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Umstrittener deutscher Milliardär:Der Vater ist in der SPD und fing klein an

Und ausgerechnet dieser Herr der maroden Altbauten verleibt sich nun Luxus-Immobilien im edlen London ein. Wobei man davon ausgehen kann, dass diese trotzdem nicht von Verfall bedroht sind - das wäre sonst wohl ein Verlustgeschäft. Der Milliardär streitet die Vorwürfe aber ohnehin ab. Über seine Westfalia-Gesellschaft im Duisburger Klinkerbau lässt er verkünden: Es habe "keine signifikanten Beschuldigungen" mit Blick auf illegale Methoden bei der Mieteintreibung oder einer bewussten Vernachlässigung von Immobilien in Deutschland gegeben. Auch bei den Londoner Liegenschaften lägen keinerlei Beanstandungen in dieser Hinsicht vor.

Tausende Sozialwohnungen brachten ein Vermögen

Conle ist nicht der einzige reiche Ausländer, der in Betongold an der Themse investiert. Der Markt boomt, denn die Metropole wächst, und die Zahl neuer Wohnungen hält nicht Schritt. Zugleich nutzen Wohlhabende aus aller Welt Londoner Immobilien als sichere Anlage für ihr Vermögen. Wegen der Krise in der Ukraine würden verschreckte Oligarchen aus Russland nun viele weitere ihrer hart verdienten Millionen nach London schaffen, schätzen Makler.

Der Grundstock von Conles Vermögen stammt von seiner Familie. Sein Vater Heinz, ein SPD-Mitglied, und dessen Bruder Kurt eröffneten 1949 ein Architektur-Büro, das dank millionenschwerer öffentlicher Aufträge schnell zu einem Immobilienkonzern heranwuchs. Das Duo zog Tausende Sozialwohnungen hoch. 1955 gründete Kurt mithilfe der Gewinne aus dem Baugeschäft zudem die Fluggesellschaft LTU. Den Aufstieg des Immobilien-Imperiums überschatteten Vorwürfe, die Conles würden von rotem Filz im Ruhrgebiet profitieren. Ein Korruptionsverfahren gegen die Brüder vor dem Landgericht Duisburg endete aber 1967 mit einem Freispruch.

Von Duisburger Sozialbauten nach Kensington - ein weiter Weg.

© SZ vom 16.05.2014
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