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Frankreichs Spitzen-Rating in Gefahr:Moody's-Drohung zieht Dax nach unten

Frankreich bangt - und Europa bangt mit. Die Ratingagentur Moody's droht den Franzosen mit dem Entzug der Bestnote AAA. Ein solcher Schritt hätte auch für den Rettungsfonds heftige Konsequenzen. Die Märkte geben deutlich nach.

Die europäischen Anleger reagieren allergisch auf die neuesten Krisensignale aus Frankreich. Weil die Ratingagentur Moody's dem europäischen Kernland mit dem Entzug der Spitzennote AAA droht, gaben die Aktienmärkte teilweise deutlich nach. Der deutsche Dax sowie der französische CAC 40 lagen am Mittag je rund 2,6 Prozent im Minus. Zwischenzeitlich hatte der Dax sogar mehr als drei Prozent im Minus notiert.

France's President Sarkozy delivers a speech at the Avignon Forum for the International meeting of culture, economy and the media

Bis 2016 solle es gar kein Haushaltsdefizit in Frankreich mehr geben, hatte Präsident Nicolas Sarkozy angekündigt. Die Ratingagentur Moody's bezweifelt aber, dass das für die Top-Bonität ausreicht.

(Foto: REUTERS)

Neben den Sorgen um Frankreich lässt sich der Kursabsturz auch mit den politischen Entwicklungen in Spanien erklären. Der designierte neue Premier Rajoy von der siegreichen konservativen Partei PP kündigte zwar eine "gemeinsame Anstrengung" an, räumte aber ein, dass "keine Wunder" zu erwarten seien. Daraufhin verteuerten sich die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen wieder. Die Renditen für Schuldpapiere mit zehnjähriger Laufzeit überschritten die bei der Refinanzierung als kritisch geltende Marke von sechs Prozent.

Frankreich hatte sich in den vergangenen Monaten einen strikten Sparkurs auferlegt, um sein hohes Haushaltsdefizit zu drücken und die Spitzenbonität nicht zu verlieren - 65 Milliarden will das Land bis 2016 einsparen. Nun scheint das Triple-A-Rating des Landes trotzdem in Gefahr.

Die Bewertungsagentur Moody's hat Frankreich vor einer Herabstufung gewarnt. Die steigenden Zinsen für französische Schuldpapiere und die schwächelnde Wirtschaft können nach Einschätzung von Moody's für Frankreichs Triple-A gefährlich werden.

Die von der französischen Regierung angestrebte Verringerung des Haushaltsdefizits werde bei anhaltender Krise schwerer zu erreichen sein, stellte Moody's in einem Bericht für Investoren fest. Das hätte negative Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit.

Auswirkungen auf den Euro-Rettungsschirm

Sollte Frankreich sein "AAA"-Rating verlieren, wäre auch das "AAA"-Rating des EU-Rettungsschirms EFSF gefährdet, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker. "Ich möchte nicht, dass das passiert." Zur möglichen Herabstufung Frankreichs ergänzte er: "Ich würde das der tatsächlichen Lage Frankreichs für nicht angemessen halten."

Moody's hatte bereits Mitte Oktober die Kreditwürdigkeit Frankreichs unter Beobachtung gestellt. Es sollte überprüft werden, inwieweit die französische Regierung die angekündigten Maßnahmen zur Reduzierung des Staatsdefizits umsetzt. Innerhalb von drei Monaten sollte entschieden werden, ob Frankreich noch die Bedingungen für die Perspektive "stabil" erfüllt. Ein negativer Ausblick kann der erste Schritt zu einer späteren Herabstufung sein.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte jüngst - nach eigenen Angaben versehentlich - eine Herabstufung Frankreichs gemeldet und später technische Gründe für den Fauxpas verantwortlich gemacht. Frankreich ist zuletzt dennoch stärker ins Visier der Finanzmärkte geraten und muss bereits höhere Refinanzierungskosten für seine Schulden zahlen.