar vornehmen müssen.

© sueddeutsche.de/Reuters/jkr
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